Freiburgs junge Gemeinderäte: So waren die ersten zwei Jahre von David Vaulont (Grüne)

Marie Schächtele

Halbzeit im Freiburger Gemeinderat: Seit zwei Jahren sind die Mitglieder im Amt. Wir haben mit fünf jungen Räten über ihre Erfahrungen gesprochen. Heut im Interview: David Vaulont, 28, Grüne.


Mein wichtigstes kommunalpolitisches Thema war...

… das Thema SC-Stadion. Am Anfang meiner Zeit als Gemeinderat stand gleich der Bürgerentscheidswahlkampf. Das Ergebnis hinterher hätten die allerwenigstens in der Deutlichkeit erwartet. Jetzt sind die großen Weichenstellungen gemacht.

Fritz Keller, der Präsident des SC, sagte zwar neulich, man habe durch den Bürgerentscheid ungefähr ein Jahr verloren – das glaube ich aber nicht. Untersuchungen in der Schweiz zeigen, dass die Bürgerbeteiligung eher Vorteile bringt. Wenn Bürger über Großprojekte entscheiden können und dem zustimmen, dann ist die Legitimität des Vorhabens sehr viel höher. Die Zahl der Klagen nimmt dagegen deutlich ab.

Ich glaube, dass man im weiteren Verlauf des Verfahrens Zeit einspart. Einige Kritiker haben zwar schon angekündigt, dass sie trotz Bürgerentscheids klagen werden. Ich glaube aber, die Zahl der Klagen wäre ohne Bürgerentscheid deutlich höher.

Gelernt habe ich in diesen zwei Jahren...

… sehr viel Inhaltliches. Man muss sich auf einmal auch mit den Themen auseinandersetzen, die man noch nicht beachtet hat. Das können ökologische Aspekte oder Lärmaspekte bei Bauprojekten sein, mit denen man sich jetzt in der Tiefe befassen muss. Es geht manchmal sehr ins Detail im Gemeinderat.

Lehrgeld bezahlt habe ich, als ...

Die Gemeinderatssitzungen sind manchmal echt anstrengend. Wir behandeln die Themen aus dem Gemeinderat vorher in den Ausschüssen und wenn ein Thema, das in der Gemeinderatssitzung besprochen wird, im eigenen fachlichen Bereich liegt, hat man das schon diskutiert – manchmal mehrfach.

In der Gemeinderatssitzung dann reden aber manche sehr lange über das Thema, obwohl man genau weiß, wie sie positioniert sind und obwohl sie wissen, wie man selbst positioniert ist. Im Gemeinderat stimmt man keinen mehr um. Die Gemeinderatssitzung ist letztendlich eine Showveranstaltung. Ich habe noch keine Antwort darauf, wie Gemeinderatssitzungen interessanter werden könnten.

Ich hätte nicht gedacht, dass...

… die Arbeit für den Gemeinderat so zeitaufwendig ist. Im Vorhinein habe ich immer wieder gehört, dass die Tätigkeit im Gemeinderat sehr viel Arbeit mit sich bringt. Aber erst, wenn man Gemeinderat ist, merkt man, wie viel Arbeit damit wirklich verbunden ist. Zudem hätte ich nicht gedacht, dass die Geschwindigkeit der Arbeit so hoch ist. Die Themen wechseln sehr häufig und man muss sich sehr schnell in verschiedene Themen einarbeiten. Diese Geschwindigkeit macht es manchmal schwer, ausreichend intensiv nachzudenken.

Vor einiger Zeit wurde im Gemeinderat ja der Beschluss gefasst, dass 50% aller Wohnungen, die neu gebaut werden, geförderte Mietwohnungen sein müssen. Das war sehr umstritten und wurde mit einer Stimme Mehrheit entschieden. Ich war dagegen. Wir sind uns, wie ich glaube, alle im Gemeinderat im Ziel einig, dass wir günstigen Wohnraum schaffen wollen.

Die Frage ist nur, wie der Weg dahin ist. Hätten wir an der Stelle mehr Ressourcen für eine intensive Recherche und den Vergleich mit anderen Städten gehabt, hätten wir noch ein anderes Konzept finden können, eine andere Lösung, die dann auch nicht diese knappe Entscheidung gebracht hätte. Im Gemeinderat bleibt zu wenig Zeit für ausführliche Konzepte.

In den nächsten zwölf Monaten werde ich mich besonders … widmen:

Ich werde mich besonders der Wohnungspolitik und Stadtentwicklung widmen. Also der Frage, wo man in Freiburg neue Wohnungen errichten kann. Als Grüne haben wir den Anspruch, dass der Flächenverbrauch abnimmt. Hier in Freiburg haben wir viele Flächen, die Schutzgebiete sind: Naturschutz-, Vogelschutz- und Landschaftsschutzgebiete. Dann haben wir Gebiete, für die ein gesellschaftlicher Konsens gilt, dass man die nicht bebauen möchte, zum Beispiel die Hänge der Berge rund um Freiburg. Wir müssen darüber nachdenken, wie man mit den wenigen Flächen, die es in Freiburg gibt, umgeht. Bebaut man sie und wenn ja, in welchem Umfang?

Was jetzt außerdem ansteht, ist das Thema Haushalt und Finanzen. Ab Ende des Jahres wird der neue Haushaltsentwurf eingebracht und dann werden die Haushaltsberatungen losgehen. Das macht man immer alle zwei Jahre für zwei Jahre. Genaue Zahlen kennen wir noch nicht, aber was schon bekannt ist, ist, dass es auf jeden Fall ein deutliches Minus geben wird und Geld eingespart werden muss.

Ich habe das Vertrauen meiner Wähler nicht enttäuscht, weil...

… wir als Fraktion mit dem SC-Stadion so erfolgreich waren. Wir haben ja vor der Gemeinderatswahl klargestellt, dass wir für das neue SC-Stadion sind. Als einzige der großen Fraktionen waren wir geschlossen dafür. Ich habe mich im Wahlkampf sehr dafür engagiert und das hat erfolgreich geklappt. Jetzt geht es darum, das weiter zu begleiten.

Wo soll das neue ArTik hin?

Ein sehr emotionales Thema. Ich denke sogar, dass es an manchen Stellen zu emotional aufgeladen ist, was eine Einigung nicht unbedingt einfach macht. Das ADAC-Gebäude bringt enorme Einschränkungen für das ArTik mit sich.

Laute Veranstaltungen sind dort nicht möglich. Der Keller ist nicht groß genug, um Partys zu veranstalten, deshalb müssen Veranstaltungen oberirdisch stattfinden. Die können aber nicht so laut sein, weil ein Altenheim in der Nähe ist. Ich bin für das E-Werk. Für das E-Werk wäre das ArTik eine Bereicherung. Aber auch eine zunächst zeitlich begrenzte Nutzung eines Gebäudes verbunden mit der Schaffung eines Neubaus könnte ich mir vorstellen.

Ich finde, das ArTik versteift sich auf das ADAC-Gebäude. Kommt dazu, dass man in das ADAC-Gebäude einen größeren Geldbetrag investieren müsste, um es umzubauen. Gleichzeitig kann das ArTik dort nur fünf bis zehn Jahre bleiben. Zu den Kosten für den Umbau kommt die Miete. Im Falle des SÜDUFER hat die Stadt schon gezeigt, dass sie in einer finanziellen Größenordnung, wie sie auch für das ArTik nötig wäre, Räume bauen kann.
David Vaulont, 28 Jahre alt, hat eine 75 Prozent-Stelle als Rechtsanwalt und arbeitet trotzdem 15 bis 20 Stunden pro Woche für den Gemeinderat. Er findet es gar nicht schlimm, dass er Freiburg nach dem Abi nicht verlassen hat. Damals wusste er schon, dass er Jura studieren will und Freiburg dafür geeignet ist. In der WG eines Freunds, der schon studierte, wurde ein Zimmer frei. Damit war die Entscheidung getroffen. David plant, weiterhin in Freiburg zu bleiben.