fudder-Typologie: Diese Whatsapp-Gruppen des Grauens sind auch auf Deinem Handy

Marius Buhl, Daniel Laufer, Johanna Wagner & Laura Wolfert

Whatsapp ist der beliebteste Messaging-Dienst Deutschlands, der virtuelle Ort, an dem wir die wichtigen Dinge des Lebens mit wichtigen Menschen diskutieren – manchmal auch in Gruppen. Grund genug für Fudder, die wichtigsten Gruppen-Typen vorzustellen.



Die Tussi-Gruppe

Tussi-Gruppen tragen oft Namen wie „Sex-and-the-City-Girls“ oder  „Lady-Crew-Chat“. Im Betreff steht neben dem Chatnamen mindestens ein Emoji – gerne das Nagellack-Bildchen, das Sekt-Symbol oder die beiden tanzenden Mädels mit den Hasenohren. Das Gruppenbild zeigt eine Collage aus Männern – mit denen haben die Mitglieder gerade etwas am Laufen.

Die Medien bestehen zu 99 Prozent aus Chat-Screenshots, denn Vorsicht, liebes Tinder-Date: Was auch immer Du einer Frau schickst – ihre Freundinnen lesen es in dieser Gruppe mit. Sie wissen jedes kleine, schmutzige Detail über Dich. Schreiben die Damen in der Gruppe nicht über Männer, dann wird die Shoppingbeute präsentiert. Fotos von oder in BHs – auch das kommt vor.

Die Klassen-Gruppe

In Physik wird nicht über Newton diskutiert, sondern über den hässlichen Pullover des Lehrers – im Klassen-Chat, nicht im Unterricht. Hier wird abgemacht, wer sich wann meldet, um aufs Klo zu gehen – damit man sich gemeinsam auf dem Flur treffen kann.

Die Matheaufgaben rechnet immer nur ein schlaues Kerlchen aus – es postet die Lösungen in die Gruppe, die Klassenkameraden schreiben nur noch ab. Ja, wer in der Klassen-Gruppe ist, dem wird das Schulleben leichter gemacht – solange man den Chat auf stumm stellt. Denn schaust Du nur für zehn Minuten nicht auf Dein Handy, hast Du 126 neue Nachrichten – oder ein Foto von Dir, schlafend im Unterricht.

Die Familien-Gruppe

Die Familien-Gruppe gründet die alleinstehende Tante, die wenige Whatsapp-Kontakte hat und sich noch über jede einzelne Nachricht freut. Ist die Familie endlich digital versammelt, geht es los: Man battlet sich mit Fotos der schönsten Gartenpflanzen, absurden Kitschbildern und schlecht abfotografierten Familienfotos oder posiert mit der neuen Kettensäge. Ab und zu sendet man ein Video vom Haustier.

Da das Prinzip der Autokorrektur nicht von allen durchschaut wird, sind Missverständnisse vorprogrammiert. Am Ende jeder Kauderwelsch-Konversation sendet man ein Lach-Emoji – für die Stimmung. Die Jugend der Familie stellt die Gruppe nach einer Woche lautlos – für ein Jahr.

 

Die Proll-Gruppe

Hier hast Du es zum ersten Mal gesehen, das Video, das seit Tagen durchs Netz geistert und angeblich einen Mann zeigt, während er an seinem Geschlechtsteil rumspielt. Porno und Unterhaltung, die Grenze verschwimmt. Bald folgt der nächste Nackedei-Clip, man will sich überbieten. Großes Hihihi.

Später will einer wissen: Wo geht's denn nun heute Abend hin zum Saufen? Karma? Schneerot? Die Antwort: Ein Foto von drei Schnapsgläsern, randvoll. Drei Stunden später kommt die Fortsetzung: ein Bild, wie einer Deiner Freunde sturzbetrunken auf dem Boden sitzt – vor einem innerstädtischen Fastfood-Restaurant. Du tippst die Frage ein, die jetzt gestellt werden muss: „Hast Du gekotzt?“

Die Kollegen-Gruppe

„Diese Gruppe ist nur für Notfälle da!“, sagt Deine Chefin, als sie Dich zur Gruppe hinzufügt. Alles klar. Den ersten Notfall gibt’s am Tag darauf. Dein Zimmernachbar ist aus dem Urlaub zurück und bricht in Panik aus. „Wo ist die Büropflanze?“ Minuten vergehen, bis jemand antwortet. „Sorry …“

Um abzulenken wettert der Schuldige über die aus der anderen Abteilung, was die wieder gemacht haben, das geht so ja nicht und ach. Ein Kollege, gerade in Elternzeit, schickt Fotos von seiner Kleinen im Strampler rum, den das Team geschenkt hat. „Oh mein Gott, ist die süß“, schreibt Deine Chefin. Herzchen-Alarm. Nur für Notfälle? Diese Gruppe ist selbst zu einem geworden.

Die WG-Gruppe

„Wer macht das weg??!?“ Der Typ, der das jeden Tag schreibt, liebt den WG-Chat. Das heißt, am meisten liebt er es, Bilder von Dingen zu posten, die ihn nerven.

Jemand hat seine Brotkrümel in der Küche nicht vom Tisch gefegt? Bild plus Nachricht: „Wer macht das weg??!?“ Ein Mädel hat die Plastikumhüllung ihres Tampons im Bad liegen lassen. Bild plus Nachricht: „Eklig! Wer macht das weg??!?“ Jemand hat geduscht. Bild plus Nachricht: „Da ist Schaum in der Wanne! Wer macht das weg??!?“ WG-Chats können okay sein.

Der „Wer macht das weg??!?“-Schreiber macht sie zu einem digitalen Schandpfahl. Wer macht den weg?

Die Studierenden-Gruppe

Student 1: „Weiß jemand, wie der weibliche Vertreter ohne Vertretungsmacht heißt?“ Student 2: „Falsa procuratrix, gern geschehen!“

So verläuft ein Jurastudenten-Chat, denkt man, scrollt – und findet Rap-Lyrics von Haftbefehl, virtuelle Torschreie wenn Petersen trifft, „Herr der Ringe“-Zitat-Schlachten, Memes, FIFA-Verabredungen, Jodel-Screenshots, Pikantes über Tinder-Dates, Pizza-Hut-Käserand-Liebeserklärungen, Sauf-Verabredungen, Urlaubsbilder, Beleidigungen, wenn jemand abends nicht kann  – und die tägliche Frage: „Jemand mensen?“ Der Name der Gruppe? Bromilitons – ein Kreuzwort aus Kommilitone und Bro.

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[Illustration: Karo Schrey]