Freiburgs erster Bio-Kiosk öffnet im September

Dana Hoffmann

Wer ab September zum Studieren in die Stadthalle fährt, muss sich dort nicht mit Automatenkaffee und Labberbrötchen zufrieden geben: Im alten Kiosk an der Straßenbahnhaltestelle kurbelt man zur Eröffnung der Interim-UB am 13. September wieder die Rollläden hoch. Verkauft werden nur Bio-Produkte und regionale Marken.



Die Baustelle an der Stadthalle: Gitterzäune rings um die zukünftige Uni Bibliothek, Schutthaufen auf der Wiese, zwei Baufahrzeuge und ein Transporter künden von dem, was hier im September eröffnet werden soll. Ohne Bagger gehen die Bauarbeiten jenseits des Zauns vonstatten: Aus dem Kiosk neben der Straßenbahnhaltestelle klingt Musik, im Untergeschoss des Häuschens bohrt jemand Löcher in die frisch verputzte Wand. Pünktlich zum Start der neuen 24-Stunden-UB sollen hier Kaffee, Snacks und Zeitschriften über die Theke gereicht werden.


Das versprechen die neuen Pächter und Namensgeber des „Biosk“ Lars Millentrup und Julien Röslen. „Wir wollen zeigen, dass Bio nicht nur gut schmeckt, sondern auch bezahlbar ist“, sagt Lars und wischt sich die staubigen Hände an der Hose ab.



Vergangenes Jahr kam die Idee zum Bio-Büdchen. Eine typische Stammtischidee sei das gewesen, gibt Lars zu. „Ein Freund, der in Waldsee wohnt und hier öfter vorbei fährt, meinte irgendwann 'Wieso macht man da nicht was draus?' Wir haben das dann ausgegoren und uns informiert.“

Jetzt wird der Plan umgesetzt: Zusammen mit dem Architekten Arne Berndt verkleiden sie die Decke, planen den Ausbau, streichen Wände. Noch ist nicht viel zu erkennen. Ob es einen begehbaren Tresen geben wird, ist fraglich, auch die Fassade wartet noch auf eine Verschönerung.

Der Kiosk an der Straßenbahnhaltestelle stand schon seit rund einem Jahr leer, als Lars und Julien im März ihre Bewerbung bei der Stadt einreichten. Mit Konzept und Businessplan haben sie sich um die Pacht beworben: „Uns war klar, dass wir auf der Bio-Linie fahren wollen“, sagt Julien, der selbst seit einigen Jahren für eine Biogärtnerei arbeitet. „Ich hab gelernt, was das heißt und wie es funktioniert.“

Der Plan stieß bei der Stadt auf große Zustimmung: Der Biosk konnte sich gegen sechs Mitbewerber durchsetzen. Stadt-Sprecherin Edith Lamersdorf erinnert sich: „Für uns war das einfach das stimmigste Konzept und wir wollten das Projekt gerne unterstützen“.

Nur einen Haken hatte die Sache: „An städtischen Kiosken darf kein 'Coffee to go' verkauft werden, das wurde in den Neunzigern erlassen, um eine Vermüllung der Stadt zu vermeiden“, sagt Lars. Da der Kaffee zum Mitnehmen aber ein Magnet für das Laufpublikum sein soll, wollten die beiden nicht auf ihn verzichten. Ihr Kompromiss: Kompostierbare Kaffeebecher. „Die Stadt kann damit gut leben und wir machen das aus Überzeugung.“

Wer nach der Kaffeepause den Pappbecher wieder am Kiosk abgibt, bekommt 20 Cent Pfand zurück. 2,30 € wird ein Milchkaffee vermutlich kosten, 1,70 € der Espresso. Für Sparfüchse haben sich Lars und Julien noch etwas ausgedacht: „Wenn jemand mit seinem eigenen Becher kommt, kriegt er einen Nachlass und kann dann mit seinem Gefäß machen, was er will.“

Preislich wird der Biosk im Freiburger Mittelfeld liegen, bei gehobener Qualität, wie Julien behauptet: „Wir verkaufen zu 90 Prozent Bioprodukte, die restlichen zehn kommen aus der Region.“ So zum Beispiel die Backwaren, mit denen das Café Auszeit den Biosk beliefern wird. Den Fair Trade-Kaffee aus Äthiopien beziehen die Jungunternehmer aus Emmendingen, die Bio-Riegel und Snacks vom Öko-Großhandel Rinklin mit Sitz in Eichstetten. Alkohol und Zigaretten werden nicht über die Theke wandern, „aus Überzeugung“, wie beide sagen. „In Freiburg, der angeblichen Öko-Hauptstadt, gibt es einfach noch nichts in die Richtung“, haben Lars und Julien fest gestellt.

Der Mangel an Angeboten und die eigene bewusste Ernährung waren ausschlaggebend für das Projekt. „Man muss so was schon mit Überzeugung angehen, auf halbe Sachen hatten wir keine Lust.“ Nicht viele würden für ein zwar ambitioniertes aber auch unsicheres Projekt wie den Biosk ihren festen Job als Vertriebsassistent oder Marketing-Verantwortlicher aufgeben. Julien und Lars haben es getan und sind bislang dafür belohnt worden: „Wir haben bisher nur positives Feedback gekommen. Sowohl die Bank, die uns den Kredit bewilligt hat, als auch die Anwohner, die hier vorbei kommen und fragen, sind begeistert.“



Dem Erfolg des Biosks steht also nichts mehr im Wege, wäre da nicht die vom Freiburger Studentenwerk geplante Eröffnung eines Cafés in der neuen UB. Lange war nicht klar, ob die Verpflegung über einen Kaffeeautomaten hinaus gehen wird. In den Räumen der ehemaligen Freiburg Bar unter der Halle soll es zukünftig neben Gruppenarbeitsplätzen auch ein Angebot an Kaffee, Kuchen und Brötchen geben.

Lars befürchtet aber keine großen Einbußen für den Biosk: „Ich sehe uns eigentlich nicht in direkter Konkurrenz. Wir haben ein ganz anderes Konzept und die Leute können sich ja entscheiden: Automatenkaffee oder richtig guten.“ Die werdenden Kiosk-Väter planen langfristig, wollen den Fokus nicht auf die Bibliothek richten, die voraussichtlich 2012 ohnehin wieder in die ursprüngliche Lage zurück wandern wird.

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