Freiburgs jüngster Gastronom

Gina Kutkat

Hat er seinen Weg wirklich gefunden? Der 22-jährige Freiburger Leonid Fliegauf ist der neue Pächter des Bettelstudent in der Moltkestraße und trägt von nun an ein großes Stück Verantwortung. Ob er sich für diesen Job reif fühlt, welche Pläne er hat und wie er zu seinem Job als Wirt kam, verriet er fudder-Autorin Gina.



Die Entscheidung

"Ich habe schon einen guten Monat über das Angebot nachgedacht", gesteht Leonid Fliegauf (Bild unten), frisch gebackener Pächter des "Bettelstudent" und wahrscheinlich Freiburgs jüngster Gastronom. Sein Bauchgefühl und seine Mutter waren die wichtigsten Berater zu diesem Schritt. Schließlich war es Leonids Mutter, die vor vielen Jahren Geschäftsführerin des "Weissen Bären" gewesen ist, dem Vorgängerlokal des Bettelstudenten.

"Hier haben sich meine Eltern auch kennengelernt", erzählt Leonid die Geschichte. Ohne dieses Lokal würde es ihn also gar nicht geben. Dass er mit Anfang 20 den "Bettelstudent" leiten kann, traut man ihm sofort zu. Selbstbewusst, souverän und innerlich ruhig wirkt er, wenn er über seine Pläne redet. Trotzdem scheint er ein Typ zu sein, mit dem man auch Pferde stehlen kann.



Erfahrung

Zweifel, ob er mit seinen 22 Jahren schon einen Laden schmeißen kann, hat Leonid nicht. Seit August 2007 steht er im "Bettelstudent" hinter der Theke, genug Zeit also, um Erfahrungen zu sammeln und den organisatorischen Ablauf zu erlernen. Leonid weiß, wie der Laden läuft.

Ab sofort muss er neben dem Thekern das Personal einteilen, Bestellungen organisieren und Termine mit Handwerkern vereinbaren. "Nur die Buchhaltung muss ich nicht machen, da unterstützt mich die Firma Bellini," so Leonid. Die Bellini GmbH hilft mehreren Freiburger Gastwirten in gastronomischen Angelegenheiten.

Jeder fängt mal klein an

Leonid fing im "Bettelstudent" hinter der Theke an und arbeitete sich hoch. Durch ihn wurde der Laden merklich voller, deswegen bot man ihm die Leitung des "Bettelstudenten" an. Zwar hat er sich für die Entscheidung Zeit genommen, "aber es hat sich die ganze Zeit über einfach nur richtig angefühlt". Das war nicht immer so.



Abitur am Goethe Gymnasium in Freiburg im Jahr 2005, Zivi im Klinikum in München, Öffentlichkeitsarbeit am Theater Freiburg, Praktikum beim Friseur, ein angefangenes Studium – Leonid hat lange nach etwas Passendem gesucht. Im Bettelstudenten hat er es gefunden. "Ich war eh nie der Typ Student." Die Arbeit mache ihm einfach Spaß und in acht Monaten hat es nur zwei Tage gegeben, an denen das nicht so gewesen sei. Einmal sei er krank gewesen, das andere Mal hätte es Probleme mit Gästen gegeben.

Was bleibt, was geht

Viel verändern möchte Leonid im "Bettelstudent" nicht. Geplant sind kleinere Änderungen in der Speise- und Getränkekarte sowie vermehrte Werbung für die Sportsendungen, die per Großleinwand übertragen werden. "Wenn die ersten Monate geschafft sind, versuche ich ausserdem unser Sommerangebot attraktiver zu gestalten." Vergangenen Sonntag schlich sich zum ersten Mal das Gefühl der Existenzangst ein. "Es war gutes Wetter, alle waren draußen und wir sind eben kein Gartenlokal. Nach drei Stunden musste ich schließen."



Wie lange Leonid den Bettelstudent betreiben wird, weiß er noch nicht. "Jetzt warte ich mal die ersten Monate ab. Bis jetzt weiß ich noch nicht, was ich Ende des Monats verdiene." Trotzdem möchte er nicht ohne Ausbildung bleiben. "Nach fünf Jahren Selbstständigkeit kann ich eine Prüfung zum Restaurantfachmann machen", erzählt Leonid.

Es ist eben ein langer Weg.

Mehr dazu:

Im "Bettelstudent" in der Moltkestraße 30, so kündigt das Schild an, lässt es sich gut "schwafeln & tafeln". Stammkunden, viele Studenten, Leute aus dem Sedanquartier und Schüler suchen das stadtnahe Lokal auf.

Highlights der Küche sind die Flammkuchen ab 3,40 € und der Bettel-Burger für 4,20 €. Kaffee und Bierpreise – es gibt Ganterbier vom Faß – bewegen sich um die 2 Euro. Für Sportübertragungen gibt es einen Fernseher über der Theke und eine größere Leinwand im Sitzbereich. Das Ambiente ist eine Kombination aus urig und modern.