FT bringt Cowboys und Indianer auf Rollschuhe

Christin Bassenge

Alle Jahre wieder ausverkauft sind die "MärchenMusicalShows" der Rollschuhabteilung der FT in der Vorweihnachtszeit. In diesem Jahr bringen 80 Akteurinnen und Akteure unter Leitung von Trainer Michael Obrecht "Der Rollschuh des Manitwo" auf die Rollen. Ein Probenbesuch.



Schon seit August wird in der Schauenberghalle an der Schwarzwaldstraße fleißig geprobt – für das alljährliche Märchen auf Rollschuhen. Seit 1977 besteht diese Tradition der  vorweihnachtlichen Aufführung, alle zwei Jahre wechselt das Thema des Stücks. Im Dezember ist die Premiere vom erstmalig gespielten „Rollschuh des Manitwo“.


„Ich habe bis 22 Uhr Zeit!“ Michael Obrecht unterbricht die unheilvollen Klänge von „Spiel mir das Lied vom Tod“, die aus den Boxen in der Schauenberghalle ertönen. „So geht das nicht. Nochmal, alles von Anfang“, ruft er den rund 20 Mädels zu, die gerade auf ihren Rollschuhen zwei Marterpfähle umkreisen.

Seit gut drei Monaten finden hier die Proben für das Rollschuh-Musical-Märchen statt.  In dem Stück, das auf den Winnetou-Büchern von Karl May basiert, geht es um einen wertvollen Schatz – einem mit Edelsteinen besetzten Rollschuh. Winnetwo und seine Freunde brauchen den Schuh für ihre Zukunft, der Gegenspieler Santo Bernardino will sich ein luxuriöses Leben mit dem Schatz leisten.

Der Akzent des Stückes – im Gegensatz zu den Vorjahren – liegt mehr auf der Showebene. „Wir wollten mal was Anderes machen, als immer nur Märchen aufzuführen“, erklärt der ehemalige Weltmeister und Rollkunstlauf-Bundestrainer Michael Obrecht. Der 62-Jährige ist Regisseur und zugleich Coach der Rollschuhabteilung der Freiburger Turnerschaft 1844. Etwa 80 Kinder und Jugendliche spielen mit, die Jüngsten unter ihnen sind in der ersten Klasse.

Die 13-jährige Jana Welter und ihre neunjährige Schwester Maike sind Teil der Indianer. Seit 2009 machen sie Rollkunstlauf und  sind bisher jedes Jahr bei den Aufführungen dabei. Sonntags wird geprobt, ihre Mutter Anika Welter begleitet sie meistens. Während die Kinder ihre Kreise und Pirouetten ziehen, bastelt die Mama an den Kulissen. Gerade bearbeitet Anika Welter den Inhalt für Bierkrüge, die während des Stückes gebraucht werden. Mit gelber Wolle häkelt sie eine Art Schlauch, der perfekt in das Glas passt und tatsächlich wie Bier wirkt.



„Einige Kulissen werden auch wiederverwendet von der vergangenen Aufführung“, erklärt sie. Da im vergangenen Jahr jedoch „Die unendliche Geschichte“ gespielt wurde, müssen die meisten Sachen neu produziert werden.

Für Trainer Obrecht beginnt das Projekt schon sehr viel früher. Bereits im Januar, also kurz nach der letzten Vorstellung, macht er sich Gedanken über den Inhalt des neuen Bühnenwerks. Die Geschichte und die Choreografie muss er sich ausdenken und die Musik aussuchen. Ein Freund aus Stuttgart hilft ihm dann beim Zusammenschneiden. Denn nicht nur die Musik muss zur Choreografie passen, auch das Gesprochene wird vorab aufgenommen und hineingemischt. „Live-Gesprochenes“, wie bei anderen Theaterstücken, funktioniert nämlich nicht. Zum einen wäre die Verkabelung der Mikrofone überaus schwierig, die Darsteller müssen sich ja frei bewegen können, zum anderen sind sie durch die vielen Sprünge und anderen Bewegungsabläufe zu sehr außer Atem, um noch sprechen zu können.

Michael Obrecht spielt dieses Jahr selbst mit, obwohl er es eigentlich "hasst", Trainer und Akteur gleichzeitig zu sein. Man sehe von der Position des Darstellers nicht das Gleiche, was man von der Tribüne aus sieht, sagt er. Für die Rolle des „Listigen Lurchs“ kam jedoch nur jemand Älteres in Frage. „Einen Rollkunstläufer von außerhalb zu holen wäre sehr aufwendig gewesen, vor allem finanziell“. Deshalb musste er selbst ran. Dennoch macht es ihm wahnsinnig Spaß. Zwar laufe nicht immer alles, wie er es sich vorstelle, aber der Stress halte ihn jung, so Obrecht. Die erste Probe nach den Herbstferien sei beispielsweise die reinste Katastrophe für ihn gewesen. „Es waren eben Ferien, da vergisst man dann viel.“ Und bis zur ersten Aufführung sind es ja noch fünf Wochen.

Der Vorverkauf dafür läuft wie immer bestens. „Wir haben dieses Mal ein bisschen früher angefangen und die Karten sind gefragt. Deshalb überlegen wir, ob wir die Generalprobe öffentlich machen.“ Eine Entscheidung soll bald fallen.



Mehr dazu:

Was: Rollschuh des Manitwo
Wann: Donnerstag, 12., Freitag 13. Dezember 2013 jeweils um 17:30 Uhr, Samstag, 14. und Sonntag 15. Dezember 2013, jeweils 14:30 und 17:30 Uhr
Wo: Schauenberghalle, Schwarzwaldstraße
Tickets: 14 bis 16 Euro, Kinder von vier bis vierzehn Jahren 12 bis 14 Euro
Vorverkauf: montags bis freitags 16 bis 18:30 Uhr im FT-Sportpark, Schwarzwaldstraße 181, 0761.389918-42 oder -43     [Fotos: Michael Bamberger]