fudder-Debatte: Lässt Du Dich gegen Schweinegrippe impfen?

fudder-Redaktion

Wer in diesen Tagen auch nur ein klein bisschen verschnupft wirkt kriegt locker ein dutzend Mal von Familie, Kollegen und selbst von Fremden scherzhaft-drohend die Frage "Das aber nicht die Schweinegrippe, oder?" zu hören. Denn die neue Grippe, H1N1, löst bei vielen Angst aus. Und die Impfung, die vor ihr schützen soll, ebenfalls. Schweinegrippen-Impfung: Ja oder nein? Zwei junge Freiburger begründen ihre gegensätzliche Haltung.

 

Stefan Zimmermann, 29

"Ich habe mich aus zwei Gründen gegen die Schweinegrippe impfen lassen.

Zum einen, weil ich bei der AIDS-Hilfe Freiburg mit chronisch kranken Menschen arbeite, und ich persönlich es nicht verantworten möchte, dass ich diese mit der Schweinegrippe infiziere, schließlich habe ich nicht nur eine Verantwortung für mich, sondern auch für andere. Zum anderen ganz klar aber auch, um mich zu schützen.

Wenn schon eine Impfempfehlung vom Bund ausgesprochen wird, auch wenn das nur aus reiner Vorsicht ist, dann sollte man dem schon nachgehen. Zwar ist der Krankheitsverlauf momentan noch eher milde, das kann sich aber bald ändern. Man verzögert oder minimiert  dieses Risiko, je mehr Menschen sich impfen lassen. Bei diesem Virus ist ja das besondere, dass er sich in kürzester Zeit über die ganze Welt verbreitet hat und nicht nur Ältere oder schon angeschlagene Menschen betrifft, sondern dass sich jeder damit infizieren kann, was diesen Virus in meinen Augen besonders gefährlich macht.

Mein Risiko, mich ohne diese Impfung mit dem Virus zu infizieren, ist sehr groß, da ich mit vielen Menschen in Kontakt komme, die durch ihre HIV-Infektion ein geschwächtes Immunsystem haben. Diese infizieren sich somit eher mit dem Schweinegrippevirus und somit steigt mein Risiko, mich anstecken zu können. Da ich durch meine Arbeit allgemein mit vielen Menschen in Kontakt komme, zum Beispiel an Infoständen oder bei Präventionsveranstaltungen in Gruppen, habe ich auch hier ein weiteres Risiko.

Die Medien haben meiner Meinung nach das Thema gehyped, wie sie es auch sonst gerne mit anderen Themen machen. Wieso sollte der Bund eine Impfempfehlung ausgeben, wenn er sich nicht sicher sein kann, dass der Impfstoff extreme Nebenwirkungen auslösen kann? Sobald eine Impfempfehlung ausgesprochen wurde, muss der Bund für etwaige Schäden haften.

Auch die Diskussion, wieso die Minister einen anderen Impfstoff bekommen, fand ich mehr als überflüssig. Dank dieser Schlechtrederei der Medien lassen sich viele Menschen nicht impfen. Viele von unseren Klienten, die sich eigentlich impfen lassen wollten, machen das nun nicht und gerade auch hier wollte ich mit gutem Beispiel voran gehen.

Jeder muss selbst wissen, ob er sich impfen lassen möchte oder nicht, ich kann es jedoch nur empfehlen. Ich hatte auch keine nennenswerten Nebenwirkungen, außer dass mein Arm zwei Tage etwas weh tat - der Schmerz ist mit einen leichten blauen Fleck zu vergleichen.



Minh Nguyen, 27  

"Ich lasse mich nicht gegen die so genannte Schweinegrippe impfen. Nicht weil ich die Krankheit für ungefährlich halte, sondern weil ich die Impfung nicht notwendig finde. Zumindest nicht für mich.

Nach Einschätzungen des Robert-Koch-Institut gehöre ich nicht zu den gefährdeten Zielgruppen wie zum Beispiel: Kinder, ältere Menschen oder Personen mit erhöhter Gefährdung durch direkten Kontakt zu Geflügel und Wildvögeln. Ich ernähre mich halbwegs gesund, bin oft draußen und achte immer darauf, meine Hände häufig und vor allem gründlich zu waschen. Allgemein lasse ich mich ungern impfen. Erst recht nicht, wenn die Nebenwirkungen noch nicht erforscht sind.

Dass die Schweinegrippe nicht harmlos ist, kann man anhand von mehr als 4000 Toten weltweit (Quelle: WHO) erkennen. Das Risiko, angesteckt zu werden oder sogar an der Krankheit zu sterben, halte ich jedoch für sehr gering. Ich habe schon immer darauf geachtet, Menschenansammlungen möglichst zu vermeiden.

Vor allem jetzt im Herbst, wo die saisonale Grippe in der Regel ausbricht. Da ich aber jeden Tag mit der Bahn zur Arbeit fahren muss, bin ich gezwungen, mit wildfremden Menschen einen Wagen zu teilen. Das ist jedoch immer noch kein Grund, mich impfen zu lassen.

Dass die Medien in diesem Hysteriespielchen eine große Rolle spielt, steht für mich außer Frage. Ob und wie der einzelne durch sie beeinflussen lässt, hängt davon ab, welches Medium er konsumiert. Ich zumindest verlasse mich nach Möglichkeit auf die Information von renommierten Instituten.

Letztendlich muss jeder für sich entscheiden, ob er die Impfung in Anspruch nimmt oder nicht. Kann sein, dass sich meine Meinung in der Hochphase einer Pandemie ändert, aber noch haben keine."