Freiburgs junge Gemeinderäte: So waren die ersten zwei Jahre von Julia Söhne (SPD)

Marie Schächtele

Halbzeit im Freiburger Gemeinderat: Seit zwei Jahren sind die Mitglieder im Amt. Wir haben mit fünf jungen Räten über ihre Erfahrungen gesprochen. Heute im Interview: Julia Söhne, 22, SPD.


Mein wichtigstes kommunalpolitisches Thema war...

… der Wohnungsbau für meine Fraktion im gesamten und für mich persönlich in letzter Zeit das ArTik, also die Suche nach neuen Räumen für das ArTik, die sich zu einer Debatte über Freiräume in Freiburg generell entwickelt hat. Das ArTik ist ein Projekt, das mir wahnsinnig am Herzen liegt, weil ich dort selber groß geworden bin und dort politisiert wurde. Die Raumsuche hat meine letzten Monate dominiert. Wir mussten uns viel mit den anderen Fraktionen abstimmen. Mit der CDU und den Grünen waren wir lange anderer Meinung und haben viel gestritten. Ich finde, was Jugendkultur in Freiburg angeht, ist das ArTik das Projekt, das es zu unterstützen gilt.

Gelernt habe ich in diesen zwei Jahren...

… einmal, dass Prozesse oftmals langsamer dauern, als man denkt. Dass es unheimlich viel an Sitzungen, Gremienarbeit, Antragsbesprechungen und Mehrheitssuche braucht, bis am Ende ein Ergebnis steht. Ich habe aber auch gelernt, wie vielfältig Freiburg ist. Es ist ein Privileg, im Gemeinderat sein zu dürfen. Man bekommt dort so viele Vereine, Kultureinrichtungen oder soziale Initiativen mit, die man sonst gar nicht in der Breite wahrnehmen würde, zum Beispiel wenn die Vereine und Initiativen bei uns ihre Anträge auf Finanzierung stellen.

Lehrgeld bezahlt habe ich, als...

… ich einmal im Trainingsanzug zu einem Termin gegangen bin, weil ich danach kicken gehen wollte. Es war ein kulturgeschichtlicher Termin. Alle haben mich blöd angeschaut. Das war so peinlich und ich habe gemerkt: Auch, was man anhat und wie man auftritt, ist wichtig.

Außerdem habe ich einmal in der ArTik-Debatte im Hauptausschuss die volle Härte der Regierungsbank, gerade auch von Bürgermeisterin Stuchlik, abbekommen, als wir unterschiedlicher Meinung waren. Es ging darum, dass mir die 900.000 Euro, die für den Umbau des ADAC-Gebäudes für die Nutzung des ArTik veranschlagt wurden, zu hoch vorkamen. Ich wollte das Gegenteil beweisen. Ich kenne mich baurechtlich gesehen nicht aus, war mir aber ganz sicher, dass die 900.000 Euro zu viel waren und ich wollte, dass das im Ausschuss gesagt wird. Da habe ich aber die Erfahrung machen müssen, dass es manchmal besser ist, sich zurückzuhalten, gerade, wenn man noch nicht über Expertenwissen verfügt.

Ich hätte nicht gedacht, dass...

… so viele Leute wahrnehmen, dass ich im Gemeinderat bin und dass das so einen großen Einfluss auf mein Privatleben hat. Auf WG-Partys wurde ich angesprochen: "Bist du nicht die Gemeinderätin?" Und ich hätte nicht gedacht, dass wir im Gemeinderat soviel erreichen können. Man kann echt viel beeinflussen und mitmachen.

In den nächsten zwölf Monaten werde ich mich besonders … widmen:

Als Fraktion werden wir der Verwaltung weiterhin Beine machen, was geförderten Mietwohnraum angeht. Da bewegt sich gerade zu wenig von Seiten der Verwaltung, obwohl sich da etwas verändern muss. Dann geht es jetzt um die Integration der Flüchtlinge. Da will ich besonders die jugendpolitische Perspektive einbringen. Außerdem habe ich gerade eine Niederlage erlebt, weil die Kita-Beiträge erhöht wurden. Jetzt möchte ich mich in der Haushaltsplanung dafür einsetzen, dass junge Familien mehr entlastet werden, sei es bei den Kita-Beiträgen oder bei den Schwimmbadpreisen, die auch erhöht werden sollen.

Ich habe das Vertrauen meiner Wähler nicht enttäuscht, weil...

… ich die Zusagen, die ich im Wahlkampf gemacht habe, gehalten habe, dass ich gegen den Kommunalen Ordnungsdienst sein werde, dass ich für ein Sozialticket bin, dass ich mich für geförderten Mietwohnraum engagieren und mich für die Jugendlichen in Freiburg einsetzen werde.

Unsere ganze Fraktion war mit allem ziemlich erfolgreich, vor allem, was Wohnraumpolitik angeht. Das Sozialticket ist eingeführt worden, eine wichtige Forderung von uns. Die großen Entscheidungen sind also alle so ausgefallen, wie ich sie mir gewünscht habe. Ich hoffe, dass ich immer ein offenes Ohr hatte. Ich war viel unterwegs, an Schulen, im Achterrat oder mit dem Jugendbüro, um von jungen Freiburgern zu erfahren, was sie umtreibt und habe immer mit besten Kräften versucht, das in meine Fraktion und in den Gemeinderat einzubringen.

Wo soll das neue ArTik hin?

Auf das Gelände in der Haslacher Straße, neben Schmitz Katze. Das Gelände wird gerade geprüft, es gibt Begehungen, Konzepte werden entwickelt. Es sieht ganz gut aus! Die Verwaltung wurde beauftragt, etwa zur zweiten Gemeinderatsitzung, so im Oktober, vorzulegen, wie das aussehen kann und wie hoch die Kosten sein würden und ich hoffe, dass wir dann einen positiven Beschluss fällen können.
Julia Söhne ist 22 Jahre alt, studiert Politik und Geschichte und ist SPD-Gemeinderätin. Gemeinderätin zu sein, macht ihr Spaß. Wenn ihre Partei sie wieder aufstellt und je nachdem, wie es dann bei ihr mit dem Studium aussieht, hätte sie große Lust, 2019 wieder für den Rat zu kandidieren. Wenn man mit ihr Stammtisch machen will, kann man sie in der Schachtel oder im Café Hermann treffen.