Theater Freiburg

fudder fragt, das Ensemble antwortet: 16 Fakten zu "Die Küche"

Gina Kutkat

Das gab es noch nie: Für "Die Küche" stehen alle 16 Schauspielerinnen und Schauspieler des Ensembles des Theater Freiburg gemeinsam auf der Bühne. fudder hat ihnen 16 Fragen zum Stück gestellt – und sie haben alle beantwortet.

"Die Küche" von Arnold Wesker spielt in der Küche eines großen Restaurants im London der späten 50er Jahre. Der iranische Regisseur Amir Reza Koohestani bringt das Stück, das 1961 in London uraufgeführt wurde, mit dem gesamten Ensemble des Theater Freiburgs auf die Bühne – also allen 16 Schauspielerinnen und Schauspielern. Wie das war und was der Beruf des Kochs mit dem des Schauspielers zu tun hat, haben Angela Falkenhan, Henry Meyer, Tim Al-Windawe, Victor Calero, Thiess Brammer, Marieke Kregel, Lukas Hupfeld, Stefanie Mrachacz und Rüdiger Bering beantwortet.

1.) Wie ist es wirklich, wenn alle Ensemblemitglieder zum ersten Mal gemeinsam auf einer Bühne stehen?

Lukas Hupfeld: Für mich wurde spürbar, was das Theater in seinem Kern ausmacht: Dass Menschen sich für eine Sache zusammentun und im Moment etwas entstehen lassen. Zu erleben, wie sich dieses Potential freisetzt, ist ungemein beglückend.
Henry Meyer: Manchmal war es bei den Proben wie in einem aufgeschreckten Hühnerhaufen. Aber wenn die Maschinerie läuft, ist es erstaunlich, wie gut das Teamplay funktioniert, ein großartiges Erlebnis!
Stefanie Mrachacz: Voll! Aber auch toll. Alle mal miteinander zu spüren und zu sehen, das ist ein tolles Gemeinschaftsgefühl.
Angela Falkenhan: Schön und herausfordernd zugleich.

2.) Was war die größte Herausforderung?

Marieke Kregel: Den kompletten Raum und die Kolleginnen und Kollegen in der Weite des Raumes wahrzunehmen während all der Küchengeräusche und Dialoge – das gegenseitige Hören.
Lukas Hupfeld: Sich als Einzelner in der Gruppe zu verhalten. Gemeinsam zu arbeiten bedeutet auch Arbeit an sich selbst. Hierarchien setzen klare Strukturen und Befehlsketten; wenn diese verschwinden, hat man die Verantwortung, sich Raum zu nehmen aber auch Raum zu lassen: Es ist toll zu erleben, wenn ein Ensemble so zusammenkommt.
Henry Meyer: Die Logistik der Küchenarbeit zu kreieren, ohne echte Lebensmittel, und dass das dennoch glaubwürdig und überzeugend erscheint.
Angela Falkenhan: Da meine Rolle nicht besonders groß ist, war es nicht so leicht, die Spannung und Energie bis zum nächsten Auftritt zu halten.
Zwei Gastschauspieler spielen in "Die Küche" mit: Der südafrikanische Schauspieler Lukhanyo Bele war schon vor anderthalb Jahren in der Produktion "Crudeland" als Hauptdarsteller dabei. Für die Rolle des Restaurantbesitzers "Mr. Marango" kam Marco Rudolph nach Freiburg.

3.) Was haben Sie gedacht, nachdem Sie das Stück zum ersten Mal gelesen hatten?

Victor Calero: "… hm … geht so …"

4.) Was denken Sie jetzt darüber?

Victor Calero: "Hey, kann was!"

5.) Welches Ensemblemitglied hat sich am geschicktesten in der Küche angestellt?

Thieß Brammer: Victor Calero hatte viele hilfreiche Tipps, da er selbst schon mal in einer Großküche gearbeitet hat.
Victor Calero: Holger Kunkel: Er hat seinen Küchenarbeitsplatz auf die Hinterbühne verlegt und kommt nur zum Rauchen und Palavern auf die Bühne.

6.) Was haben Sie während der Proben gelernt?

Marieke Kregel: Pantomimisches Kartoffelschälen und Kräuterschneiden.
Angela Falkenhan: Kellnern.
Henry Meyer: Möglichst Ruhe bewahren, wenn es hektisch wird.

7.) Was für ein Restaurant aus der heutigen Zeit kommt dem aus der Küche am nächsten?

Rüdiger Bering: Heute wäre dieses Großrestaurant mit etwa 1500 Mahlzeiten pro Tag Teil einer Kette. Vielleicht McDonalds oder Burger King oder Vapiano?
Es gäbe jedenfalls keinen sichtbaren Besitzer wir Mr. Marnago in Weskers Stück.

8.) Gibt es Parallelen zwischen dem Beruf des Schauspielers und des Kochs?

Tim Al-Windawe: Ein Haufen Individualisten, die doch ziemlich abhängig voneinander sind – da gibt’s sicher einige Parallelen.
Stefanie Mrachacz: Die Metapher der Fabrik, der Großküche passt schon zum modernen Theater-Mehrsparten-Betrieb. Ähnliche Hierarchien gibt es im Theater auch. Und der Druck und das Gefühl, manchmal nicht hinterher zu kommen, ist sicher allen dann und wann bekannt.

9.) Wird während des Stücks eigentlich auch was Richtiges gekocht? Oder ist das nur Show?

Rüdiger Bering: Es wird nur eine Suppe für das Personalessen – also die Schauspielerinnen und Schauspieler gekocht, und das macht die Requisite bereits vor der Vorstellung. Live Kochen wäre aufgrund von Hygiene- und Lebensmittelgesetzen nahezu unmöglich gewesen.

10.) Woher kommen die Lebensmittel?

Rüdiger Bering: Die wenigen Lebensmittel, die benutzt und verbraucht werden, besorgt unsere Abteilung Requisite.

11.) Wie viel Lebensmittel werden während einer Aufführung verbraucht?

Rüdiger Bering: Ein Topf weiße Suppe und eine Menge Wasser. Das Bier ist selbstverständlich nicht echt.

12.) Was passiert damit hinterher?

Das Ensemble isst die Suppe während der Aufführung. Was übrig bleibt wird weggeschüttet.

13.) In ’Die Küche’ gibt es eine hierarchische Welt: Männer sind Köche, Frauen Kellnerinnen. Haben Sie da nicht protestiert?

Marieke Kregel: Das haben wir: Am Anfang der Leseproben wurde offen und gemeinsam darüber diskutiert.

14.) Warum haben Sie die Hackordnung dann doch akzeptiert?

Angela Falkenhan: Das Konzept war, Die Küche in den 60er Jahren zu belassen und den Fokus der Inszenierung auf Kapitalismuskritik zu legen.
Stefanie Mrachacz: Manche Schauspielerinnen versuchten mit Humor und Spielsituationen jenseits des vom Text Vorgegebenen mehr Eigenschaften, Komplexitäten und Würde ihrer Figuren herauszuarbeiten. Andere zogen sich eher zurück und akzeptierten die Setzung (der Männer).

15.) Was war Ihr schlimmster Gelegenheitsjob?

Henry Meyer: Vor meiner Schauspielausbildung wollte ich eine Kellner-Facharbeiter-Ausbildung absolvieren. Mein erster Arbeitstag war am Posten "Geschirrspülen" … ein Albtraum! In dieser dampfenden und hitzigen Umgebung türmten sich die schmutzigen Teller vor mir, ich war völlig überfordert, ich verlor diesen Kampf.

16.) Welche Themen stecken in dem Stück, die nicht auf den ersten Blick sichtbar sind?

Rüdiger Bering: Weskers Stück beschreibt exemplarisch einen migrantisch und männlich geprägten Mikrokosmos, in dem Rassismen, Misogynie und Ressentiments unterschwellig sehr präsent sind. Zugleich ist Die Küche eine Studie, wie eine kapitalistische Maschinerie funktioniert, indem sie die Menschen – den Besitzer und Kapitalisten sogar eingeschlossen – zu Rädchen im Gesamtgetriebe macht, die zu keiner Solidarität mehr in der Lage sind. Weskers Analyse hat in unserer Zeit der entfesselten Marktwirtschaft an Aktualität nichts eingebüßt.
Verlosung

Unter allen Mitgliedern in fudders Club der Freunde verlosen wir 5x2 Ticket für die Vorstellung von "Die Küche" am Donnerstag, 30. Mai um 19 Uhr im Kleinen Haus des Theater Freiburg. Um zu gewinnen, schicke eine E-Mail mit deinem Namen und dem Betreff "Die Küche" an gewinnen@fudder.de

Sollten zu wenige Club-Mitglieder an der Verlosung teilnehmen, werden die Karten unter den restlichen Einsendungen verlost. Teilnahme ab 18 Jahren, der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Einsendeschluss ist Dienstag, der 28.Mai, um 10 Uhr. Die Gewinner werden per E-Mail benachrichtigt.

  • Was: Die Küche
  • Wann: Samstag, 25. Mai, 20 Uhr, Donnerstag, 30. Mai, 19 Uhr, Dienstag, 6. Juni, 20 Uhr, Sonntag, 9. Juni, 19 Uhr, Mittwoch, 16. Juni, 20 Uhr, Sonntag, 23. Juni, 19 Uhr, Freitag, 5. Juli, 20 Uhr, Samstag, 13. Juli, 20 Uhr
  • Wo: Theater Freiburg, Kleines Haus
  • Tickets: 20 Euro, ermäßigt 8 Euro