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Freiburgs schönste Stüble: "Daniela's Eschholzstüble" im Stühlinger

Andreas Meinzer

Sie sind urig, gemütlich und meistens die letzte Heimstätte für Raucherinnen und Raucher: In der fudder-Serie "Freiburgs schönste Stüble" stellen wir Kneipen in Freiburg vor, die diesen Titel verdient haben. Heute: Daniela's Eschholzstüble.

Das Team und die Gäste

Von außen wirkt es recht unscheinbar. Wer es nicht kennt, übersieht es schlechterdings zwischen all den anderen Kneipen auf der Eschholzstraße. Doch betritt man als neuer Gast "Daniela's Eschholzstüble" und kommt mit einem der zahlreichen Stammgäste an der einladenden Theke ins Gespräch – was schnell passiert –, entpuppt sich die Lokalität als eine, in der man viel erleben kann.

Einer dieser langjährigen Besucher ist Thommy (48). Seit November wohnt er in Haslach, davor jahrelang im Stühlinger. Ihm werde er "immer treu bleiben", er sei mit der Subkultur des Stadtteils "verwachsen". "Ich kenne im Stühlinger viele. Wenn man durch die älteren Kneipen geht, kennt man sich einfach." Seit seinem Studium hat er nebenbei in der Gastronomie gearbeitet, zum Beispiel im Ganter-Biergarten. "Das ist mein Joggen, der Ausgleich zu meinem Job", charakterisiert der heutige Bildungsreferent, der viel im Außendienst tätig ist, seine Affinität zum Kellnern und zum Thekendienst. "Ich lege keinen Wert auf Status", betont er. In Kneipen wie dem Eschholzstüble sei es sehr angenehm, dass "keiner fragt, wer du bist". Hier kommen alle her: Der Banker, der Sanitärarbeiter, die Lehrerin, die Altenpflegerin.

Vor vier Jahren begann Thommy auch, Daniela Bilger-Frei (53), mit der er gut befreundet ist, in ihrer Kneipe zu unterstützen. Seit über 13 Jahren existiert das Lokal unter ihrer Leitung. Zum Team gehören außerdem ihre Mutter Doris, die bald ihren 75. Geburtstag feiert und noch jeden Tag von nachmittags, zur Kaffee-Zeit, bis am frühen Abend an der Theke steht; die Thekerinnen Ute (55) und Elli (52) sowie Danielas Bruder Thomas (56), der für die Technik zuständig ist. Gerade für eine solch kleine Lokalität sei das Eschholzstüble "technisch up-to-date", lobt Thommy.

Events und Erlebnisse

Wer hier spontan eine Feier oder ein Event plane, brauche Daniela nur kurz bescheid zu geben, dann sei das "safe"; sie erfülle auch ausgefallene Getränkewünsche und besorge alles, was das Herz begehre. Auch wenn, wie schon einmal geschehen, eine Gruppe Studierender vorbeikommt, die eine "Doku über das Sexualleben von Flügelameisen" gemeinsam auf dem Fernseher schauen wolle, sei das kein Problem. Hier werde nicht nur, wie in anderen Kneipen, Fußball gezeigt, sondern auch Formel 1, Eishockey – oder der Eurovision Song Contest. Zu Letzterem und wenn Fußball-WM oder -EM ist gibt es auch groß angelegte Tippspiele.

Besonders an Fasnet und zu Halloween ist der Innenraum speziell geschmückt. Daniela besitzt einen ganzen Keller voller Deko. Auch Särge für Halloween. "Alles sehr freaky. Es ist mega offen hier", schwärmt Thommy. Wenn der CSD stattfindet, hängt die Regenbogen-Fahne draußen. Bei Daniela ist jeder willkommen. "Hier darfst du alles – du musst dich nur benehmen. Und du musst grüßen. Wir legen sehr viel Wert auf wertschätzendes Benehmen", fasst Thommy das Selbstverständnis der Lokalität zusammen.

Zwar werde hier weniger Wert auf Altbewährtes gelegt, ergänzt er. Doch gibt es hier auch, wie in anderen älteren Kneipen des Stühlinger, ein Kässle. Fünf Euro zahlt jeder – insgesamt 38 Einzahlende –, der bei diesem Sparsystem mitmachen möchte, ein Jahr lang wöchentlich in die Kasse; bei Zahlungsversäumnis werden 2 Euro Strafgebühr fällig. Doch auch diese kommen letztlich allen zugute und werden für die aus den Einnahmen finanzierten gemeinsamen Ausflüge verwendet: ob eine Fahrt mit der Sauschwänzle-Bahn, einen Museumsbesuch, eine Besichtigung der Rothaus-Brauerei oder einen Tag am Badesee.

Auch Nicht-Einzahler können gerne auf eigene Kosten beim "Kässlefest" dabei sein. Auch außerhalb des jährlichen Kässlefestes bzw. -ausfluges unternehmen die Gäste und Daniela regelmäßig etwas miteinander. Die gemeinsamen Besuche auf der Stroßefasnet, beim Herdemer Hock, beim Rathaus-Hock, auf der Messe oder Wanderungen am Vatertag sind nur einige der zahlreichen festen Termine im Jahreskreis.

Specials und Getränkeauswahl

"Danielas Eschholzstüble" – das ist wohl einmalig in Freiburg – hat 364 Tage im Jahr geöffnet. Lediglich am 1. Januar ist geschlossen. Am Karfreitag sowie am 3. Oktober finden hier "Cäsar"-Turniere statt. Dann werden extra Spieltische aufgebaut und es werden Sekt, Brezeln und Wurstsalat serviert. Wegen des Raucherdiskriminierungsgesetzes darf hier bedauerlicherweise kein Essen verkauft werden. Dafür ist das Getränkeangebot vielfältig und günstig. Unbedingt zu probieren ist der selbstgemachte Mexikaner – Rezept streng geheim.

Mexikaner, Ouzo und Joster werden in gefrorenen Gläsern serviert und kosten je nur 1,50 Euro. "Das ist auch was für den kleinen Geldbeutel", so Daniela. Den Eierlikör in den Geschmacksrichtungen Vanille, Haselnuss und Birne (2,50 Euro) bezieht sie von einer befreundeten Hamburger Kneipe, wo dieser auch hergestellt wird. In den sonnigen Monaten bietet das Stüble auch Sitzgelegenheiten im Freien. Dazu empfiehlt sich das ein oder andere Gläschen der selbstgemachten Bowle (3 Euro), wechselnd in den Geschmacksrichtungen Erdbeere, Pfirsich oder Ananas. Das große Pils (0,5 Liter) von Fürstenberg kostet 3,40 Euro, eine Weinschorle 2,50 Euro. Kaffee gibts für 2 Euro.

Das Eschholzstüble ist eine "Spätkneipe", wie es Thommy nennt. Daniela hat auch meist noch zu vorgerückter Stunde nach Mitternacht offen. Die Schließzeiten sind schwankend. Bis keine Leute mehr da sind – oder "die Chefin keine Lust mehr hat". Doch das ist selten der Fall.

Fazit

Wenn das alles nicht Gründe genug sind, in "Daniela's Eschholzstüble" vorbeizuschauen!
In diesem Sinne: Your Stüble needs you!

Öffnungszeiten

Mo-Fr ab 15 Uhr , Sa-So ab 13 Uhr.
Open End.

Adresse und Anfahrt:

Danielas Eschholzstüble
Eschholzstraße 26
79106 Freiburg
0761 / 276402

Straßenbahn: Mit den Linien 1, 2, 3 oder 4 bis Haltestelle "Eschholzstraße", dann noch etwa 300 zu Fuß. Bus-Linie 14 bis "Lehener Straße" – der Bus hält quasi vor der Haustür.

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