Freiburgs junge Gemeinderäte: So waren die ersten zwei Jahre von Simon Waldenspuhl (PARTEI)

Marie Schächtele

Halbzeit im Freiburger Gemeinderat: Seit zwei Jahren sind die Mitglieder im Amt. Wir haben mit fünf jungen Räten über ihre Erfahrungen gesprochen. Heut im Interview: Simon Waldenspuhl, 27, Die PARTEI.


Mein wichtigstes kommunalpolitisches Thema war...

Wir haben natürlich als PARTEI diverse kommunalpolitische Ziele formuliert und ich habe versucht, sie nach bestem Gewissen zu vertreten.

Gelernt habe ich in diesen zwei Jahren...

… dass Berühmtsein und Macht etwas sehr Schönes ist. Ich habe gelernt, dass es in Freiburg noch möglich ist, etwas zu verändern. Außerdem habe ich den kommunalpolitischen Betrieb kennengelernt, den ich vorher noch nicht kannte. Das war sehr interessant. Ich bin gespannt, was ich da weiterhin noch für Erfahrungen machen werde.

Lehrgeld bezahlt habe ich, als...

Es ist spannend, wie Satire ankommt und wie sie auch nicht ankommt. Nach den Charlie Hebdo-Attentaten haben sich viele für Satire als politische Form der Auseinandersetzung eingesetzt. Aber ich erfahre immer wieder, dass ein Dualismus aufgemacht wird zwischen: Macht er ernsthafte Politik oder macht er nur Quatsch? Zuletzt, als es um den JVA-Beirat ging, in den ich nicht hineingekommen bin.

Es hieß: "Der Waldenspuhl macht ja keine ernsthafte Politik! Wir können nicht erkennen, dass er ernsthaft daran interessiert wäre oder ernsthaft Interesse an der Politik zeigt". In dieser Sache wurde dann OB Salomon befragt und meinte, Ernst kann er ja viel besser als Spaß.

Ich bin der Meinung, dass die PARTEI sehr ernsthafte Politik macht, dass die PARTEI auch eine sehr wichtige Politik macht, weil sie im ersten Moment nur kritisiert. Es ist eine Fähigkeit, die dem politischen Betrieb verlorengegangen ist, dass man einfach mal das Recht hat, zu kritisieren und nicht immer gleich sagen muss, wie man etwas besser macht oder was dann besser ist. Meine satirischen Beiträge werden immer wahrgenommen, als wäre es völliger Quatsch, den ich da mache. Die Beiträge anderer Menschen kann ich oft auch nicht ernst nehmen. Bei der Satire läuft das aber auf einer anderen Ebene.

Ich hätte nicht gedacht, dass...

… es gibt nichts, was mir spontan einfällt, was ich richtig überraschend finde.

In den nächsten zwölf Monaten werde ich mich besonders … widmen:

Wir sind als Fraktion auf jeden Fall bei der Kampagne dabei, wo es um eine sozialere Stadtbau, um sozialen Wohnungsbau geht. Außerdem werden uns auf jeden Fall dem Clubsterben annehmen, also der Subkultur in Freiburg. Dazu gehört auch das Nachtleben, das in der Krise ist. Viele Probleme des Nachtlebens werden seit Jahren nicht bearbeitet, dabei ist das Nachtleben für viele Menschen sehr integraler Bestandteil des Lebens. Ich finde, Wertschätzung und Aufmerksamkeit im Gemeinderat und in der Stadtverwaltung dafür könnte größer sein.

Ich habe das Vertrauen meiner Wähler nicht enttäuscht, weil...

Ich habe die Aufgabe, das Vertrauen meiner Wähler zu enttäuschen, denn wenn ich es nicht tun würde, würden die Wähler das exklusive Gefühlserlebnis, das die meisten Wähler heute in der politischen Kultur einfach fühlen, missen. Das wäre sehr schade.

Wo soll das neue ArTik hin?

Ich würde mich freuen, wenn es klappen würde, dass das ArTik bei der Schmitz Katze reinkommt. Denn als Ort für Subkultur passt meiner Meinung nach Schmitz Katze besser als das ADAC-Gebäude. Ich weiß aber nicht, wie es mit der Schmitz Katze weitergeht. Das war ein verwirrendes Hin und Her. Wenn es mit der Schmitz Katze nicht klappen sollte, dann wird es wohl oder übel das ADAC-Gebäude werden. Irgendeinen Ort brauchen wir. Ich finde das ADAC-Gebäude aber nicht ideal für Jugendsubkultur.
Simon Waldenspuhl, 27, macht eine Ausbildung zum Veranstaltungskaufmann beim Studentenwerk. Er will das Münster durch ein Stadion ersetzen. Er will eine Mauer um das Vauban bauen. Er setzt sich für Fracking auf Kleingärtneranlagen ein, damit Freiburg energiepolitisch unabhängig wird. Bei der nächsten Bürgermeisterwahl will sich Waldenspuhl als Kandidat aufstellen lassen. Er setzt sich zudem gegen den Aufstieg der neuen Rechten ein. PARTEI-Vorsitzenden Martin Sonneborn hat er noch nie getroffen. "Wir haben uns immer verpasst! Aber eines Tages werde ich ihn schon mal treffen. Ich werde mich sehr freuen."