Namensstreit

Freiburgs Grüne fordern einen Europaplatz für das Siegesdenkmal

Uwe Mauch

Das wieder aufgestellte Siegesdenkmal soll die Adresse Europaplatz erhalten. Das jedenfalls fordern die Grünen. Damit würde dieser Name zum dritten Mal seinen Platz wechseln.

Die Entscheidung soll der Gemeinderat am 20. März treffen. Ob das Datum zu halten ist, ist noch offen.

Jedenfalls haben die Grünen in ihrer Mitgliederversammlung am Mittwochabend für die Bezeichnung Europaplatz plädiert. Freiburg liege in der Mitte Europas, weshalb Europa auch einen zentralen Platz in Freiburg verdiene, heißt es in einer Mitteilung. Europa sei nichts Abstraktes, sondern ein Gedanke, der konkret gelebt werde. Gleichzeitig biete die Benennung des Platzes, der bislang keinen Namen hat, die Chance, einen Kontrapunkt zu setzen gegen die ursprüngliche Intention des Denkmals, heißt es weiter. Nichts verkörpere den Prozess des Friedens und der Aussöhnung der einstigen "Erbfeinde" Deutschland und Frankreich besser als das gemeinsame Projekt der europäischen Einigung.


"Das alte Siegesdenkmal auf einem neuen Europaplatz – so verbindet sich symbolisch, was sich historisch nicht voneinander trennen lässt", meint Kreisvorsitzende Ella Müller, "der Deutsch-Französische Krieg als Beginn einer langen Phase deutscher Aggressionen gegenüber seiner Nachbarn und die europäische Einigung als wichtigste Grundlage des langen Friedens, in dem wir seit 1945 leben dürfen"

Die Stadtverwaltung hatte den Namen Europaplatz für den Standort des Siegesdenkmals vorgeschlagen. Sie fand im Kulturausschuss des Gemeinderats keine Mehrheit. Einen Favoriten für den Platz, der einst nach Kaiser Wilhelm I. benannt war, gibt es noch nicht. Im Gespräch sind Friedensplatz, Platz des Friedens, Platz der Deutsch-Französischen Freundschaft, Platz des Gedenkens, Rosa-Luxemburg-Platz und Jean-Jaurès-Platz, benannt nach einem französischen Historiker und sozialistischen Politiker (1859-1914), der als Pazifist gegen den drohenden Ersten Weltkrieg kämpfte.

Es gab schon drei Europaplätze in Freiburg

Gäbe es eine Mehrheit im Gemeinderat, erhielte der Europaplatz seinen vierten Standort. 1984 wurde das Areal zwischen dem Uni-Kollegiengebäude II und dem Stadttheater zum Europaplatz. Zwölf Jahre später beschloss der Gemeinderat, dieser Fläche den Namen Platz der Alten Synagoge zu geben. Um die Europafreundlichkeit zu demonstrieren, taufte man kurzerhand jene Fläche, die seit 1796 Karlsplatz geheißen hatte, in Europaplatz um. Die Umbenennung für den Platz hinter dem Kasernenbau setzte sich nie so richtig durch. Im Jahr 2001 kehrte der Karl wieder zurück, und auf dem Neuen Messegelände am Flugplatz gab’s stattdessen den nächsten Europaplatz – bis heute.

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