fudders App-Check: Die Fahrplan-App der Freiburger Verkehrs AG

Carolin Buchheim

Seit gut zwei Wochen gibt es das, was sich Bus und Straba nutzende Smartphonebesitzer aus Freiburg schon seit langem gewünscht haben: eine Fahrplan-App der Freiburger Verkehrs AG (VAG). fudder hat die Umsonst-App getestet - und war bald genervt:


Wer in Freiburg mit seinem Smartphone eine Fahrt mit der Freiburger Verkehrs AG (VAG) planen wollte, hatte bisher drei Möglichkeiten:

1. ziemlich old school, aber zuverlässig und unkompliziert zum Preis einer SMS, Abfahrten per SMS-Fahrplan abzufragen;

2. sich durch die nutzerunfreundliche Suche auf der nicht für die mobile Nutzung optimierten VAG-Website quälen; oder

3. total ausgefuchst, die Fahrplan-App der Basler Verkehsbetriebe zu verwenden, die seit Anfang April auf dem Markt ist, und ebenfalls die Daten für Freiburgs Busse und Bahnen beinhaltet.

Die Zeiten des Behelfs sind vorbei: Endlich gibt es eine offizielle Fahrplan-App der VAG. Die Umsonst-App für iPhone und Android-Smartphones kommt von einem Anbieter, der auch für viele andere Verkehrsbetriebe Apps bereitstellt. Nicht nur die Basler App sieht deswegen genau so aus wie die VAG-App, sondern auch die gleichartigen Apps für den Münchener MVV oder den VRR in Nordrhein-Westfalen.

Das Grundgerüst ist dementsprechend gut gemacht. Hat man GPS eingeschaltet, so sieht man unter "Abfahrten", welche Busse und Bahnen in der Nähe des eigenen Standort als Nächstes in welche Richung abfahren - ohne dass man irgendeine Suche eingeben müsste. Sehr praktisch, wenn man schon weiß, wo man hin will.

Die eigentliche Suchfunktion steckt hinter "Fahrten". Hier kann man entweder Haltestellen oder auch Adressen oder besondere Orte als Abfahrts- oder Ankunftsort angeben, eine Fahrzeit wählen und bekommt dann den detaillierten Fahrplan, inklusive aller Umstiege und eventueller Fußwege angezeigt. Auch der Preis für einen Einzelfahrschein wird gleich mit angegeben.

Fängt man an, einen Ab- oder Anfahrtspunkt zu tippen, erscheinen automatisch Vorschläge für Haltestellen oder besondere Orte. Das ist grundsätzlich super - doch hier wird die Tatsache, dass die App nicht nur auf die Daten für Freiburg, sondern auch für andere Verkehrsverbünde funktioniert, zum riesengroßen Nachteil.

Gibt man zum Beispiel als Start oder Ziel "Strandbad" ein (wir meinen selbstverständlich das in der Schwarzwaldstraße), so erhält man eine Liste mit 42 (!) verschiedenen Strandbädern aus  Deutschland und der Schweiz. Der erste Treffer ist Thun in der Schweiz, der letzte Allensbach am Bodensee, dazwischen gibt's unter anderem Düsseldorf, Füssen und Hannover. Das Freiburger Strandbad ist - kein Witz, die vorletzte Alternative in der langen Liste, die einen Geographie-unkundigen Nutzer der App gewaltig verwirren dürfte.



Tippt man (so wie die App es vorschlägt): "Hauptbahnhof", so erscheint als erster Treffer nicht etwa der Freiburger Hauptbahnhof, oder einfach der nächstgelegene Hauptbahnhof, sondern der Tübinger. Das ist nutzerunfreundlich - und nervt auf Dauer gewaltig. Bei den Suchergebnissen und -vorschlägen sollte unbedingt eine Gewichtung nach Standort oder Heimatverkehrsverbund erfolgen. Es ist verwunderlich, dass das nicht passiert.

Immerhin macht das die Nutzung der App, nun ja, ungewollt lehrreich. So erfährt man beim Tippen von "Hornusstraße", dass es einen Ort names Hornussen gibt (der ist übrigens im Aargau), und beim Tippen von "Tullastraße", dass es in Rastatt ein Tulla-Gymnasium gibt, und Tullastraßen ohnehin überall in Baden. Ein Technische Rathaus gibt es derweil auch in Ladenburg. Wer weiß, wann es mal nützlich sein könnte, das alles zu wissen.

Praktischer ist die Funktion "Karte", in der die ausgewählte Route (hoffentlich zum richtigen Strandbad/zur richtigen Tullastraße/zum richtigen Hauptbahnhof) auf einer Karte dargestellt wird.

Die Schaltfläche "Störungen" ist hingegen - wiederum dank der fehlenden Gewichtung der Ergebnisse - quasi ohne Nutzwert. Denn hier bekommt der Nutzer eine lange Liste von Störungen angezeigt, die mit nicht weiter erläuterten Nummern oder Kürzeln versehen sind. Wo genau diese Störungen sind, erfährt man nur, wenn man jede einzelne Störung angeklickt hat. Angezeigt werden also Störungen in irgendwelchen Verkehrsbetrieben, irgendwo in Deutschland und der Schweiz. Hinter "240" verbirgt sich zum Beispiel die Linie 240 "Rischweiler-Thaleischweiler", die wegen Asphaltarbeiten nur noch bis Höhmühlbach "Gasthaus Wolf" fährt. Das ist übrigens in der Pfalz. Eine Anzeige der Störungen zumindest mit Richtungen oder Verkehrsverbund wäre der Verwendbarkeit dieses Teils der App zuträglich.

In den Einstellungen kann man die App ein wenig anpassen, Verkehrsmittel ausschließen (gelistet sind neben den üblichen Angeboten auch Seil- und Zahnradbahnen und Schiffe) und die Dauer von Fußwegen begrenzen.

Laut Informationen der BZ soll die App weiterentwickelt werden - und - so wie die App der Deutschen Bahn - Echtzeitdaten von Bussen und Bahnen darstellen können. Hoffentlich in einem besseren Format als die "Störungen".

Das fudder-Fazit: Die App ist ein Quantensprung, keine Frage - und deutlich komfortabler als die äußert mangelhafte Suche auf der VAG-Webseite. In ihren Details ist die VAG-App aber dringend verbesserungsbedürftig - die Anzeige und Suche von Haltestellen, Orten und Straßen muß unbedingt regional gewichtet werden. Denn wie oft will ein Freiburger ins Strandbad von Thun oder zum Tübinger Hauptbahnhof?



Vorteile:

  • Kostenlos
  • Endlich per Smartphone den VAG-Fahrplan zur Hand!
 

Nachteile:

  • Verwirrende Suchergebnisse aus einem undefinierten und nicht begrenzbaren geographischen Gebiet
  • Verwirrende Störungsanzeige aus einem undefinierten und nicht begrenzbaren geographischen Gebiet
  • Version 2.2.8 auf dem iPhone 4 ist instabil - stürzt bei quasi jeder Benutzung ab


Für welche Geräte?

Kompatibel mit iPhone, iPod touch und iPad.Erfordert iOS 4.2 oder neuer.

Erfordert Android 1.6 oder neuer.

Mehr dazu:

[Screenshots: Promo; Fotos: Carolin Buchheim]