fudder-Jahresrückblick 2008: 16 Filme, die wir noch mal gucken werden

Jonas Nonnenmann, Manuela Müller & Jennifer Bormann

Welche Filme des Jahr 2008 waren es eigentlich wert, geguckt zu werden? Drei Autoren aus dem fudder-Kino-Team, Jonas, Manuela und Jenni, schauen auf das Kinojahr zurück. Sechzehn Filme, die auch im Heimkino gefallen dürften.



“Before the devil knows you’re dead” von Sidney Lumet

Der Film enthüllt den Abgrund einer amerikanischen Familie, die Pate steht für eine ganze Gesellschaft. Das Besondere: Die Geschichte ihres unaufhaltsamen Abstiegs, ihres Scheiterns und Verlierens, ihrer Verzweiflung wird aus den verschiedenen Erzählperspektiven der Familienmitglieder und darüber hinaus unchronologisch in Szene gesetzt, was die Tragödie umso schärfer zeichnet und nur begrenzt Mitleid für die Protagonisten weckt. Schauspielerische Glanzleistung. [Jenni]

Der Drachenläufer von Marc Foster

Gute Umsetzung einer wundervollen Geschichte über Freundschaft und Verrat, die so ziemlich alle Emotionen anspricht. [Jonas]

„Brügge sehen… und sterben“ von Martin McDonagh

Barocke Leitgedanken in barocker belgischer Umgebung: „Vanitas“-Motiv und „Memento mori“, also das Bewusstwerden der eigenen Vergänglichkeit, des eigenen Todes, begleiten einen suizidgefährdeten Killer und seinen herzlichen Kollegen in Brügge. Die bittere Geschichte verwebt eindrücklich die Zivilisationskrankheit der Moderne (und eventuell des Auftragkillers) – die Depression – mit mittelalterlichen Todes- und Jenseitsvorstellungen. Zahlreiche Bildcodices, phantastische Kamera, stimmungsvolle Musik, tolles Drehbuch. [Jenni]

"Der Baader Meinhof Komplex" von Uli Edel


Frische Umsetzung eines Stückes deutscher Geschichte. Räumt nebenbei mit einigen RAF-Mythen auf. [Jonas]

Die fudder-Review:Der Baader Meinhof Komplex

“Schmetterling und Taucherglocke“ von Julian Schnabel


Die Verfilmung der Erinnerungen des Elle-Chefredakteurs Jean-Dominique Bauby, der am sogenannten „Locked-in-Syndrom“ litt. Die traumhaftesten Filmbilder des Jahres. Die Kamera Janusz Kaminskis ist eindringlich und lässt einem als Zuschauer kaum eine Chance sich außerhalb des Geschehens sicher zu fühlen. Das Voice-Over des Hauptprotagonisten kommentiert unerlässlich das Gezeigte - nicht nur einmal bleiben einem dabei das Lachen im Halse stecken. [Jenni]

Mit einem schwierigen Thema und dem schwierig zu handhabenden Stilmittel souverän umgegangen - Bravo an Julian Schnabel und seinen Kameramann Janusz Kaminski. [Manuela]

Die fudder-Review:
Schmetterling und Taucherglocke

"Juno"  von Jason Reitman



Amüsant und auf wunderbare Weise ehrlich über den amerikanischen Teenager. Vor allem Ellen Paige zu verdanken, dieses Gegengift zum komplett im Klischee erstarrten Highschool-Bild der US-Serien. [Manuela]

Die fudder-Review:
Juno

Palermo Shooting von Wim Wenders

Wim Wenders beschäftigt sich mit dem Tod - ein wichtiges, leider noch tabuisiertes Thema. [Jonas]

„No Country For Old Men“ von Joel und Ethan Coen


Von der Außenseiterrolle zu Oscargewinnern: Cormac McCarthy hat für die Coen-Brüder mit seinem Roman sozusagen eine Steilvorlage geliefert. Die skurrilen Charaktere des Buchs, ihre trockene Art, die minimalistischen Handlungsweisen, die Sprache und vor allem die unausweichliche Tragödie korrespondieren perfekt mit der Coenschen Inszenierungsart à la „Fargo“. Das brutale Verhalten der Protagonisten und die Charaktere an sich treten umso mehr hervor, als das geographische Umfeld so wüst und leer daherkommt und Ersteres fast unerträglich betont. [Jenni]

Die fudder-Review: No Country For Old Men

"Wall-E " von Pixar/Andrew Stanton

Pixar endlich wieder auf dem Niveau, das wir kennen und lieben. Technikverliebt, putzig und dabei doch sehr intelligent, fast ein wenig dystopisch.  [Manuela]

Die Welle von Dennis Gansel


Die Verfilmung des Jugendromans zeigt auf mitreißende Art und Weise, wie Faschismus entsteht und funktioniert. Anschauen! [Jonas]

Die fudder-Review: Die Welle
fudder-Diskussionsrunde: "So ein Experiment ist ja ganz lustig, machen wir doch erstmal mit"

"Waltz with Bashir " von Ari Folman

 Allein schon für die brillante Idee, einen Dokumentarfilm als Animation zu realisieren. Selten so eindringlich den Krieg erzählt gesehen. [Manuela]

„REC“ von Jaume Balagueró


Film als Spiegel der Gesellschaft: In Zeiten von Live-Reportagen, voyeuristischem Verhalten der Fernsehzuschauer, die persönliche Geschehnisse Fremder zum Mittagessen auf Privatsendern sehen, ermöglicht der Film die Illusion größtmöglicher Authentizität. Fantastische Schockelemente! Das Besondere am Film ist vor allem auch die Sprache: Das schnelle, hektische Spanisch wirkt sich auf die Herzschlagfrequenz des Zuschauers aus. Es gibt kein Durchatmen während des Films. Bester Zombiefilm seit Jahren. [Jenni]

Die fudder-Review: REC

"Willkommen bei den Sch'tis" von Dany Boon

Der Film belastet die Lachmuskeln bis zur Schmerzgrenze. Die beste Komödie, die ich dieses Jahr gesehen habe. [Jonas]

"O'Horten" von Bent Hamer

O'Horten - Ganz low-key erzählt und doch ganz nah an seiner Hauptfigur.
Skurril und sehr skandinavisch, tappt Baard Owe durch einen letztlich doch sehr warmen und freundlichen Winterfilm. [Manuela]

„Tropic Thunder“ von Ben Stiller & „Abgedreht“ von Michel Gondry


Zwei lustige und einfallsreiche Hommages an den Film, an Filmgeschichte, an Klassiker. [Jenni]

Die fudder-Review: Tropic Thunder & Abgedreht