fudders App-Check: Cloak - der Tarnumhang fürs Smartphone

Fabian Fechner

"Cloak" ist die anti-sozialste App der Welt: Sie hilft dem Nutzer, Bekannten aus dem Weg zu gehen. fudder-Autor Fabian Fechner hat sie ausprobiert:



Man läuft nach einer durchzechten Nacht ungeduscht und verkatert durch die Stadt. Keine Situation, in der man gerne den Chef, die Ex oder auch nur irgendjemanden treffen möchte. Mit der App "Cloak", einer Art anti-sozialen Ausweichhilfe fürs Smartphone, soll man sich jetzt vor unangenehmen Begegnungen schützen können.


Der Startbildschirm des Programms ist eine ordentlich designte grüne Umgebungskarte, auf der die App die eigenen Freunde aus Twitter, Facebook, Instagram, Foursquare und Co. anzeigt. Dazu holt sie sich die Geodaten der Kontakte. Egal, ob also gerade jemand beim Bäcker um die Ecke eingecheckt oder im Park ein Foto geschossen hat - mit "Cloak" kann man die Begegnung mit der Person gezielt vermeiden.

Beim ersten Start muss man dementsprechend auswählen, auf welche sozialen Netzwerke "Cloak" zugreifen soll. Daraufhin legt man noch den angezeigten Radius fest und schon kann es losgehen. Neben der Karte kann man sich die lokalisierten Freunde auch übersichtlich in einer Liste anzeigen lassen.

Der Service hat natürlich einen Preis. Um die App zu benutzen, muss man ihr den Zugriff auf das eigene Profil in den ausgewählten sozialen Netzwerken erlauben - inklusive Freundeslisten und Newsfeed. Bei Twitter ist das aber zum Beispiel kaum ein Problem, da das Netzwerk ohnehin öffentlich ist.



Klar, macht es einen Unterschied, ob man die beste Freundin oder den unangenehmen Kollegen aus dem Büro (dessen Freundschaftsanfrage man aus Höflichkeit einfach nicht ablehnen konnte) auf der Straße trifft. Daher bietet "Cloak" die Möglichkeit, bestimmte Freunde zu kennzeichnen und dann auch nur diese Gruppe auf der Karte anzuzeigen. Außerdem schlägt die App Alarm, wenn sich die getaggten Kontakte bis auf eine bestimmte Entfernung nähern.

Bis hierhin klingt das alles sehr nett. Dann kommt das große Aber: Die App funktioniert nur, wenn sich die Freunde auch freiwillig orten lassen. Das heißt, sie müssen die entsprechenden Dienste aktiv und regelmäßig nutzen (Foursquare), beziehungsweise die Ortungsdienste aktiviert haben (Instagram, Facebook, Twitter). Sonst sieht man nämlich gar nix.

Außerdem zeigt die App einen Kontakt immerhin vier Stunden lang am Ort der letzten Lokalisierung an. Selbst wenn ein Freund einen ausgiebigen Kaffee in jenem Café trinkt, in dem er eingecheckt hat, ist es unwahrscheinlich, dass er nach so langer Zeit noch dort ist.

Vorausgesetzt, "Cloak" funktioniert einigermaßen, was auch vom Nutzungsverhalten der jeweiligen Freunde abhängt, hat es noch zwei weitere Effekte auf die Welt der sozialen Netzwerke. Der Erste liegt auf der Hand: Mit einem Tool, das hilft, Freunden auszuweichen, lassen sich genauso leicht auch Freunde finden. "Cloak" ermöglicht also Stalking.

Zweitens: Da man ja eher Menschen aus dem Weg gehen möchte, die man nicht mag, führt es unweigerlich dazu, bei Facebook und Co. Bekannte hinzuzufügen, die dem Prädikat "Freund" kaum entsprechen. Nur damit man immer den Überblick behält, wo sie sich gerade befinden und man ihnen aus dem Weg gehen kann.

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[Foto 1: diego1012/Fotolia, Rita Eggstein, Montage: Daniel Laufer, Foto 2: Screenshot]