fudder-Kommentar: Warum im E-Werk weiterhin Partys stattfinden müssten

Manuel Lorenz

Im E-Werk finden in Zukunft keine Partys mehr statt. Diese Meldung sorgte in der Szene für Kopfschütteln und ließ auch fudder-Redakteur Manuel verwundert zurück. Der findet: Das E-Werk zieht sich damit auf ein antiquiertes Kulturverständnis zurück - und bezieht dennoch weiterhin öffentliche Gelder.



Das E in E-Werk: Bis vor kurzem stand es noch für „elektronisch“ – das versprach Spannung –, zukünftig könnte es für „ernst“ stehen. Diesen Eindruck erweckt jedenfalls die jüngst getroffene Entscheidung des Kulturzentrums, fürderhin keine Partys mehr in seinen Hallen stattfinden zu lassen. Die Hauptbegründung dafür: Das E-Werk stoße bei derartigen Veranstaltungen an seine räumlichen Kapazitätsgrenzen. Damit verbunden sei eine hohe Abnutzung der Infrastruktur.


Klar: Wo man hobelt, fallen Späne. Und wo nichts angerührt wird, nutzt sich auch nichts ab. Das Parkett bleibt glatt, die Wände bleiben weiß. Immerhin sind 2011 für die Sanierung der Kultureinrichtung rund 4 Millionen Euro aufgewendet worden. Da will man nicht eine Abrissparty nach der anderen schmeißen. Die Gefahr: Schon bald werden Spinnweben das E-Werk durchziehen, und Staub wird sich auf sein Mobiliar niederlegen.

Denn: Kultur findet heutzutage längst nicht mehr nur in jenen bürgerlichen Formen statt, die uns das 19. Jahrhundert beschert hat. Kultur kehrt vermehrt wieder zu ihren Ursprüngen zurück, als „Tanz, Theater, Musik und Bildende Kunst“ – so die Sparten des E-Werks – sich noch in einem höheren gesellschaftlichen Zweck vereinten: dem Kult (vulgo: der Party).

Wer als zeitgemäße Kultureinrichtung wahrgenommen werden will, kommt an dieser Entwicklung nicht vorbei. E (ernst) und U (unterhaltend) gibt es so nicht mehr. Und das hatte das E-Werk die längste Zeit verstanden – und Partys wie die legendäre Elektrolounge beheimatet. Veranstaltungen wie die „Ultima Ratio“ und „Chez“ ließen hoffen, dass es nach der Sanierung so weitergehen würde. Stattdessen: Rückschritt.

Das E-Werk scheint ein Luxusproblem zu haben. Während andere Institutionen um jeden einzelnen Besucher kämpfen, erteilt das ehemalige Elektrizitätswerk einem Veranstaltungstypus die Absage, weil der Andrang zu groß ist. Das könnte uns noch egal sein. Beunruhigen muss uns, dass sich eine Einrichtung, die auch öffentliche Gelder bezieht, auf ein antiquiertes Kulturverständnis zurückzieht. Abnutzung der Infrastruktur hin oder her.

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[Bild: Thomas Kunz]