Friederike Tröndle fotografiert Freiburger Läden für Google

Christina Fortwängler

Street View gibt es in Deutschland bisher nur in den 20 größten Städten - können seit Mitte des Jahres bei Google Maps einen virtuellen Rundgang durch ihre Geschäftsräume anbieten – das Angebot nennt sich Google Business Fotografie. Im Raum Freiburg ist Friederike Tröndle bisher die einzige zertifizierte Fotografin.



Klick, Klick, Klick. Mehrmals betätigt Friederike Tröndle den Auslöser ihrer Kamera bei unterschiedlichen Belichtungen. Die Fotografin steht im Flügelsaal des Freiburger Pianohaus Lepthien und wirft prüfend einen Blick durch ihre Kamera, an der Weitwinkelobjektiv und Panorama-Kugelkopf befestigt sind.


Der Raum ist lichtdurchflutet, künstliches und natürliches Licht spiegelt sich in den Flügeln der Marken Steinway & Sons oder Bechstein. „Es wird so aussehen, wie unser Auge es wahrnimmt“, sagt die 32-Jährige. In Etappen von 90 Grad dreht sie sich einmal um sich selbst, geht ein paar Schritte weiter – um den nächsten Raumausschnitt zu fotografieren. Wenn sie ihre Arbeit beendet hat, wird ein virtueller Besuch des Flügelsaals beim Kartenservice Google Maps möglich sein. Denn Friederike Troendle ist zertifizierte "Google Business"-Fotografin.

Den Google-Dienst "Business Photos" gibt es in Ländern wie Frankreich, den USA oder Niederlanden schon seit etwa drei Jahren, in Deutschland startete er im Mai 2013. Bisher nutzen rund 1.000 deutsche Geschäfte und Einrichtungen den Service, bei dem Internetnutzer ihre Räume online betreten können.

Für das Pianohaus heißt das: Gibt man den Firmennamen in die Suchmaschine Google ein, erscheint rechts neben den Suchergebnissen eine große Infobox mit der Zusatzfunktion „Von innen ansehen“. Auch über den Kartenservice Google Maps ist der Rundgang zugänglich, ein Klick auf den Firmennamen genügt.



Die Optik wirkt wie ein Videospiel: durch Klicks bewegt der Internetnutzer sich durch den Raum, kann sich die Einrichtung aus allen Richtungen anschauen. Theoretisch geht das auch über Street View, einen Zusatzservice von Google Maps, der in Freiburg allerdings noch nicht verfügbar ist. Für Unternehmen in Städten ohne Street View sei das nach Angaben von Google jedoch kein Nachteil, die meisten Internetnutzer suchten Restaurants, Hotels, Verkaufsgeschäfte oder andere Einrichtungen ohnehin über Google Maps.

Die virtuellen Raumansichten zeigen genau, wie das Geschäft von innen aussieht - so auch die Jacken, die heute bei Lepthien an der Garderobe hängen. „Viele Geschäftsinhaber denken, man könnte da noch irgendwas weg retuschieren. Das geht jedoch nicht,“ sagt Friederike Tröndle. Lediglich Autokennzeichen oder Gesichter werden unkenntlich gemacht werden – das schreibt Google vor.

Nach der Fertigstellung der Aufnahmen gehen die Bilder in das Eigentum des Kunden über. Dieser muss Google jedoch einige Rechte einräumen: „Google kann die Bilder auch für eigene Zwecke verwenden. Zum Beispiel zu Schulungs- oder Werbezwecken im Bereich der Businessfotografie“, sagt die Fotografin.

Friederike Tröndle hat eine Fernausbildung bei Google absolviert. Das Lernmaterial stellte das Internetunternehmen; die notwendige Ausrüstung musste sie selbst angeschaffen. Sie ähnelt der eines Panorama-Fotografen: Weitwinkelobjektiv, Kompass – um die Bilder später zuordnen zu können –, Panorama-Kugelkopf 360 Grad, eine kleine Wasserwaage für die Kamera und ein Metermaß. Die Kamera wird für die Aufnahmen auf 150 cm hoch eingestellt - auf Augenhöhe also.

Mit Hilfe eines Programms sortiert Friederike Tröndle die Bilder nach der Aufnahme in die richtige Reihenfolge und gibt sie zur Freigabe und Weiterverarbeitung an Google weiter. Google ist nur ein Kooperationspartner – ein Anstellungsverhältnis zwischen zertifiziertem Fotograf und Google besteht nicht.



In Deutschland sind bisher mehr als 90 Fotografen zertifiziert, im Raum Freiburg/Hochschwarzwald ist Friederike Tröndle noch die einzige. „Mit Google habe ich mein Geschäft wunderbar aufgewertet“, sagt sie. Seit Juni bietet sie den Dienst zusätzlich zu Porträt- und Werbefotografien an. Die Akquise sei dabei das A und O. Mit Rucksack und Stativ ausgerüstet läuft sie durch die Stadt und stellt sich und ihren Dienst vor. „Die meisten wussten nichts von dem Programm“, sagt Tröndle.

Nur einige wenige Kunden sind bisher auf sie zugekommen, die anderen hat sie angeworben. Darunter auch das Pianohaus Lepthien. „Wir möchten eine einladende Plattform bieten für Kunden außerhalb von Freiburg“, sagt Sebastian Karst, Geschäftsführer des Pianohauses. Ihre Preise handelt sie individuell aus; für sehr kleine Räumlichkeiten setzt sie ein Preis-Minimum von 130 Euro an. In Berlin und anderen Städten beginnen die Preise bei 250 Euro.  

In Freiburg werben bereits einige Geschäfte mit den virtuellen Raumansichten, seit kurzem etwa auch Szenario Frisöre in der Gartenstraße. Inhaber Michael Schmidt hatte schon von der Street-View-Technik für Innenräume gelesen, als Friederike Troendle vor ein paar Wochen auf ihn zukam. „Wir nutzen den Dienst zu Marketingzwecken. Das ist natürlich hübscher als Fotos", sagt der Frisör. Im virtuellen Raum gut da zu stehen, darum kümmern sich Schmidt und Mitinhaber Hasco Schulze schon seit einigen Jahren. Bei Facebook, Google+ und dem Anzeigensystem Google Adwords ist der Friseursalon vertreten - letztlich sei es ein Zusammenspiel der verschiedenen Dienste, die Resonanz bei der Kundschaft auslöse, sagt er.

Ob der Kunde Google Business Photos in Kombination mit anderen Online-Diensten nutzt oder ausschließlich, Fotografin Tröndle ist von der Nützlichkeit des Dienstes überzeugt: „Es ist eine super interaktive Visitenkarte im Internet."

Zur Person


Friederike Tröndle
, 32, wohnt mit ihrer Familie in Bonndorf. Sie hat in Offenburg ihre Ausbildung zur Fotografin gemacht, dann für ein paar Jahre in England und Irland gelebt. Seit anderthalb Jahren arbeitet sie als selbstständige Fotografin und wurde im November 2013 als Google Business Fotografin zertifiziert.

Mehr dazu:

[Fotos: Ingo Schneider]