Freunde treffen an den Feiertagen: "Wir sehen uns an Weihnachten!"

Julia Sommer

"Hey, fröhlich Weihnachten und wie gehts dir so?" Für viele ist Weihnachten nicht nur ein Fest im Kreise der Familie, sondern auch ein Wiedersehen mit Freunden und Klassenkameraden von früher. Alle Jahre wieder trifft man sich in Traditions-Locations, um sich danach ein Jahr wieder kaum oder gar nicht zu sehen. Julia hat bei fünf Leuten nachgefragt, welche Freundschafts-Traditionen sie an Weihnachten pflegen.

 

Max, 31, aus Freiburg


"Die wohl stressigste Woche des Jahres wird bei mir traditionell am Abend des 23. eingeläutet, an dem in der Warsteiner Galerie seit ich weiß nicht wie vielen Jahren ein Treffen und Trinken meiner ehemaligen Schule, dem Friedrich Gymnasium, stattfindet. Eigentlich eine gute Gelegenheit, alle mal wieder auf einem Haufen zu sehen, aber irgendwie auch zu viel Hype und zu viele Leute. Zwar immer nett und feucht- fröhlich, aber wenn man mit alten Leuten in Ruhe schnacken will, ist man da definitiv falsch. Jedes Jahr kommt daher die Idee auf, mal mit ein paar wenigen Leuten den alternativ- Umtrunk in kleinerem Kreise in die Wege zu leiten. Bislang zieht uns die Warsteiner jedoch wie ein Magnet an.

Am 24., nach Heiligabend, dann häufig das gleiche in Grün mit noch mehr Leuten in der Jackson Pollock-Bar. Am ersten und zweiten Weihnachtsfeiertag ist dann ein bisschen durchatmen mit Musik angesagt: Die immer wieder gleichen, aber auch immer wieder schönen Weihnachtskonzerte der „No Plastic“-Band und der Refrigerators im Jazzhaus. Das läuft in der Weihnachtswoche dann fast unter „heute Abend nichts gemacht“.

Tagsüber versuche ich dann beim Café das nachzuholen, was im abendlichen Partytrubel meist nicht so ganz hinhaut: Sich ein paar alte Freunde mal einzeln rauszupicken und sich zumindest halbwegs auf den aktuellen Stand der Dinge zu bringen. Wenn man es dann noch schafft, sich für einen Abend freizuschaufeln ist alles bestens.

Insgesamt ist es eine tolle Zeit. Das Meiste ist sehr schön, aber natürlich sehr Retro. Um die 'Mein Auto-mein Haus-mein Boot-Fraktion' muss man halt einen Bogen machen.

Die Weihnachtswoche könnte nur etwas länger sein, um mehr Zeit zu haben, um Wiedersehen, Feiern, Unterhalten, Erholen und das alles besser unter einen Hut zu bekommen. Denn mit der vielgepriesenen Besinnlichkeit ist es nicht so weit her. Aber die kehrt ja dann langsam wieder ein, wenn die alten Freunde sich nach und nach wieder verkrümeln. Doch halt: dann steht ja schon Sylvester auf dem Veranstaltungskalender!"

Silke, 22, Studentin aus Öhringen bei Heilbronn


"Am 24., gehen viele von meinen Freunden weg, aber da war ich noch nie dabei. Ich geh immer erst am 25. abends ins Jugendzentrum 'Fiasko'. Da spielen dann immer verschiedene Bands und ich treff die ganzen Leute von früher. Eigentlich sind das immer die gleichen, die man dort trifft, weil die alternative Szene auch nicht so groß ist.

Ich will es zu Hause nicht so krachen lassen und dann bei meinen Eltern verkatert rumhängen; deswegen schau ich immer, dass ich mich mit meinen guten Freunden von früher einzeln zum Kaffee oder zum Frühstücken treffe; nicht so dieses Gruppen-Ding, sondern bewusst mit alten Leuten, die man nicht so oft sieht Zeit verbringen.

Wenn man mehrere Tage  zu Hause sitzt und sich dann nicht so ganz frei bewegen kann, wie man es zwischenzeitlich gewohnt ist, tut es gut, sich mit den Freunden zu treffen. Deswegen ist es auch gut, dass die Tage mit Leute treffen verplant sind - besser als an Weihnachten die ganze Zeit zu Hause rumzuhocken.

Klar, manche Leute will man auch gar nicht wiedersehen, aber meistens ist es cool, auch wenn es viel darum geht, einfach auf den neuesten Stand zu kommen. Oft weiß man ich gar nicht, wo die Leute eigentlich sind und was sie machen, da kommen dann schon teilweise krasse Antworten.

Natürlich schwelgt man in Erinnerungen, 'Weisst Du noch, was wir damals....'. Wie die Zeit vergeht, wird mir dann am deutlichsten klar, wenn ich zu alten Freundinnen zum Kaffee gehe, die dann jetzt plötzlich Familie und Kinder haben. Das ist dann schon irgendwie komisch, aber auch total schön."

Michael, 30 aus Waldkirch


"An Heiligabend treffen wir uns mittags meist in Waldkirch und gehen auf dem Marktplatz in eine Kneipe, um ein Weihnachtsbier zu trinken. Danach geht's zur Family. Nach der Bescherung und dem Familienessen hat es sich seit Jahren eingebürgert, dass wir uns im AJZ in Kollnau treffen.

Das ist eigentlich ein Treffpunkt für jüngere Leute, aber an Heiligabend ist es gleichzeitig die Anlaufstelle für alle älteren Semester, die man das über das Jahr selten, bis gar nicht sieht, da sie irgendwo in Deutschland studieren, arbeiten und leben und dann eben über die Weihnachtszeit nach Hause zu ihrer Familie kommen.

In den letzten Jahren nahm die Zahl der älteren Besucher leider immer mehr ab, da einige dann doch meinten, 'so langsam seien sie zu alt fürs JuZe'. Das macht sich auch daran bemerkbar, dass man im Dunkeln plötzlich die jüngeren Geschwister mit den älteren verwechselt. Trotzdem bleib ich der Tradition treu."

Yannick, 24, Student aus Kehl


"Mein Bruder und ich fahren an Weihnachten von Freiburg zu unseren Eltern nach Kehl-Marlen. Dieses Jahr fahren wir schon am 23. heim, weil abends die Feier mit den Freunden stattfindet.

Das Treffen mit den Freunden machen wir seit ungefähr fünf Jahren an einem Abend rund um die Weihnachtsfeiertage. Die Truppe aus Freunden aus der Gegend und der Nachbarschaft wird jedes Jahr größer.

Am Abend lassen wir uns nach Strassbourg rüberfahren, um einen Trinken zu gehen. Im „Les Brasseurs“ brauen die ihr Bier selber und wir kennen es schon seit der Schulzeit; an Weihnachten gehen wir immer zur Happy Hour dort hin. Von 17 bis 19 Uhr trinken wir dann dort ordentlich; ein Bier zahlen, eins umsonst. Dieses Mal werden wir wohl so zehn Leute sein. Nach zwei Stunden holen wir uns immer noch ein Fäßle von der Brauerei und machen uns zu Fuß auf den Weg zurück nach Kehl.

In Kehl beschließen wir, ob es noch weiter gehen kann, also in die Disko oder eine weitere Kneipe. Am 24. wird erstmal gemütlich mit der Familie gefeiert, und danach klingt der Abend mit den Nachbarn aus.

Die restlichen Feiertage verbring ich dann mit dem französischen und deutschen Teil der Familie. Es ist schwierig alte Schulfreunde zu treffen, weil ich auf einer internationalen Schule war. Die sind alle auf der ganzen Welt verteilt und die letzten Jahre ging da nicht so viel.

So schnell, wie möglich möchte ich dann aber auch immer zurück nach Freiburg."

Lena, 27 aus Freiburg

"Ich habe am 23. Dezember immer großes Mitleid mit und riesigen Respekt für alle Bedienungen und Kellner im Schlappen. Denn hier treffen sich jedes Jahr gefühlt alle Stufen meiner alten Schule, dem Albert-Schweizer-Gymnasium. Außerdem wurde die Lokalität wohl noch von vier weiteren Schulen zum alljährlichen Treffpunkt auserkoren. Es ist daher immer brechend voll. Wer unter Klaustrophobie oder Soziophobie leidet, sollte den Schlappen daher an diesem Abend meiden.

Schon seit fünf Jahren ist das für mich, trotz Platzmangel und Menschenmassen, das absolute Pflicht-Vorweihnachts-Programm. Hier treffe ich so viele nette und ein paar weniger nette Menschen, die ich eben nur an diesem einen Abend im Jahr sehe. Klar, es gibt viel Smalltalk und Blabla, aber vor allem wird miteinander meterweise Bier getrunken, in alten Zeiten geschwelgt und 'geupgradet'.

Schlimm ist leider auch immer der Kater am nächsten, dem heiligen Abend. Doch spätestens zur Schäufele-und-Kartoffelsalat-Zeit ist das auch wieder gegessen und getrunken hat man mindestens auch eine Flasche Wein. Also geht es am 24. Dezember gegen 24 Uhr ins Cräsh. Hier trifft man erneut Hinz und Kunz, ist glücklich, vollgegessen, betrunken und feiert den Geburtstag von Jesus gebührend raus.

Same procedure as every year!"




fudder-Debatte:

Triffst Du Dich an den Feiertagen auch mit der Clique von früher? Habt ihr Weihnachts-Traditionen? Wie ist die Zeitreise in Jugendfreundschaften, -kneipen und -verhalten für Dich?  Nostalgisch? Bisschen nervig? Alle Jahre wieder schön?

Du bist gefragt!


Mehr dazu:

[Symbolbild: © Gennadiy Poznyakov - Fotolia.com]