fudder-Debatte: Was für ein Bild soll aufs Martinstor?

Carolin Buchheim

Huch! Eine Ratsmehrheit will ein Heiligenbild aufs Martinstor malen lassen. Denn - und ja, wir wussten das auch nicht - bis 1968 war direkt über dem Torbogen ein Bild der Martinsgeschichte zu sehen; das wegen Beschädigungen entfernt wurde. Das neue Bild soll ein altes dein - ein Martinsmotiv aus den 1790er Jahren von Simon Gösner. Dabei ist unklar zu sein, ob das überhaupt je am Tor angemalt war. Du bist gefragt: Soll überhaupt ein Bild auf's Martinstor? Und wenn ja - was für eins?



Kleiner Crashkurs zur Geschichte der Bemalung des Martinstors

  1664: Matthäus Kiefer malt das erste Martinsbild für das Tor. 1790er-Jahre: Simon Göser malt ein neues Martinsbild. Ob es am Tor aufgemalt war, ist offen. 1851: Wilhelm Dürr der Ältere malt ein neues Martinsbild. 1901: Das Tor wird umgebaut, um Platz für die Straßenbahndurchfahrt zu schaffen. Das Tor wird von 22 auf 60 Meter Höhe aufgestockt. 1968: Das beschädigte Martinsbild von Dürr (im Bild unten um die Jahrhundertwende) wird abgeschlagen.



Seitdem gab es drei Versuche, wieder Martinsbilder auf's Tor zu bringen - die jeweils in massiven Streitigkeiten endeten. Der neuerliche Versuch wurde von Hermann Hein, dem Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft (Arge) Stadtbild initiiert - er hat die Ratsmehrheit von CDU, SPD, FDP und Freien Wählern hinter sich. Gemeinsam wollen sie Gösners Martinsbild aus den 1790er Jahren - das, von dem nicht klar ist, ob es überhaupt auf dem Tor war - aufmalen lassen.

Der Rest des Gemeinderats reagiert auf diese Pläne unwillig:

"Auf gar keinen Fall", kommentiert Fraktionsvorsitzende Maria Viethen die Idee. Auch Atai Keller (Unabhängige Listen) bekommt schon bei dem Gedanken erhöhten Blutdruck: "Es gibt für Göser keine historische Herleitung." Keller könnte mit der bestehenden Freifläche am Tor weiter gut leben. "Wenn es denn sein muss, muss man einen Wettbewerb ausschreiben und die Kunstkommission wieder einsetzen." Ein altes Bild einfach abzumalen, sei eine handwerkliche und keine künstlerische Arbeit. Ans Martinstor müsse zeitgenössische Kunst.

Auch Stadtrat Sebastian Müller von Junges Freiburg hat keine Lust auf das Bild aus dem 18. Jahrhundert.  "Hier soll ein Teil der Altstadt im Jahr 2013 in eine Puppenstube zurück verwandelt werden!", schreibt er in einer Pressemitteilung. Sein Vorschlag: "Jedes Jahr im Frühjahr könnte ein junger Freiburger Künstler ein Bild gestalten, welches dann für ein Jahr das Thema des heiligen St. Martin - Solidarität in unserer Zeit - symbolisiert."  Ein jährlich wechselndes Motiv sei auch in Anbetracht der Konflikte der Vergangeheit ein guter Kompromiss. Zudem könnten so auch "alternativen Kunstformen wie Graffiti eine Chance" bekommen.

Spätestens in der übernächsten Sitzung des Gemeinderats wird das Thema gemäß dem Antrag der vier Fraktionen, diskutiert. Bezahlt werden soll das Heiligenbild nach Wunsch der antragstellenden Fraktionen übrigens von Sponsoren, die schon gefunden worden sein sollen.

Da das Martinstor ein Denkmal ist, muss das neue Martinsbild allerdings von der dem Regierungspräsidium angesiedelten Denkmalbehörde genehmigt werden. "Wenn Gösers Entwurf nie auf dem Tor war, wird man gute Gründe brauchen, um ihn dort zu wollen", so die persönliche Einschätzung von Denkmalpflegerin Dagmar Zimdars.

Montage: Das Martinstor mit Göser-Bild

 



fudder-Debatte

Was tun mit dem Martinstor? Weiß lassen? Anmalen? Und wenn ja, von wem und womit?

Du bist gefragt!


Mehr dazu:


[Bild 1: Carolin Buchheim; Bild 2: Privat, Bild 3: fudder-Montage, Foto vom Martinstor: Ingo Schneider; Foto vom Göser-Bild: Kalchthaler]