Fudder-Helden 2008

fudder-Redaktion

2008 war ein Jahr voller Helden. Aber was macht einen Held aus? Die Fudder-Redaktion erinnert sich an Menschen, die beeindruckt haben. Dabei fällt auf: Manchmal sind es auch nur Kleinigkeiten, die diese Menschen für uns so besonders machen.

Der Einzige im Rollstuhl


Am 14. September 2008 fuhr der Freiburger Nicolai Flöth das Bergrennen „Schauinslandkönig“ als einziger Teilnehmer mit dem Rollstuhl und meisterte die Strecke (11,5 Kilometer, 770 Höhenmeter) in fünfeinhalb Stunden. Die Zuschauer unterstützten ihn leidenschaftlich und machten ihn zum „Schauinslandkönig der Herzen“. Vor dem Start sagte Flöth, bei dem vor 15 Jahren eine Multiple Sklerose diagnostiziert wurde: „Ich will niemandem etwas beweisen. Es sind eher symbolische Dinge wie Hoffnung, die ich mit diesem Rennen in Verbindung bringe.“ Sechs Wochen lang bereitete sich Flöth auf die Tortur vor. „Ich habe mich von der Krankheit nicht davon abbringen lassen, mich sportlich zu betätigen.“



Flöth zeigte mit seiner Rollstuhlfahrt, dass man es schaffen kann, eine Krankheit zu überwinden. Dabei zählt nicht die gefahrene Zeit, sondern der Wille und der Glaube an sich selbst. Mich hat Nicolai  Flöth mit seiner Leistung sehr beeindruckt. david
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Der Finder



Kennt ihr das? Ihr holt Zigaretten am Automaten und lasst sie stecken, die wertvolle und gerade so kurz vor Weihnachten dringend benötigte Bankkarte. Genau das ist mir passiert. Einen Tag später meldete sich chris_84 über die Fudder-Community bei mir: „Hi Gina, hab’ mal ’ne ganz außergewöhnliche Frage an dich. Hast du vielleicht deine EC-Karte (Sparda-Bank) vor einem Zigarettenautomaten verloren? Hab’ dort eine auf deinen Name  gefunden. Dachte, bevor ich sie einreiche und sie dir alles sperren, frage ich mal nach. Ciao Chris.“ Zu diesem Zeitpunkt hatte ich das Fehlen noch nicht einmal bemerkt!  Ich schrieb zurück, doch da hatte  Chris schon meine Nummer im Telefonbuch gefunden und rief mich an. Das nenne ich Einsatz! Wir vereinbarten einen Treffpunkt und ich bekam meine Geldkarte zurück. Mein Name auf der Karte hatte ihn auf die richtige Spur gebracht: Per Google ist er auf meine Fudder-Artikel gestoßen und schließlich in der Fudder-Community gelandet. Dort legte er sich unter dem Namen chris_84 extra ein Profil an, um mir eine Nachricht schreiben zu können. Er ist mein persönlicher Fudder-Held 2008! gina
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Lehrerin mit zweitem Leben

NergizK (Nergiz Kern) ist Englischlehrerin in der Erwachsenenbildung.  Das allein ist ja noch nichts Besonderes, aber Nergiz geht dabei neue Wege.  Sie bietet nicht nur Online-Unterricht an, sondern erschließt sich  die virtuelle Welt von   „Second Life“ für ihren Sprachunterricht. In den Kommentaren der Fudder-User unter ihrem Interview zeigt sich, dass es viele abgedroschene Phrasen zur virtuellen Welt gibt. Das sei nur etwas für Leute, die mit dem „wirklichen“ Leben nicht zurechtkämen und dergleichen Unsinn mehr. Ich glaube, virtuelle Welten werden in wenigen Jahren Teile des zweidimensionalen Web ersetzt haben. Aber damit wir die Möglichkeiten der Welten in 3-D-Optik  auch ausschöpfen können, brauchen wir Menschen wie Nergiz, die uns jetzt schon erklären, wo das Potenzial dieser Welten liegt, damit wir die Zukunft besser und sinnvoller gestalten können. Sie tut das am Beispiel des Fremdsprachenunterrichts. Das finde ich heldenhaft. cms
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HIV

Am Weltaidstag berichtete fudder.de über das Schicksal von mehreren Personen die an HIV erkrankt sind. Besonders berührt hat mich das Schicksal des Afrikaners Pascal, der heute in Deutschland lebt und schon seit 18 Jahren auf der Flucht ist. In seinem Land herrscht Bürgerkrieg.

Nachdem er und seine Familie von Rebellen aus ihrem Dorf vertrieben wurden, gelang Pascal die Flucht, was ihm das Leben rettete. Bevor er nach Deutschland flüchtete, lebte er mehrere Jahre in Flüchtlingslagern. Erst in Deutschland erfuhr Pascal von seiner Aidserkrankung.

Hier geht es ihm, dank der guten medizinischen Versorgung zwar besser, aber er lebt in der ständigen Ungewissheit, wie lange er noch in Deutschland bleiben darf. Sein Aufenthalt wird nur geduldet und wenn er Glück hat, alle drei Monate verlängert. Wie schrecklich es sein muss, in ständiger Ungewissheit zu leben und täglich um sein Leben fürchten zu müssen – dagegen erscheinen mir meine Probleme plötzlich belanglos. Pascal ist mein Fudder-Held, da ich seine Stärke bewundernswert finde. Ich wünsche ihm von Herzen alles Gute. katharina
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Mutter der Djanes



Ich war skeptisch, als ich Mithras L. Leuenberger  in der Basler DJ-Schule für Frauen besuchte. Braucht es  überall eine Extrawurst für Frauen, fragte ich mich.  Und ist es nicht diskriminierend, Männer auszuschließen? Im ersten Moment erschrak ich über die Bilder, die an der Wand im Rubinia-Keller hingen. Sie sind in die Kategorien „positive Frauenbilder“ und „Sexismus“ aufgeteilt worden. Demnach müsste jede Frau, die etwas knapper bekleidet ist, ein Opfer sein. Eine Ansicht, über die man durchaus streiten kann.

Und trotzdem hat  mich die Djane-Schule überzeugt. Die Atmosphäre in der Schule für Djanes stimmte. Völlig unterschiedliche Mädchen, ruhige und selbstbewusste, alte und junge, verbunden durch die Musik. Sie fachsimpelten über Technik und Sounds und witzelten darüber, dass sie schon als Kinder diejenigen waren, die  den Videorekorder programmierten. Dann wurden sie plötzlich ernst. Sie diskutierten,  ob man karrierefördernde Auftritte besser ablehnen sollte, wenn sie ans Weiblichsein und  kurze Outfits gekoppelt seien. Inwiefern würde man da noch als Künstlerin ernstgenommen? Einige Mädchen erzählten Schauergeschichten von Stalkern. Mithras hörte verständnisvoll zu, und gab Tipps aus ihrer langjährigen Erfahrung als Djane. Ein solches Gespräch wäre mit Männern im Raum  kaum zustande gekommen.

Mithras, eine der ersten DJ-Frauen in Basel, hat erkannt, dass Mädchen besondere Fragen und Sorgen haben. Sie unterrichtet Nachwuchs-Djanes nicht nur, sie betreut und berät sie. Dabei schert sie sich nicht darum, ob andere das für überholt und übertrieben emanzenhaft halten. Das finde ich heldenhaft. bianca
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Klamotten und Humor gezeigt

Meine Fudder-Heldin 2008 ist Jenny aus dem Video-Spezial von „Was ist dein Stil?“ Pinke Hose, schwarzes „I Love My Boyfriend“-Shirt  und  große Kreol-Ohrringe  – so wird mir Jenny  in Erinnerung bleiben. Fudder-Fotograf Dominik Rock und ich hatten  zwei Stunden lang keinen passenden Protagonisten für die Stilfrage in Freiburg Haslach gefunden. Die Leute ließen uns  abblitzen oder waren kamerascheu. Dann kam Jenny: Mit ihrer erfrischenden, unvoreingenommenen Art hat sie uns den Tag gerettet und zudem  einen der coolsten Fudder-Kommentare geschrieben. Als sie von den Usern heftig kritisiert wurde, schrieb sie: „An die Redaktion (Domi und Gina): Ich danke euch und ihr habt ja meine Nummer. Ihr könnt mich jederzeit anrufen.“  gina
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Der Zukunftsdenker

Fudder-User Tachy (Johannes Güntert) habe ich zu seinem Blog nie-mehr-benzin.de interviewt. Er plädiert  dafür, dass die mobile Zukunft dem Elektroantrieb gehört. Seine Thesen sind zwar nicht komplett ausgegoren, aber ein Held ist er für mich, weil er erkennt, dass es mit fossilen Treibstoffen nicht mehr lange klappen wird und wir uns nach Alternativen umsehen müssen. Auch wenn jetzt  zustimmend nicken werden, gehört er doch zu den wenigen, die sich auch aktiv mit der Thematik beschäftigen. Das finde ich heldenhaft. cms
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Säckinger Cowboy

Er trägt Cowboyhut, Stiefel und eine auffällige Gürtelschnalle.  Countrysongs singt er auswendig mit, und in seiner Freizeit tanzt er mit vielen Frauen Line Dance. Auch ein paar  Männer sind dabei,  aber die sind alle  mindestens 20 Jahre älter  als Christian Baier. Der 15-Jährige  hat mich beeindruckt, weil er alles andere als ein Mitläufer ist. Er setzt seine eigenen Trends, trägt und hört was ihm gefällt – ganz egal, was andere darüber denken.  Auf die Frage, was ihm an der Countrymusik gefalle, weist Christian auf die Texte hin – auf die Heimatverbundenheit, die hier besungen wird. „Und Heimat muss nicht in den USA sein – für mich ist das hier“, sagt der Säckinger. Dieses Rückbesinnen auf die Heimat liegt übrigens dann doch  schwer im Trend. Viele junge Menschen sehnen sich wieder nach einem Ort, an dem sie sich zu Hause fühlen. Mein persönlicher Fudderheld Christian hat ihn gefunden: in Säckingen und im  örtlichen Countryclub. bianca
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Die Anti-Schickeria



Christian Rotzler aus Freiburg hat im November die derzeit angesagteste Bar der Stadt eröffnet. Sie heißt „The Great Räng Teng Teng“, ihr Konzept: Eine Anti-Lounge mit Cowboycharme. Ab und zu spielen Bands, es gibt einen Kicker und eine 120 Kilo schwere Jukebox. Seit ihrer Eröffnung ist die Kellerbar in der Grünwälderstraße meist brechend voll. Christian, der mit seinen Geschwistern Matthias und Rahel schon die Beat Bar Butzemann im Stühlinger eröffnet hat, bewies  Gespür für das Ausgehverhalten junger Freiburger. Er hat erkannt, dass viele Nachtschwärmer keine Lust mehr haben auf überteuerte Schickeria-Gastronomie. Christians Berufsbiographie: Erzieher, Versicherungsvertreter, Kneipier. Sein Erfolgsrezept: Gute Kontakte und Glaubwürdigkeit. Er lebt das, was er verkauft. Wir von Fudder finden: Mehr Räng Teng Teng würde der  Region gut tun. david
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Die Zauberer



Das Zaubererpärchen Judith Asal und Tanjano Hassio aus Freiburg haben es geschafft, ihr Hobby zum Beruf zu machen. Tanjano hat sich das Zauberhandwerk selber beigebracht und zaubert seit über 22 Jahren. Seine Partnerin Judith hat die Zauberei vor zwei Jahren für sich entdeckt und ihr ganzes Können von Tanjano gelernt. Heute treten Sie gemeinsam bei diversen Festivitäten auf und verdienen ihr Geld damit, andere zum Staunen zu bringen.
Beeindruckt hat mich vor allem ihre Leidenschaft für die Zauberei. Wenn die beiden vom Zaubern erzählen haben sie ein ganz außergewöhnliches Strahlen in den Augen. Für Tanjano und Judith ist Zaubern mehr als nur eine einstudierte Show. Ein wenig Menschenkenntnis und Schauspielerei gehört für sie ebenso dazu wie das nötige Talent. Der Mut, den Schritt zu wagen,  und das Hobby zum Beruf zu machen, das finde ich heldenhaft. katharina
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