fudder-Kommentar: Warum Joachim Gauck genau der richtige Bundespräsident sein wird

Fabian Vögtle

Fünf Tage nach einem bewegenden Auftritt im Freiburger Audimax wird Joachim Gauck im Berliner Kanzleramt zum parteiübergreifenden Präsidentschaftskandidaten nominiert. Für Gauck-Fans, die den Bürgerrechtler und langjährigen Chef der Stasi-Unterlagen-Behörde schon bei seiner ersten Kandidatur unterstützt haben, geht ein Traum in Erfüllung. fudder-Autor Fabian Vögtle ist sich sicher: Gauck wird genau der richtige Bundespräsident sein.



Als „reisender Demokratielehrer“ tourt Joachim Gauck seit Jahren durch die Republik. Dass wolle er auch als Bundespräsident weiterhin tun, sagte er bei der Pressekonferenz am Sonntagabend in Berlin. Der Unterschied: Er bekleidet dann das Amt des Staatsoperhauptes und hat einen gewaltigen Apparat hinter sich. Am Valentinstag in der vergangene Woche besuchte der 72jährige Freiburg noch als privater „Bundespräsident der Herzen“ und las aus seiner Autobiografie "Winter im Sommer – Frühling im Herbst".


Studenten wie Senioren lauschten im überfüllten Audimax gleichermaßen den emotionalen Worten des Pastors, Politikers und Publizisten. Der präsentierte den interessierten Zuhörern seine Erinnerungen nicht nur mit starker Stimme, sondern amüsierte diese mit seinen Anekdoten und Gedichten. Bevor er seine persönliche und lebendige Geschichtsvorlesung begann, war es ihm eine Herzensangelegenheit allen Besuchern einen Sitzplatz zu geben und setzte prompt junge Leute in die erste Reihe. Nicht nur der Uni-Rektor staunte.

Joachim Gauck weiß genau was er kann und was er tut. Er ist cool und hat immer eine Antwort parat. Es wird Menschen geben die ihm Eitelkeit und Arroganz vorwerfen. Doch Gauck präsentiert und posiert nicht extra für Kameras. Seine Art auf Menschen zuzugehen, ist natürlich. Der Mann hat Charisma, wie wohl nur Helmut Schmidt. Seine rhetorischen Fähigkeiten sind nicht abzustreiten und wenn er mit viel Pathos von Freiheit und Demokratie redet, nimmt man ihm das ab wie keinem anderen.

Es sind keine politischen Floskeln, die der langjährige Leiter der Stasi-Unterlagen-Behörde in den Raum wirft. Er weiß wovon er spricht. Der Freiheitskämpfer, der nach der NS-Diktatur als Bürger der DDR weitere 40 Jahre in einem Unrechtsstaat lebte und als Pastor und Bürgerrechtler zusammen mit vielen anderen die friedliche Revolution möglich machte, ist der beste Bundespräsident den man sich für unser Land vorstellen kann.

Zwar dürfe man jetzt keinen „Supermann“ erwarten, wie Gauck selbst vor zu hohen Ansprüchen an ihn warnte. Doch eins ist klar: Als Staatsoberhaupt wird er sich nicht nur in der Rolle des Repräsentanten sehen, sondern in seinen eindrucksvollen, sicher auch mahnenden Reden, der Politik die Leviten lesen und den ein oder anderen verärgern. In Freiburg kritisierte er den „unideologischen Abschied von Mitwirkung“ vieler Bürger. Nun kann er an der Spitze des Staates dafür werben, dass sich die Gesellschaft mehr engagiert und den Nichtwählern von Freiburg bis Flensburg erklären, warum es ein Geschenk ist, frei wählen zu dürfen.

Dass Bundeskanzlerin Angela Merkel über ihren Schatten gesprungen ist, Koalitionskrach hin oder her, und sich mit allen Parteien außer den Linken auf Joachim Gauck als Kandidaten geeinigt hat, ist eine glückliche Wendung des Schicksals. Joachim Gauck ist keine zweite Wahl. Er ist „Deutschlands reisender Demokratielehrer“, der nun zurecht ins Schloss Bellevue einzieht.

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