fudder-Typologie: Diese 10 Pendlertypen triffst du in jedem Zug

Enya Steinbrecher

Die vorlesungsfreie Zeit ist vorbei, die Schule hat wieder begonnen und die Urlaubstage sind aufgebraucht: Früher oder später startet jeder wieder in seinen Alltag. Viele nutzen dafür täglich Bus und Bahn – was Dank der anderen Gäste nicht immer zur Entspannung beiträgt.



1. Der Stinker

Ein 9-to-5-Job ist hart, besonders im Winter. Man verlässt das Haus bei Dunkelheit und kommt bei Dunkelheit zurück. Viele Menschen arbeiten auch länger als acht Stunden. Trotzdem findet wirklich JEDER die Gelegenheit, zumindest ein Mal in der Woche zu duschen. Der Stinker nicht. Schon beim Einsteigen kündigt ihn eine Schweißfahne an. Die ganze Fahrt über hat der Gestank nun die Zeit, sich im gesamten Abteil zu verteilen. Dabei kann man sich im Winter noch glücklich schätzen – doch auch der Sommer wird kommen.



2. Die Schulklasse

Auch Schüler müssen morgens zur Schule. Aber manche von ihnen sind um sieben Uhr morgens schon voller Energie und wenn man in den Zug steigt, hat man das Gefühl, einen Kinderspielplatz betreten zu haben: Es fliegen Papierkügelchen, es wird geschrien und junge Halbstarke prügeln sich auf dem Boden. Wer noch nie plötzlich unter einem Zwölfjährigen lag, dessen Freunde ihn durch den halben Zug geworfen haben, der lügt – oder betritt keine öffentlichen Verkehrsmittel.



3. Der Telefonierer

Häufig ein Anzugträger mit Laptop auf dem Schoß und Aktentasche, der sein brandneues Smartphone auch vor der Arbeitszeit nicht weglegen kann. Das Phänomen zieht sich allerdings durch alle Schichten: Diese eine Person im Abteil, deren Lebensgeschichte man nach Verlassen des Zuges kennt. Nicht, weil sie einem erzählt wurde – dazu kommen wir noch – sondern, weil man als unfreiwilliger Zeuge Gesprächen am Telefon lauschen muss, die sich mit unüberhörbarer Lautstärke auch durch den Bass der eigenen Musik in den Gehörgang hämmern.



4. Die Quasselstrippe

Häufig ältere Leute, die sich im Zug oder Bus auf dem Sitzplatz nebenan niederlassen. Kaum haben sie Platz genommen, geht es los: Zugfahren war früher ja ganz anders. Noch sehr gut kann sich die Quasselstrippe an ihre erste Zugfahrt erinnern – und möchte diese Erinnerung auch jedem mitteilen, der den Fehler macht, zuzuhören. Jetzt jedoch geht es erst einmal zu den Enkeln – die sind schließlich der ganze Stolz. Nach drei Stationen kennt man sämtliche Vornamen der Enkelkinder mitsamt dem Alter, den Hobbys, den Schulnoten, Haustieren, Lieblingsessen und Lieblingsfarbe. Natürlich werden auch die peinlichsten Geschichten der Kleinen herumerzählt – denn Kinder sind ja soooo süß. Ob die Kleinen es in einigen Jahren ebenfalls süß fänden, wüssten sie, was Oma und Opa im Zug da von sich geben?



5. Der Student

Besonders während der Klausurenphase findet man ihn: Berge von Papierkram auf dem Schoß wiegt der Student sich hin und her, um nicht seiner Panikattacke zu verfallen. Hin und wieder hält er inne – dann zucken seine Augen nervös über seine Aufschriebe, bevor er sich leise beruhigende Worte zumurmelt und wieder in sanftes Wiegen verfällt. Jeder kennt so jemanden – und wenn nicht, dann seid ihr es selbst.



6. Der Schläfer

Selbsterklärend. Hat sämtliche Körperspannung verloren und braucht daher deutlich mehr als nur einen Platz. Wenigstens ist er leise.



7. Die Mutter

Einen Kinderwagen, eine Umhängetrage und vier Kleinkinder im Alter zwischen einem und fünf Jahren im Schlepptau, betritt die Mutter den Zug. Während sie damit beschäftigt ist, Junior eins den Mund abzuwischen, sind Junior zwei und drei damit beschäftigt, ihre Handgreiflichkeiten inmitten der Fahrgäste auszutragen. Junior zwei verliert und fängt an zu weinen. Junior drei weint aus Sympathie mit. Junior eins übergibt sich auf den Fußboden und Mama wischt schnell auf. Wo ist eigentlich Junior vier? Der schläft noch im Fahrradabteil unter dem Sitz, während Mama mit den drei Kleinen längst den Zug verlassen hat.



8. Der Besoffene

Manche Menschen haben einen anderen Tagesrhythmus. Manche Menschen haben auch gar keinen Tagesrhythmus. Diese Menschen befinden sich dann morgens um acht mit drei vollen und sechs leeren Bierflaschen im Zug – und man kann nur hoffen, dass es sich bei ihm nicht auch gleichzeitig um den Stinker oder die Quasselstrippe handelt.



9. Der Revierverteidiger

Eine Tasche auf dem Sitzplatz ist zunächst eindeutig: Dieser Platz ist besetzt. Irgendwann jedoch wird es besonders während der Rush-Hour voll im Bus und dann beginnt der Kampf: Der Revierverteidiger ist auf keinen Fall bereit dazu, das hart erkämpfte Territorium aufzugeben. Selbst dann nicht, wenn an der nächsten Haltestelle ein Junge mit Krücken, eine weit über achtzigjährige Oma und eine hochschwangere Mutter den Zug betreten. Die Tasche bleibt auf dem Sitz.



10. Der Autofahrer

Schließt die Liste sehr gut ab: Der Autofahrer, der sich morgens in seinen schicken BMW setzt, den Rückspiegel einstellt und zu seiner eigens gewählten Musik ohne nervigen Beifahrer gemütlich ins Büro fährt. Heimlich lacht er über die armen Idioten, die im Zug um ihren Sitzplatz kämpfen und im Gestank der anderen Gäste sitzen – doch er lacht nur so lange, bis er versucht, einen Parkplatz zu finden.