Frisbee-Sport mit Spirit-Faktor

Aljoscha Harmsen

Keine Aggressionen, keine Körperlichkeiten, nur Fairplay und gegenseitiger Respekt: Kann das überhaupt eine spannende Sportart sein? "Es ist der ultimative Sport", sagt Timo Keppner vom Freiburger Team DISConnection. Er spielt seit mehr als vier Jahren Ultimate Frisbee; ein Teamsport mit "Spirit", der ohne Schiedsrichter auskommt.



Nicht nur, dass Ultimate Frisbee keinen Schiedsrichter braucht, es werden sogar neben den eigentlichen Siegpunkten noch Punkte für das Fairplay gegeben, so genannte Spirit-Punkte.


Die anderen Mannschaften entscheiden dabei auf einer Skala von 1 bis 10, wie gut die andere Mannschaft die Regeln beherrscht, wie fair sie spielt und wie sie mit Fouls umgeht, denn: Fouls gibt es auch bei Ultimate Frisee, nur entscheiden die Spieler untereinander, ob ein Foul gegeben wird. Wer in einem Turnier eine besonders schlechte Spirit-Wertung bekommt, muss damit rechnen, beim nächsten Turnier nicht mehr eingeladen zu werden.



"Was diesen Frisbee-Mannschaftssport auszeichnet, ist einfach der 'spirit of the Game'. Er bedeutet eine eigene Lebenseinstellung für uns", sagt Timo (Bild oben). Er spielt bei DISConnetion derzeit in der Open-Mannschaft in der 3. Liga und ist mit einer eigenen Frisbeesport- und Lifestylemarke selbstständig.

Fairness und Respekt seien wichtiger als der Wille zum Sieg, das heiße aber nicht, dass es keine Emotionen auf dem Feld gibt, im Gegenteil. "Das ganze Spiel ist absolut aufregend, besonders bei den kritischen Situationen: Der Sieg ist noch einen Wurf entfernt, kurz vor dem Wurf wird ein Foul angezeigt und nun die Frage: war es eins oder nicht? Da wird das Fairplay auf die Probe gestellt."

Ein Spiel dauert etwa zwischen 50 und 70 Minuten auf einem Spielfeld von 100 Metern Länge. Ziel ist es, die Frisbee-Scheibe in der Endzone der Gegner-Mannschaft zu fangen. Dafür gibt es einen Punkt. Zum Sieg braucht man je nach Festlegung 15 bis 17 Punkte.



"Es kommt auf Schnellkraft und Ausdauer an", erklärt Timo, "viele Sprints, Haken schlagen, den Gegner täuschen, aber keine Körperlichkeiten. Das Spiel ist etwa so körperlos gedacht, wie Basketball." Bislang sind es allerdings zum größten Teil Studenten und ehemalige Studenten, die den Sport für sich gefunden haben - oft über Unisport-Angebote.

Die Ultimate-Frisbee-Sportler arbeiten daran, dass der Sport bekannter wird und auch zu den Schulen vordringt. "Wir haben keinen Schiedsrichter, bei uns geht es um selbstverantwortliches Handeln; das sollte in Schulen beigebracht werden. Und es gibt tatsächlich immer mehr Lehrerfortbildungen, mit denen der Sport an den Schulen ankommt - das kann nur positiv sein."

Ob der Sport mit seinem Spirit-Element eine Art Ersatzreligion sein kann, glaubt er nicht, aber "in kaum einer Sportart ist der Zusammenhalt so groß; das Miteinander geht über normalen Teamgeist hinaus, denn wir leben den Spirit auch im wirklichen Leben. Wir werden damit nicht die Welt verbessern, aber vielleicht leisten wir einen kleinen Beitrag."



In Berlin und München ist die Sportart heute am stärksten und am erfolgreichsten vertreten. Seit dem es 1981 die ersten Meisterschaften in Deutschland gab, werden sie immer professioneller organisiert, was größtenteils ehrenamtlicher Arbeit zu verdanken ist.

"Ultimate Frisbee kann und muss größer werden, aber Kommerzialisierung im negativen Sinn wird es bei uns nicht so leicht geben; dafür ist unser Sport zu kreativ und der Spirit zu stark."

Mehr dazu:

Web: DISConnection

Wer in Ultimate Frisbee hineinschnuppern möchte, für den gibt es Anfängertraining in der Unisport-Halle 2 jeden Freitag von 16 - 17:30 Uhr.

Finale der deutschen Ultimate Frisbee Meisterschaften 2006 - Hamburg gegen Mainz