Friseurtermin bei Gina Lisa Lohfink

Franziska Kiedaisch & Marc Schätzle

Für dieses Foto hat sie extra nochmal Lipgloss aufgetragen: Ex-"Germany`s Next Topmodel"-Kandidatin und Inszenierungstalent Gina-Lisa Lohfink ist gestern bei einem Freiburger Friseur zu Gast gewesen, um für ihre Web-TV-Serie "Gina Lisa in Action"eine Folge drehen zu lassen. Fanny (links) hat sich von der 23-Jährigen die Haare machen lassen und dabei erfahren, wie das Showbiz der C-Prominenz funktioniert. [mit Video]



Gina-Lisa Lohfink sitzt um 13 Uhr vor einem Friseurspiegel in der Freiburger Innenstadt und wird von einer Mitarbeiterin frisiert und abgepudert. "Schön ist sie", denke ich. Ihre ebenmäßigen Gesichtszüge und die offensichtlichen Modelmaße weisen darauf hin, warum sie bei der Fernsehserie Germany´s Next Topmodel eine der Favoritinnen war.


Die aufgeklebten Fingernägel, die wasserstoffblonde Mähne und ihr Outfit im Barbiestil zeugen aber auch von einer inszenierten Figur: Gina-Lisa in einer Glitzerwelt, die erhellt wird von den typischen Vertretern der C-Prominenz: Verona Poth, Jenny Elvers-Elbertzhagen und Carsten Spengemann, um nur einige zu nennen. Gina Lisa möchte auch dazugehören.



Nachdem der Traum vom Topmodel geplatzt war, versuchte Gina-Lisa "Zack die Bohne!" Lohfink bereits als Moderatorin, Schauspielerin und Modedesignerin, ihre Bekanntheit aufrechtzuerhalten. Im September ist bei Nintendo sogar ein Computerspiel mit dem Namen „Gina Lisa Powershopping“ erschienen. Nun geht der Kampf gegen das Vergessenwerden in die nächste Runde.

Für die Produktionsfirma Red Seven, ein Tochterunternehmen der ProSiebenSat1 Media AG, dreht sie momentan 87 Minifolgen für die Serie Gina-Lisa in Action, die auf MyVideo upgeloaded werden.



"Mensch Schätzeleins, ihr seid viel zu früh dran. Ich mag das nicht, wenn ihr zu früh kommt. Geht mal weg, ihr macht mich ganz nervös", begrüßt die ehemalige Fitnessstudio-Mitarbeiterin das Kamerateam.

Wir lassen sie in Ruhe, setzen uns an einen Tisch und trinken Kaffee. "Na? Wie ist sie denn so?", lasse ich mich zu einer naiven Promifrage hinreißen. Der Kameramann antwortet: "Anstrengend ist sie. Aber sehr nett."

Irgendwie kenne ich diese Antwort bereits aus verschiedenen Promijournalen und Yellow-Press-Artikeln, die sich mit dem Leben der D-Prominenz beschäftigen. Eine Schablone also. Anstrengend sein, um den Promistatus aufrechtzuerhalten. Damit jeder weiß: Hier hast du es nicht mit irgendwem zu tun, sondern mit einer besonderen Persönlichkeit. Dass dahinter nicht die natürliche Einstellung einer jungen Frau steht, sondern ein Medienkonzept, geht da gern mal unter.



Auch im Südbadischen versucht man, sich im Abglanz der Halbprominenten zu sonnen. Eine Gina-Lisa Lohfink wird als Diskogast in Szene gesetzt, als (Ex-)Partnerin vom Horrorstrizzi aus dem Europapark, schließlich als knackige Onduliererin beim örtlichen Friseur. Der kriegt ihren Promifaktor, sie wiederum kriegt Sendeminuten. So läuft die GLL-Symbiose.

Eine halbe Stunde später und top gestylt, gesellt sich Gina-Lisa zu uns. Erzählt von einer Veranstaltung in einer Schweizer Diskothek, bei der sie "gesprochen" hat, wie sie es nennt. Animation also. Und bei Stefan Raabs Stock Car Crash Challenge vor zwei Wochen in Gelsenkirchen hätten sich mehr Fans für sie interessiert als für Tokio Hotel.



Vor dem Friseursalon wird ein sogenannter Aufmacher gefilmt: "Hi ihr Lieben. Ich stehe hier vor meinem Lieblingsfriseur und mache dort heute ein Praktikum." Einige Mädels im Teenager-Alter bleiben stehen, erkennen Gina-Lisa, kreischen, organisieren Stift und Papier und folgen uns ins Innere des Ladens. Dort instruiert der Ladenbesitzer Gina-Lisa für die anstehenden Aufgaben und überreicht ihr feierlich ein T-Shirt des Friseursalons. Nachdem sie dieses angezogen und der Kamera präsentiert hat, bekommen die Fans Autogramme und Handyfotos.

"So, Gina. Hier sitzt jetzt ein Kunde, der gerne die Haare gewaschen bekommen möchte“, sagt der Chef. Der Kunde ist in Wirklichkeit ein Mitarbeiter des Friseurs. In diesem Stil wird eine Szene nach der nächsten gedreht: Gina-Lisa beim Waschen, Schneiden, Fönen, Toupieren und Rasieren. Dabei macht sie eigentlich nichts selbst, vielmehr übernehmen die Mitarbeiter die Arbeit. Gina-Lisa wird mit Fön, Schere, Haarfarbe oder Bürste ausgestattet und mimt für die Kamera die perfekte Praktikantin.



Gegen 15 Uhr richtet der Kameramann das Objektiv auf Gina-Lisa beim Kaffeekochen: „So, jetzt schön Kaffeepäuschen“, sagt sie. Der Ladenleiter fragt sie: „Soll ich dir jetzt unseren Rauchertisch zeigen?“, überlegt kurz und fügt in Richtung Kamera hinzu: „Ach so, nee. Du rauchst ja eigentlich gar nicht.“ Immer schön absurdes Image und Wirklichkeit auseinander halten, gell. Gina-Lisa und ich gehen trotzdem eine rauchen.

Da erzählt sie mir von ihrem neuen Leben und den Problemen, die sie damit hat: "Ich kann nicht mehr einfach abends in die Disko. Männer treffe ich inzwischen schon gar nicht mehr, weil sonst gleich wieder die Gerüchteküche brodelt." Soll sie das denn nicht? Aber irgendwie glaube ich ihr. Um ehrlich zu sein: Sie ist mir sogar sympathisch. Sie macht eben ihren Job und bedient die Unterhaltungsgesellschaft mit den Geschichtchen, die man sich eben gern anschaut, wenn man abends fertig von der Arbeit heimkommt.

Um 15.30 Uhr lasse ich mich von der Situation beflügeln und willige ein, mich für die Inszenierung herzugeben und meine Frisur von Gina-Lisa "aufpeppen" zu lassen. Natürlich macht nicht sie das, Haarewaschen mal ausgenommen, sondern das Friseurteam. Zu allem Überfluss wird der Spiegel an meinem Platz zugehängt, so dass ich mich selbst nicht mehr sehen kann. Das Ganze soll wohl Assoziationen wecken an die Umstyling-Aktionen bei "Germany`s Next Topmodel".



Eine Meisterleistung der humoristischen Unterhaltung stellt auch die folgende Sequenz dar, in der lange, blonde Kunsthaare auf meine Schultern fallen und ich somit der Illusion erliegen soll, Gina-Lisa schneide mir eine Kurzhaarfrisur. Für einen Moment kann ich mich tatsächlich in ihre Lage versetzen: Aufgesetzte Dialoge, übertriebene Gesten und Minen, Kameraeinstellung hier, Extralächeln dort.

Nachdem zwei Friseurinnen mit Lockenstäben und Fön meine Haare im Gina-Lisa-Look gestylt haben, kommt die Unterhaltungskünstlerin wieder. Der Vorhang vor dem Spiegel fällt: "Whow! Hab ich gut gemacht, oder?“, fragt sie in Richtung Kamera. Ich ertappe mich dabei, wie ich den Ausdruck "Superschön!“ verwende.

Video: Gina-Lisa-Lohfink als Friseuse in Freiburg



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