Freitag: Captain Beefheart's Magic Band im Waldsee

Alexander Ochs

Sie haben Musikgeschichte geschrieben: Captain Beefheart und seine Magic Band haben unzählige Musiker beeinflusst und waren ihrer Zeit weit voraus. Schon Jahre vor dem Tod von Mastermind Don Van Vliet hat sich die hervorragende Truppe wieder zusammengetan. Und gastiert am Freitag im Waldsee.



„If anyone in the world of rock music really deserves to be labelled as a genius, I think that he could be it.”

Das meinte kein Geringerer als der legendäre John Peel über den Ausnahmekünstler Captain Beefheart. Vor knapp zwei Jahren ist der große Neuerer des Bluesrock, mit bürgerlichem Namen Don Van Vliet, gestorben. Doch seine Band macht weiter, bringt die Musik des grandiosen und genialen Künstlers und grenzenlosen Egomanen auf die Bühne; so auch ins Waldsee am Freitag.


Ihr Schlüsselwerk, dessen Name so dämlich klingt, dass man ihm noch nicht einmal dreistellige Verkaufszahlen zubilligen würde, heißt „Forellenmasken-Nachbildung“ – Trout Mask Replica. Ah ja. Der Rolling Stone sortiert es auf Platz 60 unter die 500 wichtigsten Alben aller Zeiten ein. Und selbst Noch-Präsident Barack Obama hat sich mal mit der Jahrhundert-Platte unterm Arm erwischen lassen.

Die Musik von Captain Beefheart & His Magic Band kommt irgendwo aus dem weit verzweigten sumpfigen Grasland des Blues und mäandert scheinbar vollkommen chaotisch und anarchisch durch das hypnotisch-psychedelische Reich des experimentellen und avantgardistischen Rock. Zugleich wabern Free-Jazz-Anklänge und Polyrhythmen durch das Album. Doch war jede einzelne Note ihres Meisterwerks lange im Voraus geplant: Zwölf Stunden pro Tag übte die Band die Songs ein, und das über Monate hinweg, damit das Ergebnis genau so klingt, wie es klingt. Produzent Frank Zappa, ein sehr guter Freund des Captain, gelang das Kunststück, einen Großteil des Albums in noch nicht einmal fünf Stunden aufzunehmen. Insgesamt ging jedoch ein fast ein Jahr für die Aufnahmen der 28 Stücke des Doppelalbums drauf.

Gut 15 Jahre lang währte die Ära des Captain Beefheart, von 1967 bis 1982 war er mit seinen Mitstreitern musikalisch aktiv. Während Van Vliet, ein hochtalentierter Künstler, sich der Malerei zuwandte und seine Bilder auch mal für 100.000 Dollar verscheuern konnte, hielt seine Zauber-Band das Zaudern nicht mehr aus und ging ab Anfang der Nuller Jahre wieder auf Tour.

Dabei hat „Drumbo” John French, der die Gesangsparts von Van Vliet übernimmt, eigentlich überhaupt keine Lust, den alten Kram wiederzukäuen. „Ich konzentriere mich lieber auf neue Musik, statt längst Geschriebenes zu repetieren.“ So ist es Fans auf dem europäischen Festland bislang ganze drei Mal vergönnt gewesen, die Truppe live mitzuerleben (einmal in den Niederlanden, zwei Mal in Schweden). Jetzt endlich gibt es die – wahrscheinlich – einmalige Gelegenheit, die epochale Musik der Magic Band im Konzert zu goutieren. Und John Peel – was sagt der dazu? Er fand Drumbos Gesang dermaßen gut und treffend, dass seine anfängliche Skepsis gegenüber einer Reunion der Band gewichen war.

„Man braucht nicht Beethoven auf der Bühne zu haben, um seine Neunte Symphonie zu spielen.“ (John Peel über die Rückkehr der Magic Band)

Hier zwei Aufnahmen der heutigen Band:

The Magic Band - Nowaday's A Woman's Gotta Hit A Man

Quelle: YouTube

"CIRCUMSTANCES" THE MAGIC BAND LIVE ON SWEDISH NATIONAL TV 4 5/16/06

Quelle: YouTube


... sowie zwei BBC-Dokumentarfilme, der erste über die Band von einst (1967 bis 82), der zweite über das Comeback der Magic Band:

Captain Beefheart documentary (Part 1 of 6)

Quelle: YouTube


The Magic Band - Crow's Milk documentary (1 of 4) with John Peel narrating.mp4

Quelle: YouTube


Line-up

„Drumbo” John French – Gesang/Mundarmonika/Saxophon/Schlagzeug (bei den Instrumentalstücken)
„Rockette Morton” Mark Boston – Bass
„Feeler's Reebo” Denny Walley – Gitarre
Eric Klerks – Gitarre
Craig Bunch – Schlagzeug (bei den Nummern mit Gesang)

Drumbo
spielte ab Beefhearts Erstling „Safe As Milk“ bis zu dessen vorletzter Platte „Doc At Radar Station“ eine weit größere Rolle als bloß die des Schlagzeugers: John French ist der Übersetzer gewesen, ohne den der Captain seine haarsträubenden Ideen nicht aus seinem Kopf zu bringen vermochte. Denn selber konnte er weder ein Instrument spielen noch Noten notieren. Er sang oder pfiff lediglich Fragmente in die Welt hinaus, die Drumbo dann zu spielbaren Songs zusammenfügte und für die Band niederschrieb. Überdies war John French auch der einzige, den Captain Beefheart je auf Platte hat mitsingen lassen.

Rockette Morton war ab „Trout Mask Replica“ von 1969 an Bord. Und auch auf den vier nachfolgenden Alben war er Bassist und zweiter Gitarrist der Magic Band.

Feeler's Reebo debütierte auf dem Zappa/Beefheart-Album „Bongo Fury“. Anschließend stand der famose Slide-Gitarrist Denny Walley von 1975 bis 78 in des Captains Diensten.

Mehr dazu:

Was: Captain Beefheart's Magic Band (ATP Records, Los Angeles)
Wann: Freitag, 12. Oktober 2012, 21 Uhr
Wo: Waldsee
Eintritt: VVK 20 Euro zuzüglich Gebühren, AK 25 Euro [Fotos: Promo]