Kostenloser Nahverkehr

Freiburgs OB Salomon hält Gratis-ÖPNV für Schnapsidee

Joachim Röderer

Auch in Freiburg wird der Vorstoß der Bundesregierung für kostenlosen Nahverkehr sehr kritisch gesehen. Oberbürgermeister Dieter Salomon spricht von einer "totalen Schnapsidee".

Der Vorschlag sei unausgegoren. Auch deshalb habe Berlin schon wieder zurückgerudert. Wie Salomon verweist auch die Freiburger Verkehrs-AG darauf, dass vor einem Gratis-ÖPNV erst die Kapazitäten von Bussen und Bahnen erhöht und in die Infrastruktur investiert werden müsste.


Baden-Württembergs Bürgermeister sind sich einig

Der Freiburger Oberbürgermeister und Präsident des Städtetages Baden-Württemberg hatte am Donnerstag seine Städtetags-Vorstandskollegen zu Gast. Und die Oberbürgermeister und Bürgermeister seien sich in ihrem ablehnenden Urteil einig gewesen. Salomon sieht in dem Vorstoß "eine hilflose Aktion der geschäftsführenden Bundesregierung, um die EU-Kommission gnädig zu stimmen". Die Regierung steht unter Druck, weil in vielen Städten die Luft zu dreckig ist und über den EU-Grenzwerten liegt.

"Kostenloser Nahverkehr wäre schon schön, aber man muss auch die Voraussetzungen dafür schaffen" Hannes Linck, Verkehrsclub Deutschland
Allein in Freiburg würden der VAG rund 60 Millionen Euro an Ticketeinnahmen fehlen. In Mannheim wären es 80 Millionen Euro und in der Stadt Stuttgart 230 Millionen Euro. "Die Stadtbahnen sind doch jetzt schon voll", so Salomon. Der Frust wäre groß, wenn Nutzer auf den Nahverkehr umstiegen, dann aber dort keinen Platz fänden. Ähnliches habe der regionale Verbund RVF erlebt, als einst die Breisgau-S-Bahn im Elztal startete und anfangs den Ansturm nicht bewältigen konnte. Wenn kostenloser Nahverkehr komme, müssten erst die Kapazitäten erhöht und die Taktzeiten angepasst werden. Das kostet aber Geld. "Wenn die Bundesregierung grundsätzlich den ÖPNV finanzieren will, kann sie das gerne machen", so Salomon. Doch davon finde sich im Koalitionsvertrag kein Wort.

"Irgendwer muss es ja bezahlen"Andreas Hildebrandt, VAG

VAG sieht Finanzierungsproblem

Skepsis gibt es auch bei der Freiburger Verkehrs-AG (VAG). Unternehmenssprecher Andreas Hildebrandt will deshalb auch nicht von kostenlosem Nahverkehr reden: "Denn irgendwer muss es ja bezahlen. Fahrscheinloser ÖPNV wäre richtiger", findet er. Auch bei der VAG findet man, dass erst einmal die Voraussetzungen für einen leistungsfähigen ÖPNV geschaffen werden müssten. "Kostenloser Nahverkehr wäre schon schön, aber man muss auch die Voraussetzungen dafür schaffen", sagt auch Hannes Linck, regionaler Vorsitzender beim Verkehrsclub Deutschland (VCD).



Erst müsse ein Ausbau kommen – und den umweltschädlichen Verkehrsmitteln Flugzeug und Auto müssten die Subventionen gestrichen werden: "Dann wäre Geld da, das man in den ÖPNV stecken könnte."

Hannes Linck hält auf jeden Fall eine Verbilligung des ÖPNV für sinnvoll. Und er verweist auf die notwendigen Investitionen: "Wenn das Geld nicht so knapp wäre, könnten wir hier bei der Breisgau-S-Bahn im Freiburger Raum auch schon viel weiter sein." Die Summen, welche die Bundesregierung investiere, blieben seit Jahren gleich ohne Aussicht auf eine Verbesserung.

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