Freiburgs junge Gemeinderäte: So waren die ersten zwei Jahre von Carolin Jenkner (CDU)

Marie Schächtele

Halbzeit im Freiburger Gemeinderat: Seit zwei Jahren sind die Mitglieder im Amt. Wir haben mit fünf jungen Räten über ihre Erfahrungen gesprochen. Heute im Interview: Carolin Jenkner, 30, CDU.


Mein wichtigstes kommunalpolitisches Thema war...

… das Thema Wohnen. Wir haben das Handlungsprogramm Wohnen auf den Weg gebracht und uns für eine Wohnbedarfsanalyse ausgesprochen, die durchgeführt wurde. In der Wohnbedarfsanalyse wurde untersucht, wie viele Wohnungen wir in Freiburg bis 2030 brauchen werden.

Heraus kam, dass wir mit 1.200 Wohnungen pro Jahr rechnen müssen. Der neue Stadtteil auf dem Dietenbachareal ist da schon einberechnet. Eine Riesenherausforderung! Jetzt sind wir auf der Suche nach Flächen, die bebaut werden können. Deswegen haben wir jetzt nach und nach immer neue Flächen vorgeschlagen bekommen.

Es waren oft keine leichten Entscheidungen, die wir treffen mussten. Wir haben zum Beispiel beschlossen, dass auf dem Gelände der Kleingärten beim Technischen Rathaus gebaut werden soll.

Das ist eine der ersten sehr, sehr schwierigen Entscheidungen gewesen, weil da konkret für eine Gruppe Nachteile entstehen, nämlich die Besitzer der Gärten. Aber als Gemeinderätin muss man trotzdem alle Möglichkeiten abwägen und sich für die Möglichkeit entscheiden, von der man glaubt, dass es die richtige Entscheidung für die gesamte Stadt ist.

Gelernt habe ich in diesen zwei Jahren...

Vor allem habe ich Freiburg nochmal ganz anders und viel intensiver kennengelernt. Wenn man hier lebt, bekommt man die Bereiche mit, in denen man selbst verkehrt, zum Beispiel die Vereine, denen man sich angeschlossen hat. Aber an uns Gemeinderäte werden die Bedürfnisse und Belange der ganzen Stadt herangetragen.

Es passiert soviel mehr um einen herum, von dem man gar nichts weiß. Zum Beispiel in den vielen sozialen Einrichtungen wie Beratungsstellen, in den Sportvereinen oder im kulturellen Bereich. Ich bin ja kulturpolitische Sprecherin der CDU und habe über meine Arbeit erfahren, dass es hier 130 freie Theater gibt. So etwas mitzubekommen und die vielen Freiburger Akteure kennenzulernen, hat mich sehr bereichert.

Lehrgeld bezahlt habe ich, als...

Ich bekam mit vielen neuen Themen zu tun. Ich glaube, man wird besser darin, sich schnell Dinge anzueignen. Ich wurde sehr gut aufgenommen und habe viel Unterstützung von denen bekommen, die schon erfahrener sind. Es ist natürlich ein Vorteil, in einer großen Fraktion zu sein so wie der CDU-Fraktion. Ich bin von großen Fehlern verschont geblieben. Und trotzdem merke ich, dass ich eine große Verantwortung habe.

Ich hätte nicht gedacht, dass...

… so viele Entscheidungen so schnell auch sichtbare Ergebnisse bringen. Das finde ich in der Kommunalpolitik wirklich etwas Besonderes. Man denkt ja immer, wenn man Politik macht, diskutiert man etwas und dann dauert es ewig, bis sich wirklich etwas verändert. In den zwei Jahren, in denen ich im Gemeinderat sitze, haben wir schon über vieles diskutiert: die Straßenbahnlinien über den Platz der Alten Synagoge oder die Umgestaltung vom Siegesdenkmal. Und das wird gerade alles gebaut. Das heißt, man sieht, wie sich die Dinge verändern. Alles ist sehr mittelbar. Es geht doch schneller als man denkt.

In den nächsten zwölf Monaten werde ich mich besonders … widmen:

Die Haushaltsplanung geht jetzt los. Alle großen Ausgaben, die in den nächsten zwei Jahren anstehen, werden dann schon geplant. Die Verwaltung macht zuerst einen Vorschlag über kommende Straßensanierungen, Schulsanierungen und Neubauvorhaben und dann können wir in die Planung einsteigen. Das ist unsere Hauptgestaltungsmöglichkeit als Gemeinderäte.

Wir werden mit ganz vielen Leuten sprechen, die Anträge auf Zuschüsse gestellt haben und die Projekte diskutieren, die schon in der Planung drinstehen. Ich hoffe, dass wir einen einigermaßen ausgeglichenen Haushalt, der ohne neue Schulden auskommt, aufstellen können. Zwischen März und Mai wird der Haushalt wahrscheinlich verabschiedet.

Ich habe das Vertrauen meiner Wähler nicht enttäuscht, weil...

… ich versucht habe, mich so gut wie möglich für die Dinge einzusetzen, die ich angekündigt habe. Ich habe zugesagt, dass ich mich für den Kommunalen Ordnungsdienst einsetzen werde. Der wurde leider direkt nachdem ich gewählt wurde wieder abgeschafft. Wir waren aber ja mit dem Handlungsprogramm Wohnen erfolgreich. Wir haben große Schulsanierungsprojekte vorangebracht. Die Adolf-Reichwein-Schule wird nun saniert. Die Sanierung der Staudinger-Schule wird jetzt umgesetzt – das größte Sanierungsprojekt. Wir haben uns lange für die Raumsuche für das ArTik eingesetzt und sind da jetzt auch auf einem ganz guten Weg für eine Lösung.

Wo soll das neue ArTik hin?

Wir haben uns in der letzten Sitzung vor der Sommerpause mehrheitlich dafür entschieden, dass wir das Schmitz Katze prüfen. Ich finde, dass die Räumlichkeiten dort gut für das ArTik geeignet sind. Ich konnte mir auch einen Neubau auf der Fläche an der Fahrradbrücke gut vorstellen, die zur Debatte stand, weil auch diese Fläche zentral gelegen ist, aber natürlich dauert so ein Neubau deutlich länger.

Ich war kein Fan vom ADAC-Gebäude, weil dort aufgrund brandschutzrechtlicher und lärmschutzrechtlicher Vorgaben viele Nutzungsmöglichkeiten, die ich für ein Jugendzentrum sehr wichtig finde, nicht möglich gewesen wären. Man hätte keine großen Veranstaltungen machen können, man hätte keine Partys machen können. Ich finde auch alle anderen Aspekte vom ArTik sehr wichtig, aber das gehört für mich einfach zur Jugendkultur dazu.

Wenn die nächste ArTik-Generation gerne House-Partys veranstalten möchte, weil es eine große Szene von Jung-DJs gibt, dann wäre das dort nicht gegangen. Das Schmitz Katze bietet eine breite Nutzungsmöglichkeit für die sehr vielfältigen Bedarfe des ArTik – es muss möglich sein, dass es bei Partys mal laut wird. Man muss aber auch Gruppenräume haben. Wir haben lange gesucht. Ich hoffe, dass das jetzt klappt.
Carolin Jenkner, 30, arbeitet als Biometrikerin im Studienzentrum der Uniklinik. Außerdem promoviert sie. Ob ihr in der CDU-Fraktion weniger Respekt entgegengebracht wurde, weil sie so jung ist und Frau? "Ich hatte da am Anfang schon ein bisschen Bedenken. Aufgrund meines Alters und als einzige Frau hatte ich eine Außenseiterrolle. Aber die anderen haben das gar nicht so gesehen. Ich habe nie den Eindruck gehabt, dass ich nicht ernst genommen werde oder Vorschläge direkt abgeschmettert werden. Ich habe immer eine Diskussion auf Augenhöhe erlebt und zudem eine sehr unterstützende." Carolins Lieblingsorte sind der Stühlinger Kirchplatz samstags beim Markt und die Dachterrasse der Radstation.