Freiburgs Softball-Frauen

Anselm Müller

Schon Mal die Begriffe Base, Batter, Bunt, Double Play, Home Run und Short Stop gehört? Dann wird es höchste Zeit: Sie entstammen alle der Softballdialektik. In Freiburg gibt es diese Sportart schon seit 1994, wobei sie immer noch ein Randdasein fristet.





Softball ist keine reine Frauensache

Die weit verbreitete Meinung über Softball ist, dass der Sport das Pendant zu Baseball ist und nur von Frauen gespielt wird. Dies ist FALSCH! Softball wird sowohl von Frauen als auch von Männern gespielt. In Amerika und Kanada gibt es sogar Mixed-Teams. Es spielen auch mehr Menschen Softball als Baseball. Der Sport wurde im 19. Jahrhundert erfunden, um Baseball auch in der Winterzeit in Hallen spielen zu können. Er entwickelte sich nach kurzer Zeit zu einer eigenständigen Sportart.

Softball ist am besten mit Brennball vergleichbar. Eine Mannschaft besteht aus neun Spielern (plus Ersatzspieler). Pro Spiel ist jedes Team jeweils sieben Mal verteidigende und sieben Mal angreifende Mannschaft. Ziel des Spiels ist, dass möglichst viele eigene Spieler das Homebase (pro Spieler gibt es einen Punkt) erreichen. Damit dies gelingt, müssen sie über drei Stationen (1-3 Base) laufen. Hier die Regeln im Überblick.





Das Trainingsgelände der Freiburg Knights befindet sich im Dietenbachgelände in Nachbarschaft zum Dirtbikepark. Neben dem Spielfeld gibt es auch noch eine Schlagbox. Diese Käfige sieht man immer in Japan spielenden Filmen, dort lassen Topmanager ihre Aggressionen an Base- und Softbällen aus. "Bei uns wird sie nur zu Übungszwecken sowie für Vorführungen eingesetzt", sagt Sandra Röck, die gemeinsam mit Sally Harrington Coach der Damenmannschaft ist. Während Sandra spricht, übt Sally mit den insgesamt sechs Trainingsteilnehmern den so genannten Bunt. Der Bunt ist ein Stoppball. Auf dem Trainingsplatz wird Englisch gesprochen. "Das kommt daher, dass wir sehr viele Amerikaner- und Kanadierinnen in unserer Mannschaft haben. Meist sind es Mädchen, die als Gaststudentinnen oder Au-Pairs in Freiburg sind", sagt Sandra.

From Newfoundland to Freiburg

Morgan Andrews ist 21 Jahre alt und ungefähr 1,75 Meter groß. Seit Juni ist sie in Freiburg und fast genauso lange schon bei den Knights. Sie kam als Au-Pair aus dem kanadischen Neufundland nach Freiburg. Seit ihrer frühen Kindheit spielt sie Softball. Ihr Interesse am Softball: "Es ist etwas, womit man wunderbar die Zeit totschlagen kann." Natürlich darf man sich Softball in Kanada und Amerika nicht wie hier in Deutschland als Randsportart vorstellen, es hat in etwa den gleichen Stellenwert wie hierzulande Fußball. Kommen in Kanada etwas 100 bis 150 Zuschauer zu einem Spiel, so sind es in Freiburg aller höchstens 20. Diese sind meist Freunde sowie Verwandte der Spielerinnen.





"Jeder spielt es, egal ob Alt oder Jung, Mädchen oder Jungen. Zuhause habe ich sehr oft mit meinem Bruder und meinem Vater gespielt", sagt Morgan. "Ich spiele hier, weil ich durch den Club Leute kennen lernen kann. Im Team gibt es keinen Neid, wir treffen uns auch außerhalb des Platzes", sagt sie. Die Psychologiestudentin spielt in ihrer Heimmannschaft auf dem Second oder Third Base. Bei den Knights ist sie das Mädchen für alle Fälle. Ihre Position hängt davon ab, wer zum Spiel kommt.

Beste Pitcherin der Liga

Das Mädchen im Pitcherkreis nimmt den Ball in die rechte Hand und umfasst ihn mit dem Handschuh in der linken Hand. Sie schwingt ihn über den Kopf und vollführt zwei ganze Umdrehungen mit der Wurfhand. Macht einen Ausfallschritt nach vorne und katapultiert den Ball in dem Moment, in dem er im Bereich ihrer Hüfte ist, raus. Ein dumpfes Geräusch ertönt als der Ball im Handschuh der Catcherin landet. Lisa Schalipp ist 21 und die Pitcherin (Werferin) der Freiburg Knights. Seit ihrem 14. Lebensjahr spielt sie Softball. Ihre Familie wohnt in der Nähe des Trainingsplatzes, ihr Vater machte seine Tochter auf die Knights aufmerksam. Damals war sie das einzige Mädchen, das bei der Herrenmannschaft mitspielte.



Schon als Siebenjährige machte sie während eines Aufenthalts ihrer Familie in den Staaten Bekanntschaft mit dem Sport. Seit dieser Saison pitched sie ganz alleine. Die vorherigen Saisons hat sie sich mit einer Mitspielerin die Position geteilt. Sally sagt über Lisa, dass sie von der Technik und von ihrem Wurfrepertoire die beste Pitcherin der Liga ist. "Durch mich beginnt und endet jeder Spielzug. Der Pitcher hat eine hervorgehobene Stellung im Softball. Pitche ich schlecht, verliert meine Mannschaft", sagt Lisa. Dass diese Position einen ungeheuren Druck auslöst, machte ihr früher zu schaffen. Sie konnte mit dem Druck schlecht umgehen. Heute ist das anders.

"Ich schaffe es, alles außer dem Handschuh der Catcherin auszublenden." Der Reiz des Sports ist für sie einmal das Außergewöhnliche, da er nicht weit verbreitet ist sowie die taktische Vielfältigkeit. "Erst beim letzten Spiel habe ich eine Regel gelernt, die ich in meiner nun siebenjährigen Karriere noch niemals gehört habe."

Spielerinnen werden dringend gesucht

Letztes Wochenende machten die Knights die Meisterschaft klar, sie werden nächstes Jahr ihr Können in der Verbandsliga unter Beweis stellen. Sollten sie auch diese Liga als Meister verlassen, würden sie in die 2. Bundesliga aufsteigen. Die Freiburger Knights leiden darunter, dass die meisten ihrer Austauschstudentinnen nur eine Saison lang spielen können. Deswegen freuen sie sich, wenn neue softballbegeisterte Mädchen/Damen zu ihnen den weg finden.