"Frischer Wind": Neues Album vom Freiburger Rapper Sokom

Julian Schwizler

Nach drei Jahren im Irgendwo ist der Freiburger Rapper Sokom wieder da. Mit seinem zweiten Soloalbum "Frischer Wind" bringt er eben jenen in die Szene. Eine Review:



Sokom hatte viel zu tun in letzter Zeit: japanische Mangas zeichnen, Guttenbergs Doktorarbeit Korrekturlesen. Schenkt man dem Outro seines neuen Longplayers "Frischer Wind" Glauben, hat er in der Zwischenzeit sogar Bendzko-esk die Welt gerettet, faul am Strand Malibus gelegen und Bin Laden im Faustkampf den Garaus gemacht.


Diese Ausreden, die extrem nach einem Viertklässler klingen, der zu spät zum Unterricht kommt, kann man dem jungen Freiburger MC nicht übel nehmen. Denn: Egal, ob seine Rapstinenz einer simplen Schreibblockade geschuldet war oder tatsächlich zahlreichen verlebten Abenteuern: Es ist gut, dass er wieder da ist.

Vor drei Jahren hat Sokom, der eigentlich Tim Horl heißt und 24 Jahre alt ist, sein Debütalbum "Raus mit der Sprache" veröffentlich. Jetzt meldet er sich mit "Frischer Wind" eindrucksvoll zurück. Auf 11 Anspielstationen flowt der selbsternannte Sokom Pilawa eloquent über bretternde Bässe sowie Ami-Arpeggios und versprüht mit eingängigen Refrains Pop-Momente.

Gerade "Allein gegen 100", dass auf einem Sample der südafrikanischen Band "Freshlyground" beruht und durch Mt Edens "Sierra Leone" bekannt wurde, geht ins Ohr und bleibt dort erst mal. Eine ganze Stange Synthies, krachende Kickdrums, crispy Claps, plus hier und da ein Vocal Sample sind weitere wichtige Bestandteile der druckvollen Instrumentals. Ziemlich State of the Art, das alles. Der Siegener Oliver Noise, der für den Großteil der Produktion verantwortlich zeichnet, erfindet das Rad nicht neu, dreht es aber immerhin ein Stückchen weiter.

 
Sokoms Stärke ist die Technik: Saubere, mehrsilbige Reime, die nicht - wie sonst so oft - die Handlung oder den Inhalt der Texte steuern. Leidenschaft und Pathos werden hörbar gemacht; thematisch zieht sich eine Verbittertheit durchs Album, deren Grund nicht ersichtlich ist: Hat er einfach die Schnauze voll von der Szene? Wurde er in der Schule gemobbt? Wem gilt die Wut? In "Einmal zu viel" artet diese Wut, vorgetragen in Sokoms kraftvoller, markanter Stimme, zu regelrechten Rachegespinsten aus. Es bleibt viel Spielraum für Interpretationen.  

"Ich bin gekommen, um zu tun, was längst getan werden musste", rappt Sokom in der ersten Zeile des Intros. Vielleicht gibt es ja das nächste Mal schon etwas früher Handlungsbedarf. Abenteuer kann man ja auch neben der Albumproduktion erleben.

Sokom - In der Zwischenzeit (Frischer Wind 2012)

Quelle: Youtube

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[Fotos: Promo]