Stellungnahme zur Gruppenvergewaltigung

Freiburgs Oberbürgermeister Martin Horn deaktiviert Instagram- und Twitter-Konten und erhält trotzdem Morddrohungen

Daniel Laufer

Der zur erwartende Ansturm an Kommentaren wäre nicht zu bewältigen gewesen, heißt es aus dem Rathaus. Deshalb ist Horn schon seit seiner Stellungnahme zur Gruppenvergewaltigung nur noch bei Facebook aktiv. Inzwischen sollen ihn Morddrohungen erreicht haben.

Martin Horn hat seine Profile bei Instagram- und Twitter deaktiviert, zunächst kommentarlos. Dies geschah am Freitagnachmittag, zeitgleich mit einer Stellungnahme, die er zur Gruppenvergewaltigung einer jungen Frau nach einem Diskobesuch abgegeben hat. Die Polizei hatte in diesem Fall acht Verdächtige festgenommen, sieben Syrer und einen Deutschen. Freiburgs Oberbürgermeister ist mit diesem Schritt einer erwarteten Flut von Kommentaren und Nachrichten über diese beiden Kanälen zuvorgekommen.


Die Entscheidung, die Profile aus dem Netz zu nehmen, sei bereits am Freitagvormittag gefallen, so Rathaus-Sprecherin Edith Lamersdorf. Die Polizei hatte den Oberbürgermeister vorab über die Festnahme informiert. "Unsere Gedanken und Gefühle gelten dem Opfer dieser so abscheulichen Tat", heißt es in der Stellungnahme, die er auf seiner Facebook-Seite veröffentlicht hat – dem einzigen verbliebenen Kanal in den sozialen Medien.



"Er wollte sich nicht wegducken, drei Social-Media-Kanäle wären für uns aber nicht zu bewältigen gewesen", teilt Lamersdorf mit. "Wir wissen, in welcher Art und Weise dort Diskussionen geführt werden und haben auch eine Verantwortung gegenüber dem Opfer." Man habe sich nun auf Facebook konzentriert, weil dort die meisten Menschen erreicht würden. Mehr als 7000 Abonnenten hat Horn dort.

Morddrohungen und Beleidigungen

Martin Horn, der selbst keiner Partei angehört, im Wahlkampf aber von der SPD unterstützt wurde, wird seitdem massiv angefeindet. In der Stellungnahme hatte er auch geschrieben, Straftaten wie die Vergewaltigung dürften nicht zu Pauschalurteilen über Flüchtlinge führen. Der rechte Publizist Henryk M. Broder beschimpfte ihn daraufhin auf seinem Blog. "Einer, der so etwas von sich gibt, hat entweder den IQ einer Mausefalle, das Gemüt eines Fleischwolfs oder die Mitleidsfähigkeit einer Rohrbombe. Oder von allem was."

"Das Ausmaß des Hasses, das da auf einen einschlägt, das war wirklich erschreckend."Martin Horn

Unter der Stellungnahme seien bis Mittwochmittag rund 3500 Kommentare verfasst worden, heißt es aus dem Rathaus. Das sind mehr als hundertmal so viele Kommentare wie unter Beiträgen auf Horns Facebook-Seite üblich. Der Großteil habe von Menschen gestammt, die wohl gar nicht in Freiburg leben.

Etwa 500 Kommentare habe die Stadtverwaltung gelöscht, 200 Nutzer gesperrt. Der Oberbürgermeister sei beleidigt worden, sagt Lamersdorf. Es habe Morddrohungen gegeben, auch seine Familie sei ins Visier genommen worden. Die Stadtverwaltung stehe in engem Kontakt mit dem Staatsschutz der Polizei. Man wolle die Fälle prüfen und auch anzeigen. "Das Ausmaß des Hasses, das da auf einen einschlägt, das war wirklich erschreckend", sagt Horn der Badischen Zeitung.

Bei Instagram machte Horn Wahlkampf

Nicht zum ersten Mal sieht sich die Stadtverwaltung Angriffen im Internet ausgesetzt. Im Oktober 2016 hatte der afghanische Flüchtling Hussein K. die Studentin Maria Ladenburger vergewaltigt und ermordet. Horns Vorgänger Dieter Salomon erhielt daraufhin Hassmails. "Diese Erfahrung haben wir in unsere Bewertung einfließen lassen", sagt Sprecherin Lamersdorf.

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Horns Twitter-Profil wurde erst zum Amtsantritt im Juli dieses Jahres erstellt, Instagram aber hatte er bereits intensiv im Wahlkampf genutzt. Eine Beraterin, die inzwischen im Rathaus arbeitet, hatte eigens eine Social-Media-Strategie entwickelt. Von jeder Aktion gab es entweder ein Foto auf Facebook oder ein Video bei Instagram. "Ohne Social Media hätten wir den Wahlkampf nicht gewonnen", sagte der Fotograf Fionn Große nach dem Wahlsieg fudder.de. Von ihm hatte der Großteil der Aufnahmen gestammt.

Noch immer werden neue Kommentare unter Horns Stellungnahme veröffentlicht. "Er will auf diesen Kanälen präsent sein, deshalb werden sie sicherlich wieder aktiviert werden", so Lamersdorf. Der Zeitpunkt stehe allerdings nicht fest. Für den 22. November hatte er eigentlich eine Online-Sprechstunde bei Instagram angekündigt.

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