Frischfleisch - aus dem Hörsaal auf die Bühne

Helena Barop

Studenten der Freiburger Uni inszenieren jeden Monat Lesungen mit zeitgenössischer Dramatik. Dieses Mal stand "Engel" von Anja Hilling auf dem Programm. Studenten und Schauspieler haben das Konzept zusammen erarbeitet und dabei viel Spaß gehabt.



Neun Rollen, acht Barhocker, sieben Notenständer, drei Schauspieler. Die szenischen Lesungen der jungen Dramaturgen von "Frischfleisch" erzählen ihre Geschichten mit einfachen Mitteln. Asta arbeitet in einer Großstadtbar, Hardy und Hanno sind Stammkunden und auch alle anderen Figuren treffen sich immer wieder am Tresen. Sie kennen sich alle ein bisschen, Hardy nennt Asta seinen Engel, Hanno erzählt von seinem Internetflirtprofil, Asta bringt Bier. Zwischen mehr oder weniger alltäglichen Bargesprächen flimmern ungewöhnliche Träume und Traumata von schwarzen Blumen auf dem Mond und polnischen Stränden. Glücklich sind sie nicht, diese Barbesucher, ein bisschen einsam und ein bisschen orientierungslos. Aber sie können darüber lachen.


Viele verschiedene Personen treten auf, in Anja Hillings Originaltext, und an vielen verschiednen Orten erleben sie ihre Geschichten. Mit zwei Brillen, einer Kravatte, einem Halstuch, einer Perrücke und einem charmanten Dialekt bringen Melanie Lüninghöner, Ricardo Frenzel und Antonia Schirmeister zu dritt all diese Figuren auf die Bühne. Selbst der Dialog zwischen Hardy (gespielt von Ricardo Frenzel) und Olaf (auch gespielt von Ricardo Frenzel) bleibt verständlich. Die einfache Ausstattung und der dosierte Einsatz von Gesten stellt die Sprache des Stückes in den Mittelpunkt. Der Zuschauer darf sich selbst Bilder vorstellen, nur wenig wird von den Schauspielern vorgegeben.



Besonders sympatisch wirkt die Lesung durch die spontane Improvisation. Nur eine Probe gab es vorher, es wurde ein bisschen gelesen und über die Inszenierung gesprochen. Die Schauspieler sind Ensemblemitglieder des Theaters. Sichtlich genießen sie die Freiheit, die ihnen die Studenten lassen. Geld bekommen sie nicht für die Lesungen. Trotzdem hat Frischfleisch keine Probleme, Schauspieler für die Projekte zu finden.

"Frischfleisch" ist eine Gruppe von Studenten der Freiburger Uni. Sie belegten ein Blockseminar zum Thema zeitgenössische Dramatik und lasen zusammen Theatertexte. Als das Semester zu Ende war, trafen sie sich trotzdem weiter jede Woche. Dann kam das Angebot vom Theater Freiburg. Einmal im Monat dürfen sie seit dieser Spielzeit auf der Kammerbühne ihre Arbeit vorstellen. Dieses Mal stand Anja Hilling mit "Engel" auf dem Spielplan. Inda Buschmann, Ursula Cadenbach, Cordula Kalmbach und Daniela Nik-Nafs waren für die Inszenierung verantwortlich, begeistert erzählen sie von der Zusammenarbeit mit den Theaterprofis, von Gesprächen mit den Schauspielern und Regieassistenten. Die Studenten bringen ihre Ideen aus dem Hörsaal auf die Kammerbühne und es macht ihnen Spaß. "Da findet nicht mehr das kleine Theater im Kopf statt, sondern wir dürfen auch mal selber etwas ausprobieren", freut sich Ursula.

  • Nächste Lesung: Texte von Kathrin Röggla
  • Wann? 25. April
  • Wo? Kammerbühne