Erste Beschwerden

Freiburgs Spätkauf-Team möchte sich mit Anwohnern arrangieren

Gina Kutkat

Drei Wochen sind rum, die ersten Beschwerden da: Seit "Bis Späti" eröffnet hat, halten sich an warmen Abenden vor dem Geschäft viele junge Menschen auf. Einzelne Anwohner fühlen sich gestört, das Team hat Maßnahmen ergriffen.

Vor drei Wochen hat in der Egonstraße, Ecke Eschholzstraße Freiburgs erster Spätkauf "Bis Späti" eröffnet. Ein buntes Kollektiv aus jungen Freiburgerinnen und Freiburgern verkauft auf 90 Quadratmetern unter anderem Getränke, Snacks, Klopapier, Kondome oder Tiefkühlpizza. Die Resonanz auf die Eröffnung war groß. "Wir waren überrascht vom Andrang, der auch in den Wochen danach noch anhält", sagt Florian Höntsch aus dem Späti-Kollektiv.


Anwohner, Studierende und Leute, die spontan vorbeikommen: Der Spätkauf ist seitdem zur Anlaufstelle im Stühlinger geworden. Doch das gefällt nicht jedem. Weil sich die Späti-Kundschaft vor allem an den lauen Sommerabenden auf den Bürgersteigen am und um den Späti aufhielt, beschwerten sich einzelne Anwohner wegen Ruhestörung. "Seit der Eröffnung am 22. Juni des ’Bis Späti’ sind beim Amt für öffentliche Ordnung acht Beschwerden eingegangen", so Martina Schickle, Pressesprecherin der Stadt. "Auch die Polizei war einmal da", sagt Anaïs Moll aus dem Späti-Team. Da der Späti über keine Freisitzfläche vor der Tür verfügt, muss ab 22 Uhr Ruhe sein.

Bezogen sich die Beschwerden anfangs auf die unmittelbare Umgebung der Gaststätte, hat sich die Problematik inzwischen auf den Lederleplatz ein paar Hundert Meter weiter verlagert. "Wir versuchen, die Lage zu entschärfen, in dem wir die Leute konsequent weiterschicken", sagt Moll. "Wir bitten sie, ihren Müll aufzusammeln und die Flaschen zu entsorgen." Außerdem hat das Team, das bislang komplett ehrenamtlich arbeitet, ein Beschwerdetelefon eingerichtet; entsprechende Handzettel werden verteilt und aufgehängt. "Wohin die Leute weiterziehen, liegt aber nicht in unserer Macht", sagt Florian Höntsch. Die Stadt gibt ihm Recht: "Was die Einkäufer oder Gäste außerhalb seines Einzugsbereichs tun, ist dem Betreiber nicht mehr zuzurechnen."

Freiburgs Späti hat unter der Woche bis 2 Uhr, an den Wochenenden bis 4 Uhr geöffnet. Sonntags kann man von 12 bis 22 Uhr einkaufen. In den Räumlichkeiten befand sich vorher das Josephstüble – die Theke und Küche nutzen die neuen Betreiber weiter. Seit dem 14. Juni verfügt "Bis Späti" über eine Gaststättenerlaubnis, somit ist die Abgabe von Speisen und Getränken – auch Alkohol – erlaubt, verzehrt werden soll alles an Ort und Stelle, innerhalb des Ladens. Zusätzlich dazu ist das Gewerbe als Gaststätte mit Einzelhandel angemeldet; somit handelt es sich um einen Mischbetrieb, in dem auch Produkte des täglichen Bedarfs verkauft werden dürfen.

Ein Anwohner, der namentlich nicht genannt werden will, begrüßt die Maßnahmen des Kollektivs und der Stadt. "Am Eröffnungswochenende war es ziemlich laut, aber seitdem gab es keine Probleme. Dass die Leute teilweise an den Ecken saßen und ihr Bier getrunken haben, hat mich auch nicht gestört. Sie verhielten sich ruhig und freundlich." Um die Lage zu beruhigen, hat die Stadt den Vollzugsdienst mit Kontrollen am Lederleplatz beauftragt. "Wir gehen davon aus, dass der Einsatz erfolgreich ist", so Pressesprecherin Schickle.

Das Späti-Kollektiv, das mittlerweile aus knapp 15 Leuten besteht, ist weiterhin kompromissbereit. Es begrüßt einen Austausch mit den Anwohnern, weist aber auf das Problem fehlender Freiräume in Freiburg hin. "Wir würden gerne einen offenen Diskurs anstoßen", sagt Anaïs Moll. "Junge Menschen haben ein Bedürfnis nach Nachtleben."
Bis Späti

Freiburgs "Bis Späti" orientiert sich mit seinem Konzept an Spätkauf-Läden, die aus Städten wie Berlin oder Leipzig bekannt sind. Die Ladenöffnungszeiten weichen von denen der normalen Supermärkte ab; ursprünglich waren die Spätverkaufsstellen in der DDR entstanden, um Schichtarbeiter mit Lebensmitteln zu versorgen. in der Egonstraße 45 gibt es außerdem eine Solikasse, ein Tauschregal, eine Kiste für Lebensmittel aus Containern und Kaffee auf Spendenbasis.

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