Fuck my life! Der Online-Beichtstuhl für Alltags-Dramen

Carolin Buchheim

"Heute war ich bei der Geburtstagsparty eines Kumpels zum ersten Mal in einem Strip-Club. Außerdem habe ich herausgefunden, welchen Nebenjob meine Freundin hat. FML." FML, diese Abkürzung steht für "Fuck my life", sinngemäß vielleicht am besten mit einem gefluchten "Scheissleben!"- Ausruf übersetzt. Dieses Minidrama in drei Sätzen ist nur einer von mehr als einer Millionen Beiträge, die Nutzer auf fmlife.com ins Netz gestellt haben.



Ob sich diese Geschichte tatsächlich zugetragen hat, ist zweitrangig. Viel wichtiger für eine gute FML-Geschichte: Sie muss kurz und knackig ein möglichst tragisches oder peinliches Erlebnis beschreiben. Und vor allem eins: Dabei gut unterhalten. Denn fremdes Unglück – vor allem, wenn es selbst verschuldet ist – ist bekanntlich ein Fest. Und Schadenfreude eine ziemlich schöne Freude.




Mit „I agree, your life sucks“ kann man jeder FML-Story per Klick zustimmen, oder sie mit „You totally deserved it“ ablehnen. Schade, dass ein „I don’t care“-Button fehlt, denn so manche Geschichte über misslungene Beischlaf-Versuche oder Beziehungsdramen sind dann doch arg pubertär.

Kuratiert wird die Seite übrigens von den Nutzern selbst; sie entscheiden, welche der vielen tausend Vorschläge, die am Tag eingereicht werden, auf der Seite veröffentlicht werden.

Das FML-Phänomen kommt eigentlich aus Frankreich. ’Vie de merde’heißt die Website, auf der alles begann. Mittlerweile gibt es diverse Sprachversionen, darunter mit Scheiss-leben.info auch eine auf deutsch (Bild unten), viele Nachahmer-Websites und ein FML-Buch für den Kaffeetisch.



Mehr dazu:

  • FML als Buch: Scheißleben - Alles wahr, alles witzig, solange es nicht dir passiert....
    Maxime Valette, Guillaume Passaglia, Pénélope Bagieu
    ISBN: 978-3-442-47064-8
    Goldmann Verlag, 9,95 Euro