fudder-Typologie: Diese 11 Radlerinnen und Radler beherrschen die Straßen Freiburgs

Die Liebe zwischen Freiburgern und ihren Rädern – sie ist groß. Die einen legen großen Wert auf Style und Marke, die anderen verlassen das Haus nicht ohne Helm. Hier sind 11 Radfahrtypen, die Du auch kennst. Welcher bist Du?

Die Anarcho-Radlerin

Rote Ampeln? Kennt sie nicht. Was soll das auch, sieht sie ja schließlich selber, ob da ein Auto kommt oder nicht. An wartenden Autos schlängelt sie sich gekonnt und nur haarscharf am Seitenspiegel vorbei bis nach vorn, um dann vor den ganzen Dreckschleudern über die Kreuzung zu düsen. Sowieso, Autofahrer. Die denken auch, sie hätten die Straße gepachtet, nur weil sie größer sind und im Zweifel stärker. Pah. Denen zeigt es die Anarcho-Radlerin mit waghalsigen Abbiege-Manövern ohne Anzuzeigen und erwidert hupende Langweiler gekonnt mit erhobenem Mittelfinger oder ausgeklügelten Beleidigungen.

Deko-Radler

Das Lenkrad voller Blümchen, die Kette hinter einem mit Pünktchen bemalten Kettenschutz versteckt, das ganze Fahrrad in auffallend frisch lackierter Farbe. Der Baskenkorb vorne dient nicht etwa dazu, Einkäufe zu transportieren, sondern ist lediglich eine Fortführung der Blümchen am Lenkrad und gibt dem ganzen den Flair eines bayrischen Ferienhauses mit Geranien vor dem Balkon. Auch die Klingel darf natürlich nicht fehlen: groß und silbern glänzend entlockt der fröhliche Fahrer ihr wohlklingende, volle und sehr laute Töne, die allen Passanten signalisieren: Vorsicht! Hier kommt er: Der Fahrer des allerschönsten Fahrrads von Freiburg. Nur hinfallen, darf er nicht, denn dann wäre die ganze schöne Aufmachung dahin.

Norddeutsche mit Hollandrad

Da kommt sie angefahren, die Norddeutsche mit ihrem Hollandrad. Sie ist vielleicht aus Bremen, Osnabrück oder Kiel nach Freiburg gezogen und hat ihr Fahrrad selbstverständlich mitgebracht. Sehen kann man sie schon von Weitem, denn sie überragt alles: Ihr Rücken kerzengerade, ihr Lenker ungefähr dort, wo südbadische Radler ihren Kopf haben. Stolz manövriert sie ihre Gazelle durch den Verkehr und schaut an der Ampel freundlich auf den Rennradfahrer hinunter. Wenn der wüsste, wie bequem es bei ihr da oben ist! Selbst beim Absteigen sieht sie elegant aus - das liegt an dem Oma- , ähm, Hollandrahmen.

Einkaufsradler

Bei ihm kann man nur staunen: Ein einziges armes kleines Fahrrad – und so viel Gepäck! Er ist ein Meister des Schichtens: Überall passt noch eine Tüte hin, und was nicht mehr aufs Fahrrad geht, verschwindet in die beiden Rucksäcke, die der Einkaufsradler hinten und vorne trägt. Hier dient das Fahrrad nicht dazu, um im herkömmlichen Sinne von A nach B zu fahren. Nein, beim Einkaufsradler wird es zur modernen Version des Packesels. In einer anderen Stadt würde man eventuell die Frage wagen: "Warum gehst du denn nicht mit dem Auto einkaufen?", in Freiburg aber ist das ganz normal: Der Wocheneinkauf für die sechsköpfige Familie muss aufs Fahrrad passen.

Die Schrottradlerin

Die Kette rostig, der Sitz vernarbt und das Licht defekt: Die Schrottradlerin stört das nicht. Wenn wenigstens eine Bremse funktioniert, ist sie zufrieden. Majestätisch fährt die Schrottradlerin auf ihrem Klappergestell durch die Gegend. Das Rad ist immer älter als die Besitzerin. Obwohl es mehr Fehler als Fahrrad ist, wird es auf dem Freiburger Fahrradmarkt für 80 Euro angeboten. Daher kommt auch eine Reparatur nicht in Frage, wäre die doch noch teurer als der Einkaufspreis. "Totalschaden" heißt das beim Auto, "Toll, das fährt ja noch" beim Fahrrad.

Spießerradler

Hier wird das Fahrradfahren zum Event, das noch Zuhause – in der Regel eine schöne Reihenhaushälfte im Grünen – beginnt: Fahrradhose, Fahrradschuhe, Jersey-Hemd und Schutzjacke wurden schon am Vortag bereit gelegt. Nun muss nur noch der perfekt der Kopfform angepasste Helm auf den Kopf – und dann kann’s los gehen. Beim Spießerradler ist alles durchgeplant: Von der Fahrradpumpe bis zur Fahrrad-Regenhose in der Satteltasche ist alles perfekt organisiert. Und eines ist bei ihm gewiss: Ohne Helm geht bei ihm gar nichts!

Style-Radlerin

Sie liebt ihr Fahrrad, das sie für einen echt guten Preis bei ebay-Kleinanzeigen ergattert hat. Der Rahmen ist Mintgrün - das passt so gut zu ihren Nike Internationalist. Wenn sie nach der Arbeit noch kurz am Supermarkt hält, verstaut sie ihre Einkäufe in ihrem großen Herschel-Rucksack - denn einen Gepäckträger hat ihr Fahrrad nicht. Die Style-Radlerin stellt ihr Rad niemals draußen ab - wozu gibt es denn sonst diese schicken Wandhalterungen für die Wohnung? Auch ihrem Boyfriend sind Räder wichtig. Fahrradtouren am Wochenende gibt es bei den beiden trotzdem nicht. Da holen sie lieber ihr Longboard raus und rollen durch die Gegend.

Rennradler

Ohne Klickpedale steigt er nicht aufs Rad. Ein Rennrad des italienischen Herstellers Bianchi natürlich, Inbegriff dieses Rennsports auf dünnen Reifen. Laufradsatz und Gruppe stammen von "Campa", also Campagnolo. Aber das versteht sich bei ihm von selbst. Zur Arbeit und nach Hause fährt er liebend gerne den 30-Kilometer-Umweg durch das Umland. Jeder gefahrene Kilometer zählt. Gesessen, gegessen, gelesen und geliebt wird deshalb Zuhause auf dem Rollentrainer.

Die Familienradler

Das Familienrad trägt sie alle: Wahlweise Mama oder Papa, den Hund, den Großeinkauf, oder, klar: Das Kind. Oder auch gleich den ganzen Nachwuchs: Hinten ein Kindersitz, vorne an der Stange der zweite Sattel, angebracht für das schon etwas größere Kindergartenkind. Das dritte strampelt hinten auf dem Tandemrad nur dann, wenn Papa wieder prüfend zurück schielt, ob Jule auch wirklich mithilft. Hippe Familien knüpfen an die niederländische Tradition an und besorgen sich ein "Bakfiets": In den großen, optimalerweise hölzernen Anbau, groß wie ein Bollerwagen, passt wirklich alles rein.

Der Doppelfahrer

Lässig und mittig am Lenker gepackt, schiebt der Doppelfahrer neben sich ein zweites Fahrrad her und ist damit auf gleich vier Rädern unterwegs. Zwei davon tragen ihn, meist gespannt zwischen ein ziemlich unspektakuläres Drahtgestell. Und neben ihm rollt treu wie ein Schoßhund das Zweitrad – wie selbstverständlich geschoben vom Doppelfahrer. Der erste Gedanke: Ääh – Moment mal. Da ist doch was faul. Das ist doch sicher einer von denen, diesen unglaublich fiesen Fahrraddieben. Und so dreist fährt er mit seiner Beute gleich durch die ganze Stadt. Wie Normalo-Radler auf den Doppelfahrer reagieren, verrät aber auch viel über sie selbst. Auf die Skeptischen, siehe oben, folgen nämlich die Gutgläubigen: Ach was, das ist doch ein ganz Lieber. Der bringt wahrscheinlich seinem Kumpel, der gestern Abend nach dem zuvielten Bier nicht mehr aufsteigen konnte, sein Rad bis vor die Haustür. Solche Menschen gibt es eben doch noch.

Der Mountainbiker

Er ist ein harter Hund, mit aufgekratzten Schienbeinen und Dreck im Gesicht. Zieht er im Rudel zur nächsten Abfahrt, weichen andere Radler ehrfurchtsvoll aus. Wie ein Pick-Up-Truck auf der Straße sieht er dabei immer etwas deplatziert aus: riesen Reifen, gigantischer Lenker, Presswurst-Montur. Richtig gefürchtet ist er aber nicht auf der Straße, sondern in seinem natürlichen Habitat, dem Wald. Er stört die meditative Ruhe, monieren die Wanderer. Sie stören die Abfahrt, sagt er.