Proberaummangel

Freiburgs Musikerszene baut in Sachen Musikerhaus Druck auf

Anika Maldacker

Der Freiburger Verein Multicore fordert ein Musikerhaus, um den Proberaummangel der Stadt zu lindern: Die Planung geht ihm zu langsam. Nachdem ein Investor raus ist, soll die Stadt die Kosten tragen.

Musikerhaus, Musikzentrale, Multifunktionsgebäude: Viele Namen für eine alte Idee – und die nur langsam voran kommt: Vor mehr als einem Jahr stellte der Verein Multicore einen Entwurf für ein Musikerhaus auf dem Güterbahnhofareal vor. Auch OB Martin Horn hatte die Wichtigkeit des Projekts im Wahlkampf betont. Freiburgs Popbeauftragter Tilo Buchholz spricht sich ebenfalls für ein Musikerhaus ein. Eine konkrete Fläche war damals schon im Gespräch: Ein Grundstück zwischen Lokhalle und Neunlindenstraße. In dem Haus sollten 40 Proberäume, ein Tonstudio, ein Club mit kleiner Bühne und ein großer Veranstaltungsraum für 400 Menschen realisiert werden, um Freiburgs Musikerszene zu vernetzen – so stellt es sich Multicore vor. Dem Verein geht das Prozedere nun zu lange. Mit einer Kundgebung am Samstag am Zollhallenplatz soll der Forderung Nachdruck verliehen werden. Nach Livemusik von Freiburger Bands wird ab 17.15 Uhr auf einem Open-Air-Podium diskutiert. Mit dabei ist neben Vertretern von Multicore, der IG Subkultur, dem Popbeauftragten Tilo Buchholz, dem Bürgerverein Brühl-Beurbarung auch Baubürgermeister Martin Haag.


"Wir wollen nicht warten, bis das Quartier vollkommen bebaut ist", sagt Markus Schillberg vom Verein. 2018 hat Multicore seinen Entwurf für ein Musikerhaus vorgestellt. Damals habe es mehrere Gespräche mit Verwaltung, FWTM, Bürgervereinen und Fraktionen gegeben, in diesem Jahr noch keine Treffen. Bis Oktober habe Multicore noch Gespräche mit einem Privatinvestor geführt, der bereit gewesen wäre, das Musikerhaus zu bauen. Der Freiburger Investor, der schon am Güterbahnhofareal investiert hat, sei nun nicht mehr beteiligt. Der Grund laut Multicore: Der anvisierte Mietpreis wäre mit 15 bis 17 Euro pro Quadratmeter zu teuer gewesen. "Das sind Wohnungspreise", sagt Multicore-Vorstand Franck Mitaine.

Die Finanzierung des Projekts ist noch offen

Im Rathaus ist das Projekt auf der Agenda: "Der Bau eines so genannten Multifunktionshauses ist noch geplant", teilt Rathaussprecherin Martina Schickle mit. Der Popbeauftragte Tilo Buchholz erklärt den langsamen Fortschritt so: "Dass in 2019 noch keine weitere gemeinsame Besprechung stattgefunden hat, liegt daran, dass es verwaltungsinternen Klärungsbedarf gab und gibt, speziell, was die Kosten eines möglichen Neubaus betrifft."

Das infrage kommende Grundstück, das wie das ganze Güterbahnhofgelände dem Immobilienunternehmen Aurelis gehört, muss einen quartiersbezogenen Zweck erfüllen. Die Stadt hat ein Zugriffsrecht darauf. Daher soll die geplante Musikzentrale auch vom Bürgerverein Brühl-Beurbarung mitgenutzt werden. "Uns wurde ein Bolzplatz und Räume für soziales Engagement zugesagt", sagt Gerald Radziwill vom Vorstand des Bürgervereins. Der Bolzplatz solle auf das Dach des Gebäudes. Beides sind alte Forderungen von Bürgerverein und Stadtteil- und Jugendtreff.

Die Frage der Finanzierung muss nun neu beantwortet werden. Multicore will die Stadt als Bauherrin. Im städtischen Haushalt seien aber keine Mittel für den Bau des Gebäudes eingestellt, teilt Schickle mit. Auch der Gemeinderat hat in der Sache noch nichts entschieden. "Aber wir rechnen damit, dass wir da eine Mehrheit bekommen könnten", sagt Schillberg. Die Jupi-Fraktion (5 Sitze) und die Grünen-Fraktion (13 Sitze) begrüßen die Kundgebung und stellten am Donnerstag eine interfraktionelle Anfrage zum Sachstand. "Kulturförderung ist eine kommunale Aufgabe, dazu gehört die Pop und Subkultur" sagt Sergio Schmidt, Vorsitzender der Jupi-Fraktion.

5,5 Millionen – oder mehr für das Musikerhaus

Im Doppelhaushalt 2019/2020, der Rekordinvestitionen und eine hohe Verschuldung vorsieht, taucht das Musikerhaus nicht auf. Würde es realisiert werden, würde es zum Millionenprojekt. Im vergangenen Jahr sprach Multicore von 5,5 Millionen Euro. "Es könnte aber auch mehr werden", sagt Schillberg.

Bis zum Abriss 2014 gab es auf dem Güterbahnhofareal rund 75 Proberäume. Einen davon nutzte der 34-jährige Freiburger Ben Krahl, der heute Teil der Band Äl Jawala ist und in seiner eigenen Formation Bensnburner musiziert. "Bis 2014 habe ich mehrere Jahre unter anderem mit der Band Pigeon Toe in einem kleinen Haus geprobt", sagt Krahl. In dem kleinen Haus in der Eugen-Martin-Straße hätten mehrere Freiburger Bands geprobt. Nach dem Abriss 2014 hätten seine damalige Band und er in Kollnau Proberäume gefunden. Für zwei Mitglieder, die dort wohnten, nicht unpraktisch. Aber: "Es war eine riesige Umstellung zum Musizieren rauszufahren", sagt Krahl. Die Band existiert nun nicht mehr. Mit Äl Jawala probt Krahl nun in der Wiesentalstraße in einem alten Gebäudekomplex, aber auch da droht ihm wieder eine Suche nach Räumen: "Es gibt schon Gerüchte, dass das Gebäude abgerissen werden soll".

Bis zum Abriss 2014 waren am Güterbahnhof rund 75 Proberäume. Finanziert die Stadt das Projekt nicht, hat Multicore einen Plan B: Dann könnte das Mietshäuser Syndikat als Träger fungieren.
  • Was: Kundgebung am Güterbahnhof: Ein Zentrum für Musik und Stadtteil
  • Wo: Zollhallenplatz, Freiburg
  • Wann: Samstag, 28.9. 14 bis 20 Uhr, Podiumsdiskussion ab 17.15 Uhr

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