Frittenbude in der KTS: Acid! Acid! Acid!

Julia Bauer

Frittenbude aus München sind mit ihrer Musik irgendwo zwischen Mediengruppe Telekommander und Deichkind angesiedelt. Dementsprechend gab es am Samstag in der rappelvollen KTS schwitziges Remmidemmi. Julia war dabei.



Leute, die nach alter KTS-Manier etwa zwei Stunden nach Konzertbeginn kommen wollten, erlebten eine böse Überraschung. „Es ist zu voll, wir können keine Leute mehr reinlassen!“ Unten tobte die Masse zu den Beats von Frittenbude. Doch auch schon die Vorbands wurden mit Jubel und wildem Rumgehüpfe belohnt.


„Was für ein Kindergarten, wir hätten uns fast nicht reingetraut“, dieser Kommentar eines älteren Zuhörers (geschätztes Alter: 25 Jahre) über das Durchschnittsalter der Konzertbesucher ist berechtigt. Riesige neongelbe Sonnenbrillen,  lila Trainingsjacken und kunterbunte Röhrenjeans wohin das Auge schaut. Björn Peng startet den Remmidemmi-Abend, mit eingängigen Minimal-Electro, untermalt mit ironisch-makaberen Sprachsamples „ Mit ein bisschen Glück haben wir bald einen dritten Weltkrieg, bei dem allen Hurensöhnen die Köpfe zerschmettert werden. Alles Nazis“ Es wird kräftig gepogt und man wippt unweigerlich mit den Kopf mit.

zOSCH hingegen sind um Einiges rockiger und weniger electrolastig. Die Band bestehend aus Schlagzeugerin, Bassisten, Synthie-Mann und zwei schreienden Sängerinnen hat sichtlich Spaß auf der Bühne. Das Publikum ist mittlerweile schon komplett nass geschwitzt, jedenfalls der feste Kern direkt vor der Bühne. Je später die Nacht, desto älter die Gäste - das stellt man hier  erleichtert fest.

Kurz vor dem Auftritt von Frittenbude ein Blick in die Runde: es sind deutlich mehr über Zwanzigjährige da, als vor zwei Stunden. Dann geht’s los: schon bei den ersten Takten von „Hildegrad“ wackelt der Raum und plötzlich ist man von einer „ Acid, Acid, Acid!“ brüllenden Masse umgeben. Bis an die Wand tanzen die Leute, hüpfen, pogen und die meisten sind sogar recht textsicher. Das Scherbenmeer auf dem Boden vergrößert sich, ein Mädchen mit einer Entenhandpuppe springt in der ersten Reihe herum, stage-diving, kurz gesagt: tolle Stimmung, verrückte Leute und wummernde Bässe.



Den Jungs von Frittenbude scheints ebenfalls sehr zu gefallen, jedes Lied wird aufgesaugt vom Publikum, Gejohle und Jubel in den kurzen Pausen. Dass der Sänger da mal kurz den Text vergisst, stört keinen. Alle Lieder des aktuellen Albums werden gespielt, besonderen Anklang finden „Elektrofikke“  und „Mindestens in 1000 Jahren“. Letzteres wurde der „schönen Stadt Freiburg mit dem hässlichsten Hallenbad“ gewidmet Es gibt sogar ein Liebeslied, Romantik kommt trotzdem nicht auf, warum auch?

Nach eineinhalb Stunden hat das Publikum immer noch nicht genug und fordert lautstark eine Zugabe. Die natürlich auch prompt kommt. Remixe von Kettcars „Graceland“ oder auch Deichkind werden genauso gefeiert, wie die vorherigen Songs. Ein gelungener Abend ohne Tiefgang, aber der stört beim Feiern sowieso.

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