fudder-Debatte: Sollte die VAG Fahrräder in Bussen und Straßenbahnen erlauben?

Carolin Buchheim

Freiburg ist eine Fahrradstadt, klar. Doch was tun, wenn das Fahrrad einmal nicht mehr fährt oder man nicht mehr Fahrrad fahren kann? Wie kommt man dann nach Hause? fudder-Leserin Katharina ist am Dienstagabend - nachdem sie auf der spiegelglatten Straße gestürzt war - mit dem Rad in die Straßenbahn gestiegen. Und wurde rausgeworfen.

 
Dienstagabend, kurz vor 20 Uhr. Es ist kalt, die Straßen sind dank überfrierenden Schnee spiegelglatt -denn auf Grund einer falschen Wetterprognose hatte die Stadtreinigung ihren Winterdienst nachmittags nach Hause geschickt.


Katharina ist auf dem Heimweg von der Uni nach Zähringen, mit dem Fahrrad ihres Freundes. Schon am Colombipark stürzt sie, verletzt sich den Knöchel. Sie hat viel Gepäck dabei, reichlich Bücher, einen Ordner, Einkäufe, in ihrer Tasche ist ihr Laptop, sie hat Angst, dass er bei einem weiteren Sturz kaputt geht. Die Philosophie- und Anglistik-Studentin schiebt ihr Rad bis zum Siegesdenkmal. Und steigt dort in die Bahn der Linie 2 Richtung Zähringen - mit dem Fahrrad. Sie will das geliehene Rad nicht über Nacht in der Stadt stehen lassen, aus Angst, dass es geklaut wird.

"Keiner der Mitreisenden sagte etwas, ein paar lächelten sogar und einer tauschte mit mir Plätze", erzählt Katharina. "Ich stand am Gangrand, das Fahrrad an mich geschmiegt. Alle konnten problemlos vorbei gehen."

An der Haltestelle Okenstraße bemerkt der Straßenbahnfahrer Katharina. "Fahrrad aber sofort raus!", tönt es aus den Lautsprechern der Bahn. "Aber es ist spiegelglatt draussen, ich bin bereits gestürzt und habe mir wehgetan, kann ich nicht bitte ...", versucht Katharina ihr Anliegen zu erklären. "Fahrrad raus!" Eine Mitreisende schaut mitfühlend und sagt: "Ich fürchte, er fährt sonst nicht weiter ..."

Katharina steigt aus, wenige Minuten später in die nächste Bahn, wieder mit dem Fahrrad, mittlerweile ziemlich aufgelöst und den Tränen nahe. Der Straßenbahnfahrer bemerkt sie sofort.  "Fahrrad aber sofort raus!" - "Bitte, ich bin schon hingefallen, ich kann nicht Rad fahren, da brech' ich mir doch was!" - "Die Zeit läuft mir davon, aber sofort!" - "Aber ich kann doch nicht fahren!" - "Dann laufen sie halt!" Eine Mitfahrerin plädiert an den Fahrer, die Regel doch ein Mal gezielt zu missachten, doch auch er fährt erst weiter, als Katharina die Bahn verlassen hat.

Katharina läuft mit dem Rad über glatte Fußwege nach Zähringen - sehr langsam, und sehr sauer: "Es war doch genug Platz in der Straßenbahn. Wäre da für die Reisenden ein erschöpftes Mädchen mit einem Fahrrad wirklich stressiger gewesen als das Geschreie, das so veranstaltet wurde?"

Klar ist: Die Straßenbahnfahrer haben sich gemäß der Beförderungsbedinungen der VAG Freiburg verhalten. Die werden konsumentenfreundlich auf der Website der VAG in FAQ aufbereitet:

"Kann ich mein Fahrrad bei der VAG in Bussen & Bahnen mitnehmen?

Nein, Fahrräder dürfen bei der VAG nicht mitgenommen werden. Eine Fahrradmitnahme ist auch bei allen anderen Busunternehmen im Regio-Verkehrsverbund Freiburg ausgeschlossen."

Für die VAG ist die Angelegenheit klar: keine Fahrräder in Freiburger Bahnen. "Die Fahrer haben korrekt gehandelt", sagt Andreas Hildebrandt von der VAG Freiburg. Für ihn gibt es viele Gründe, warum in Freiburg Fahrräder in Bussen und Bahnen nicht erlaubt sind, allen voran die hohe Auslastung der Bahnen. "Wir haben sehr viele Kunden, die den Platz einfach auch brauchen." Nicht nur zu den Stoßzeiten käme es oft genug zu Platzproblemen für Kinderwägen und Rollstühle. Zudem könne man Fahrräder nicht mit Rollstühlen und Kinderwägen gleichsetzen: "Ein Fahrrad ist ein recht instabiler Gegenstand im Fahrzeug, wenn das Fahrzeug anfährt oder bremst, bewegt sich unter Umständen das Fahrrad und dann können abstehende Teile Mitfahrer verletzen oder deren Kleidung oder Gepäck beschmutzen."

Für Katharinas Situation hat Hildebrandt wenig Verständnis: "Sie war nicht schwer verletzt. Wenn es so eisig ist wie am Dienstagabend, dann stellt man sein Fahrrad eben ab, schließt es fest und kann dann in die Straßenbahn einsteigen."

fudder-Debatte

Sollte die Freiburger Verkehrs AG Fahrräder in Bussen und Straßenbahnen erlauben, oder lieber nicht?

Und: Hätten die Straßenbahnfahrer eine Ausnahme für Katharina machen und sie mit ihrem Fahrrad mitfahren lassen sollen? Oder hätte sie das Rad einfach abschließen und ohne es in die Bahn steigen sollen?

Du bist gefragt!

 

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    [Foto: Symbolbild/Caro]