Pilotprojekt

Freiburgs Feuerwehr bekommt eine grüne Welle – zum Testen

Simone Höhl

Auf einem Teil der Eschholzstraße gibt es jetzt freie Fahrt für Freiburgs Feuerwehr. Das Pilotprojekt auf der für die Retter wichtigen Achse soll Zeit sparen und die Sicherheit erhöhen. Ein Ausbau auf rund 40 Ampeln ist geplant.

Freie Fahrt für Freiburgs Feuerwehr gibt es jetzt auf einem Teil der Eschholzstraße. Ein System, das den Löschfahrzeugen im Einsatz Vorfahrt an Ampeln schaltet, ging am Donnerstag in Betrieb. Der Grund: Die Feuerwehr steht in der Stadt zu oft im Stau und kommt nicht immer schnell genug in Freiburgs Norden und Osten. Das System für den Notfall soll drei Jahre getestet und ausgebaut werden.


Der Auftrag der Feuerwehr ist klar, sagt Finanzbürgermeister Stefan Breiter: "Schnelle Rettung gewährleisten." Doch weil die Stadt, die Zahl der Autos und der Baustellen wächst, wird das immer schwieriger. Im Norden und Osten Freiburgs kann die Feuerwehr die Hilfsfrist teils nicht einhalten: Sie soll spätestens zehn Minuten nach Alarm eintreffen.



Zudem werden Straßen rückgebaut, um Lebensqualität zu erhöhen, beispielsweise die Eschholzstraße, sagt Breiter, der auf Höhe der Wannerstraße steht. Weiter unten liegt die Hauptfeuerwache: Die Achse ist wichtig für die Wehr, zum Beispiel unterwegs zu Uniklinik und Güterbahnhof, wo bald 8000 Menschen wohnen, so Feuerwehrchef Ralf-Jörg Hohloch. Die Ampel hinter ihm ist den halben Tag rot, Tramlinien kreuzen.

Die Feuerwehr darf im Notfall drüberfahren. Autofahrer haben oft Skrupel und machen keinen Platz. Den schafft das System "Sitraffic", erklärt Friedrich Koch vom Amt für Brand- und Katastrophenschutz: Bei einem Einsatz – und nur dann – werden das System per GPS und die Vorfahrtsschaltung per Verkehrsrechner aktiviert. Wenn der Löschlaster naht, springt die Ampel auf Grün und der Rückstau baut sich ab. Einer Studie zufolge kann Sitraffic zwei Minuten Fahrtzeit in den Osten und den Norden sparen. Das ist viel, wenn’s brennt.

System musste angepasst werden

"Der zweite große Vorteil ist die Sicherheit", sagt Georg Herffs, Verkehrsplaner im Garten- und Tiefbauamt: Der Querverkehr und die parallel gehenden Fußgänger haben Rot. Auch die Straßenbahnen, die über ein ähnliches System verfügen, müssen zurückstehen – sofern ihnen der Bremsweg noch reicht. Das System der Firma Siemens, das andere Städte schon nutzen und das die Ämter für Freiburg aufwendig anpassten, ist zunächst an vier Kreuzungen von Ferdinand-Weiß- bis zur Lehener Straße installiert. Die Ampeln erhielten ein viertes Licht mit einem "F".

Zum offiziellen Start alarmiert Koch ein Löschfahrzeug. Als es näher kommt und etwa bei der Stühlingerstraße ist, leuchtet das F auf – aber die Ampel zeigt ohnehin grün, kein Auto steht im Weg, die Feuerwehr brettert durch. "Vorführeffekt", sagt Hohloch. "Freiburg halt, grüne Welle", meint Herffs. Sein Kollege Horst Groth erklärt, dass eine grüne Ampel länger grün bleibt, bis die Feuerwehr sie passiert hat. Auch bei zwei weiteren Anfahrten ist gerade schon Grün.



In den nächsten Monaten wird getestet, wie groß die Zeitersparnis ist und wo die Signalpunkte liegen sollen. 120.000 Euro stellte die Stadt schon zur Verfügung, 240.000 Euro sollen folgen. Das System soll ausgebaut werden auf knapp 40 Ampeln auf Nord- und Ostachse, zudem gibt es Gespräche mit dem Rettungsdienst. In drei Jahren wird das Projekt bewertet. Für den Finanzbürgermeister ist klar: "Jeder Euro in die Sicherheit und die Rettungsdienste ist gut investiert."