fudder-Kommentar: QU-Club - Macht den Club doch bitte endlich einfach auf

Carolin Buchheim

Warum fudder-Redakteurin Carolin Buchheim der Meinung ist, dass das QU endlich öffnen sollte - und zwar als Diskothek:



Vor ein paar Wochen stand ich auf der Tanzfläche des QU-Clubs im Kellergeschoss des Quartiers Unterlinden. Es war ein bisschen traurig, dort unter der teuren Partybeleuchtung zu stehen, denn der 500 Quadratmeter große Club liegt – so gut wie fertig – im Dornröschenschlaf.


Es ist überraschend kalt hinter den schmucklosen Metalltüren, dabei sollte es hier eigentlich schon seit Monaten heiß hergehen. Thomas Rauhut und Filipos Klein hatten die Eröffnung einst für September 2012 geplant, doch der Bebauungsplan verbietet in der Lokalität eine Vergnügungsstätte. Vergnügungstätten, das sind neben Spielhallen, Striptease-Bars und Swinger-Clubs auch Clubs und Diskotheken. "Die Zulassung solcher Vergnügungsstätten ist vom Investor nicht gewünscht und wäre mit der städtebaulichen Zielsetzung, das Quartier Unterlinden durch hochwertige Nutzungen aufzuwerten, nicht vereinbar", heißt es lapidar im Bebauungsplan.

Trotzdem investierten Rauhut und Klein Hunderttausende in den Club – aus Unwissenheit, wie sie sagen, und unter Zusage des Projektleiters und Verpächters Peter Unmüßig, dass ein Club ebenda möglich sei. Eins ist klar: Unmüßig hätte sein eigenes Projekt und den vor Ort geltenden Bebauungsplan besser kennen müssen. Doch den Schaden trägt nun nicht er, sondern die beiden Beinahe-Clubbtreiber.

Für Unmüßig ist der QU-Club ein Bauobjekt unter vielen - für Rauhut und Klein der Lebenstraum vom schicken Club, in dem bereits jetzt ungezählte Arbeitsstunden, Leidenschaft und Herzblut stecken – und diverse große Kredite.



Da niemand im Gemeinderat gewillt war, sich für eine Änderung des Bebauungsplans zu Gunsten von Rauhut und Klein einzusetzen, wollen die Betreiber jetzt umsatteln und das QU als Bar eröffnen, die an dieser Stelle grundsätzlich möglich ist. „Wenn wir das QU als Bar eröffnen, wären die Öffnungszeiten die gleichen, ein DJ könnte auch spielen – wir dürften nur keine ausgewiesene Tanzfläche haben, und niemand dürfte tanzen", sagt Betreiber Filipos Klein nicht ohne Verwunderung.

Er wundert sich zu Recht. Im Nachtleben des Jahres 2013 verschwimmen die Grenzen. Was ist ein Restaurant mit lauter Hintergrundmusik, in dem die Leute nach dem Essen zwischen oder auf den Tischen tanzen, was ein Club, in dem es auch was zu essen geht? Was ist eine Bar mit Live-Musik, was ein Club?

Tatsache ist: So mancher Ort, an dem sich junge Freiburgerinnen und Freiburger des Nachts vergnügen und der als Club oder Disco wahrgenommen wird, ist – ordnungsrechtlich gesehen – eine Bar; so mancher Dancefloor entsteht allabendlich erst durch das Beiseiteschieben von Stehtischen – nicht durch das Personal, selbstverständlich.

Wird eine QU-Bar mit DJ und Live-Musik eine andere Aus- und Außenwirkung haben als ein QU-Club mit DJ und Live-Musik? Ich glaube nicht. Kaum ein Club dürfte so wenig Nachbarschaftsstresspotential haben wie das QU: Die Lage in einem unbewohnten Neubau am Rande der Innenstadt mit Park- und ÖPNV-Anbindung und der durch das Atrium gegebene Schallschutz für eventuelle Nachbarn sprechen für den Laden, egal in welcher Form.

Dabei bin ich mir noch nicht einmal sicher, ob Freiburg einen Club von Format, Konzept und Größe des QU braucht, ob ein Club mit diesem Konzept in Freiburg funktionieren kann oder wird. Aber diese Entscheidung sollte weder bei mir, noch beim Gemeinderat liegen, sondern bei der Freiburger Party-Crowd.

Irgendwer im Gemeinderat, egal wer, sollte sich ein Herz fassen, fürs Freiburger Nachtleben, für Rauhut und Klein, und eine Bebauungsplanänderung lancieren.

Und dann macht den Club doch bitte endlich einfach auf.

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