fudder-Kommentar: Butschers Ausmusterung ist ein Eigentor

Maria-Xenia Hardt

Der SC Freiburg ist normalerweise nicht für unüberlegten Aktionismus bekannt – ein halbes Dutzend Spieler gewissermaßen rauszuschmeißen, kommt dem trauriger Weise aber ziemlich nah. Ein Kommentar.



Die Meldung des Rausschmisses von Yacine Abdessaki und der Aussortierung von Manuel Salz, Kisho Yano, Heiko Butscher, Maximilian Nicu und Felix Bastians hat für gewaltig Aufruhr gesorgt. Natürlich bedarf es einer differenzierten Betrachtung: Salz, Yano und Nicu haben wenig, beziehungsweise gar nicht gespielt, eine stillschweigende Trennung von diesen Spielern wäre kaum mehr als eine kurze Meldung würdig gewesen. Abdessaki kann auch kaum darüber klagen, ungerecht behandelt worden zu sein; und die Ausmusterung von Felix Bastians ist in sofern nachvollziehbar, als dass der Spieler seinen Vertrag nicht verlängern will und dieses Transferfenster die letzte Möglichkeit bietet, zumindest noch etwas Ablöse für ihn zu bekommen.


Warum der SC allerdings Heiko Butscher loswerden will, ist unverständlich. Klar, seine Hinrunde war schlecht, aber wenn man alle kickt, auf die das zutrifft, bleiben nicht viele Spieler für die Rückserie übrig. Was wirklich hinter der Aktion steckt – Differenzen mit Trainer Sorg oder wirtschaftliche Überlegungen (Butscher ist einer der Besserverdiener) – wird wahrscheinlich ein wohlbehütetes SC-Geheimnis bleiben. Fest steht: Man mustert nicht einfach so den Kapitän aus.

Erfolg oder Misserfolg ist nicht nur eine Frage von Personal, sondern auch eine von Stimmung und Moral – für beide ist es nicht gerade förderlich, einen Anführer auszumustern.

Vielleicht lohnt sich an dieser Stelle ein Blick in die letzte Saison und auf das damalige Weihnachtsschlusslicht Borussia Mönchengladbach: Dieselben Gladbacher Spieler, die in der Rückrunde der letzten Saison den kaum noch für möglich gehaltenen Klassenerhalt schafften und inzwischen von Platz 4 grüßen, haben in der Hinrunde 2010 versagt; Medien und Fans gleichermaßen prügelten verbal auf Spieler wie Arango, Dante und Daems ein.

Filip Daems, seines Zeichens Abwehrrecke und Kapitän der Borussia, spielte 2010 eine geradezu unterirdische Hinrunde, man sprach ihm Bundesligatauglichkeit ab und nicht wenige wären ihn wohl gerne losgeworden. Natürlich sollte man nicht verschweigen, dass die ein oder andere schlechte Leistung des Linksverteidigers auch mehrfachen Einsätzen in der Innenverteidigung geschuldet gewesen sein mögen. Parallelen zu Heiko Butscher sind trotzdem durchaus vorhanden.

Klar ist: Dufner und Sorg sind nicht die ersten, die am Abgrund Muffensausen bekommen und irgendetwas tun, bevor sie gar nichts tun. Vielleicht rüttelt die Aktion ja wach, und Spieler und Trainer stellen fest, dass sie im selben Boot sitzen und nur gemeinsam aus dem Sumpf rudern können. Vielleicht geht der Schuss aber auch nach hinten los – so ganz ohne Kapitän an Bord.

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  [Foto: dpa]