Halbfinale der Fußball-WM

Freiburgs Kroaten sind im WM-Fieber – und gucken in einer Kneipe im Stühlinger

Anika Maldacker

Wenn sich Kroatien am Mittwochabend im Halbfinale gegen England beweisen muss, fiebern in einer Stühlinger Bar die Fans mit. Treffpunkt für viele Kroaten ist die Leonardo Bar in der Hugstetter Straße.

Das WM-Fieber ist in Freiburg noch nicht vorbei. "Erst wenn Kroatien aus der Weltmeisterschaft ausgeschieden ist, wird es in Freiburg leise", sagt Leonardo Miocevic. Der 43-Jährige betreibt die Leonardo Bar in der Hugstetter Straße. Das Lokal ist Treffpunkt für rund 4000 Kroaten in und um Freiburg. Von dort starteten schon einige Autokorso durch die Innenstadt. An diesem Mittwoch fiebern die Kroaten beim Halbfinale gegen England mit ihrer Mannschaft mit.


Nach dem Viertelfinale ging die Fahnen-Deko im Freudentaumel verloren

Bis vergangenen Samstag wehten an der Leonardo Bar im Stühlinger noch kroatische Flaggen. Nach dem Viertelfinale Kroatien gegen Russland waren alle weg. Mindestens zehn Flaggen kamen dem Barbetreiber abhanden. "In der Feierei wurden sie abgehängt, durch die Luft geschwungen und als Umhang benutzt", sagt Leonardo Miocevic und lacht. Es ärgert ihn nicht. Dafür freut sich der Kroate zu sehr, dass sein Heimatland im Halbfinale steht. Er und sein Sohn Antonio Miocevic organisieren bis zum Anpfiff um 20 Uhr neue Flaggen. Schwierig, sagen sie, denn die rot-weiß-blauen Fahnen sind derzeit beliebt.

In der Leonardo Bar treffen sich Serben, Bosnier und Kroaten. An den Wänden kroatische Flaggen, in der Ecke eine offizielle WM-Trainingsjacke der kroatischen Mannschaft aus dem Jahr 1998. Damals errang das noch junge Land, das 1991 unabhängig wurde, seinen ersten Erfolg: Platz drei bei der WM in Frankreich. An diesen Erfolg konnte das Balkanland seither nicht mehr anknüpfen – bis jetzt. Die kroatischen Fans haben Hoffnung geschöpft. Der Sprung ins Finale ist nicht weit. "Vor England haben wir keine Angst", sagt Miocevic. Und selbst wenn es gegen England nicht klappen sollte, sind die kroatischen Fans stolz auf ihre Mannschaft. "Wir sind mit 4,2 Millionen Einwohner ein sehr kleines Land", sagt Antonio Miocevic. Es werde einiges an Aufwand in die Jugendarbeit gesteckt, doch die Profi-Fußballer spielten in ausländischen Vereinen.

Bereit für den Autokorso

Die Stars Luka Modric und Ivan Rakitic, beide im Mittelfeld, kicken bei Real Madrid und dem FC Barcelona. "Auch der Trainer Zlatko Dalic ist sehr gut", sagt Leonardo Miosevic. Er habe den Zusammenhalt des Teams gefördert, obwohl er erst 2017 Trainer wurde.

Auch der jüngste Vorfall nach dem Viertelfinale war Thema bei den kroatischen Fußballfans. Spieler Domagoj Vida und Teambetreuer Ognjen Vukojevic hatten nach dem Sieg eine Videobotschaft veröffentlicht, in der sie den Sieg über Russland der Ukraine widmeten. Ergebnis: Vida wurde verwarnt, Vukojevic musste die WM verlassen. "Fußball und Politik sollten getrennt bleiben", sagt Leonardo Miosevic. Da seien sich in seinem Freundeskreis alle einig gewesen.

Sollte Kroatien ins Finale einziehen, wäre die Bar sicherlich kurz nach Abpfiff leer, sagt Miocevic. Denn dann stürmen alle zu ihren Autos – für den Autokorso Richtung Siegesdenkmal. Wenn nicht, wird es in Freiburg wieder ruhiger.