Neuigkeiten aus Freiburg

fudder startet den "Club der Freunde"

Markus Hofmann

50 Prozent der fudder-Leser nutzen Ad-Blocker und sehen keine Werbung. 100 Prozent lesen fudder, ohne dafür bezahlen. Man muss nicht BWL studieren, um zu verstehen: Das ist ein Problem! Aus diesem Grund startet fudder den "Club der Freunde".

Dieser Club ist der Versuch einer Antwort auf die Frage, wie sich Journalismus in der digitalen Welt finanzieren lässt. Und mit dieser Frage werden in diesen Tagen alle Medienhäuser konfrontiert, seien es große Medienkonzerne wie Axel Springer oder regionale Zeitungshäuser wie der Badische Verlag, der fudder seit Januar 2006 herausgibt.

Club der Freunde: Jetzt Mitglied werden

Vor welch riesigen Herausforderungen die Nachrichtenbranche steht, lässt sich vielleicht mit einer kurzen Geschichte erklären. Stellt Euch ein kleines Imbissrestaurant in guter Lage vor, in dem – sagen wir – die Hälfte aller Gäste seit vielen Jahren kostenlos essen kann. Für diese Gäste geht hier alles aufs Haus. Noch dazu hat dieses kleine Imbisslokal im Laufe der Zeit sehr starke Konkurrenz bekommen. In der Nachbarschaft haben sich fünf mächtige Imbissketten angesiedelt, die dem kleinen Imbisslokal viele jener wenigen Gäste, die tatsächlich bezahlen wollen, abspenstig machen. Was meint Ihr: Wie lange wird es dauern, bis die Rollläden in diesem kleinen Imbisslokal runtergehen?

Journalismus muss irgendwie finanziert werden

In der digitalen Welt ist der Wettbewerb im News-Geschäft sogar noch härter. Und das hat damit zu tun, wie man im Internet mit Journalismus Geld verdient. Im Grunde genommen kann eine News-Website die gleichen Erlösquellen anzapfen wie zum Beispiel eine Tageszeitung: Entweder bezahlen die Leserinnen und Leser die Kosten (zum Beispiel durch ein Abonnement) oder die Anzeigenkunden (durch Werbung). Irgendjemand muss dafür bezahlen, dass ein Reporter die Redaktion verlässt, um zu berichten, was geschehen ist.

Seit unserem Launch im Januar 2006 sind alle Inhalte auf fudder kostenlos. Diese Erlösquelle – die Finanzierung durch den Leser – spielt bislang also überhaupt keine Rolle für uns. Dabei ist sie enorm wichtig: Bei Tageszeitungen zum Beispiel decken die Einnahmen aus Abonnements und Kioskverkäufen etwa 60 Prozent der Kosten.

Bleibt die Werbung. Hier gibt es gleich zwei große Probleme. Erstens: Adblocker. Etwa die Hälfte aller fudder-Leser, die unsere Website besuchen, bekommt keinen einzigen Werbebanner zu Gesicht – weil sie mit Werbeblockern unterwegs ist. Mit diesen Lesern verdienen wir also keinen einzigen Cent, diese Leser produzieren nur Kosten (Traffic). Doch selbst wenn von heute auf morgen alle fudder-Leser ihren Werbeblocker deaktivieren würden, wäre das Problem nicht gelöst.

Denn: Mit Online-Werbung allein lässt sich guter Journalismus nicht bezahlen – die Preise für Werbung sind oft zu viel niedrig und der Wettbewerb zu hoch. Dies hat damit zu tun, dass die Onlinewerbewelt von Großkonzernen wie Google und Facebook beherrscht wird. Diese beiden Giganten teilen einen Großteil des Werbekuchens unter sich auf. Auch wenn es um Werbebudgets aus Freiburg geht, konkurrieren regionale Internetseiten wie die Badische Zeitung oder fudder bei jedem ausgegebenen Cent für Online-Werbung aus Freiburg mit Google und Facebook.

Zusammengefasst: 100 Prozent der fudder-Inhalte sind kostenlos. 50 Prozent der fudder-Leser sind mit Werbeblockern unterwegs – man muss nicht BWL studieren, um zu verstehen, dass dies kaufmännisch nicht dauerhaft gut gehen kann… Vor dieser Herausforderung steht übrigens nicht nur eine kleine lokale Website wie fudder, sondern alle journalistischen Angebote, die in der digitalen Welt überleben wollen und ihre Leser mit aktuellen News und spannenden Geschichten informieren wollen. Und immer mehr Medienhäuser erkennen: Es führt kein Weg daran vorbei, dass die Leserinnen und Leser für journalistische Inhalte bezahlen müssen.

Auch wir werden diesen Weg beschreiten, und zwar in Form eines Clubs: Wir gründen fudders "Club der Freunde". Für uns ist dies ein großes – und ein sehr wichtiges – Experiment. fudder wird monatlich von etwa 150.000 Menschen( Unique User) mindestens einmal aufgerufen. Unser Ziel ist, dass zumindest ein kleiner Teil dieser Leserinnen und Leser bereit ist, für unsere Arbeit den Geldbeutel aufzumachen. Anders wird es nicht funktionieren.

fudders Club der Freunde



Heute, am 1. Juli, dem Tag des Relaunchs von fudder, wird es noch keine kostenpflichtigen Artikel auf fudder geben. Dies hat technische Gründe – es wird noch einige Wochen dauern, bis wir Bezahlinhalte auf fudder.de einführen. Was dabei nicht geschehen wird: Wir werden die fudder-Website und all ihre Inhalte nicht mit einer Bezahlmauer zubetonieren – ein Großteil der fudder-Artikel wird auch in Zukunft frei verfügbar sein wie bisher. Aber eben nicht alle.

Diese kostenpflichtigen Artikel – nennen wir sie Premiuminhalte – werden nur Mitglieder des fudder-Clubs lesen können. Und nicht nur dies: Wer Clubmitglied ist, kann auch die meisten kostenpflichtigen digitalen Angebote der Badischen Zeitung uneingeschränkt nutzen. Eine Mitgliedschaft im "Club der Freunde" ist somit eine Art Flatrate für Online-Journalismus aus Freiburg und Südbaden.

Darüber hinaus gibt es für Clubmitglieder eine Reihe finanzieller Vorteile: Rabatte bei Veranstaltungen und vielen Freizeitangeboten mit der neuen fudderCard. Es gibt monatliche Clubaktionen, bei der Clubmitglieder Geld sparen und gemeinsam etwas unternehmen können. Und auch die Gewinnspiele auf fudder werden nur noch den Mitgliedern vorbehalten sein.
Es gibt nur sehr wenige Medienhäuser, die mit solch einem Clubmodell bisher Erfahrungen gesammelt haben. fudder ist hier also ein bisschen Pionier. Wir sind das nicht zum ersten Mal. Vor zehn Jahren, als fudder gegründet wurde, haben wir in Freiburg gezeigt, dass man mit etwas vermeintlich Banalem wie Lokaljournalismus ein junges Internetpublikum erobern kann.

Nun wollen wir zeigen, dass solch eine lokale Website auch in einer Welt der Googles, Facebooks und Werbeblocker wirtschaftlich betrieben werden kann – eben weil einige derjenigen, die sie intensiv nutzen, dafür bezahlen.

Wir laden Euch also ein, fudder zu unterstützen. Für uns ist das ein Geben und Nehmen, denn wir glauben, dass fudder als Plattform in den vergangenen zehn Jahren vielen Menschen, Geschäften und Institutionen in Freiburg geholfen hat – indem wir über sie berichtet haben.

Nachteulen, die sich wöchentlich in fudders "Wo rockt’s" informieren. Junge Freiburger DJs, Bands und Künstler, die auf fudder eine Bühne bekommen. Startups, neue Restaurants, Bars und kleine Läden, von denen die Menschen in Freiburg als erstes auf fudder erfahren. Junge Kommunalpolitiker, die in anderen Medien ihre Sicht der Dinge weniger ausführlich schildern können als auf fudder. Und all diejenigen, die uns ihre Geschichten liefern, die dann in der Mensa, in der Straßenbahn oder bei der WG-Party Gesprächsthema und Stadtgespräch sind.

Und wir laden natürlich auch diejenigen ein, die sich über uns geärgert haben in den vergangenen Jahren. Weil wir zu kritisch waren, oder einen Tick zu böse. Wir versprechen Euch: Durch einen Club werden wir noch ein bisschen frecher und kritischer werden. Weil wir an Unabhängigkeit gewinnen.

Was uns wichtig ist: fudders "Club der Freunde" ist keine Spendenkampagne. Tatsächlich investieren die Verleger des Badischen Verlags aktuell eine Menge Geld, weil sie daran glauben, dass unsere Idee funktioniert. Der Verlag investiert in das Design einer neuen Website und in ein neues Content Management System. Wir wollen also alle richtig Gas geben!

Liebe Freundinnen und Freunde von fudder – nun wisst Ihr, was wir vorhaben. Wir sind gespannt, was Ihr davon haltet. Seid bitte kritisch – wir sind gespannt auf Eure Sicht der Dinge und auf Eure eigenen Ideen!