Friedliches Miteinander

Lorenz Bockisch

Schon gewusst, was eine Simultankirche ist? In den Zeiten während und nach der Reformation kam es in Mitteleuropa zwischen den alteingesessenen Katholiken und den neuen Evangelen zu Streitigkeiten, wer denn die Gotteshäuser nutzen dürfe. Meistens wurden die Kirchen der Konfession zugeteilt, die im jeweiligen Gebiet vorherrschend war. Doch manchmal musste eine andere Lösung gefunden werden.

Besonders bei sehr repräsentativen Sakralbauten musste man sich darauf einigen, dass beide Glaubensrichtungen dort ihre Gottesdienste feiern konnten. In besonderen Fällen wurden dafür die Kirchen im Inneren mit einem Zaun geteilt, wie etwa heute noch in der größten und ältesten Simultankirche Deutschlands im ostsächsischen Bautzen.


Der krasseste Fall einer konfessionellen Kirchenteilung ist allerdings die Grabeskirche in Jerusalem. Dort teilen sich die griechisch-orthodoxe, die syrisch-orthodoxe, die römisch-katholische, die armenisch-apostolische, die äthiopisch-orthodoxe Kirche sowie die Kopten das wichtigste Heiligtum der Christenheit. Nur protestantische Konfessionen haben keinen Anteil an dieser Kirche.

Da es dort schon genügend Streitigkeiten um die Gottesdienstzeiten gibt, wird der Schlüssel durch eine neutrale Familie verwaltet. Seit dem zwölften Jahrhundert schließt ein Mitglied der moslemischen Familie Nuseibeh die Grabeskirche morgens auf und abends wieder zu.