Freiburgs erste Fuck-up-Night steigt am Donnerstag im Grünhof

Nicolas Bettinger

Nein, im Grünhof feiern sie am Donnerstag keine Orgie. Auf der ersten FuckUp-Night erzählen gescheiterte Unternehmer ihre Geschichte. Die kostenlosen Tickets sind bereits alle vergriffen, im Interview verrät Veranstalter Jonathan Niessen (29) vorab aber, warum scheitern so verpönt ist und wie schwer es war, Redner zu finden:



Warum ist Scheitern so verpönt?

Jonathan Nissen: Unsere Gründerkultur in Deutschland hinkt leider etwas hinterher. Vor allem weil viele Leute risikoavers sind. Jedoch kann ich ohne Risiko nichts gründen. Wir sehen immer nur die schillernden Beispiele von denen, die es geschafft haben. Dass viele von ihnen auch schon häufig gescheitert sind, weiß meist niemand. Gerade in einer Gesellschaft, in der das Scheitern als Unfähigkeit angesehen wird, aber nicht als Möglichkeit zu lernen.

Scheitern heißt: du kannst es nicht, du bist zu doof. Aber darum geht es nicht. Bei jedem geht irgendetwas schief. Die Verantwortung liegt darin, daraus zu lernen und es eben dann in Zukunft besser zu machen. Natürlich muss man immer die eigene Fallhöhe definieren. Wer mehr riskiert, ist zwar gefährdet zu scheitern, hat aber auch mehr Chancen auf Erfolg. Bei der Veranstaltung geht es darum, aus dem Scheitern zu lernen und zu sehen, dass Scheitern immer passiert, ob es klein oder groß ist. Wer erfolgreich ist, spricht ungern über eigenes Versagen. Das führt zu einem falschen Eindruck. Scheitern ist Teil einer erfolgreichen Gründung.

Wie kamen Sie auf die Idee, die „FuckUp Night“ auch in Freiburg zu etablieren?

„FuckUp Nights“ gibt es in 144 Städten weltweit. Freiburg ist immer ein bisschen hinterher, was innovative Eventformate angeht. Wir wollten das schon lange nach Freiburg holen, der letzte Anstoß hat einfach noch gefehlt. Dann bekamen wir mit Timm Wienberg ein neues Grünhofmitglied, der uns dazu animierte. Das war der Auslöser. Menschen, die scheitern, gibt es überall. Auch im Breisgau.. Das Veranstaltungsformat kann letztlich jeder organisieren. Es gibt nur ein paar Grundregeln zu beachten.

Was passiert an dem Abend?

Es gibt drei Speaker, die ihre Geschichte im „Pecha Kucha“-Format berichten werden. Zeitlich gedrängt erzählen die Teilnehmer von ihren Erfahrungen und werden im Hintergrund von automatisch weiterlaufenden Bildern oder Folien unterstützt. Nach jeder Präsentation ist Zeit für Fragen aus dem Publikum. Danach soll es Networking geben. Dabei können sich die Leute unterhalten und auch das ein oder andere Getränk an der Bar genießen.

Wie schwer ist es Kandidaten zu finden, die offen über ihre Fehler sprechen?

Wir haben ein paar wenige potentielle Teilnehmer in unserem Netzwerk, die dazu bereit sind. Es war nicht einfach Menschen zu finden, die erfolgreich und zuvor gescheitert sind und nun Lust haben, darüber zu sprechen. Wir haben erfolgreiche Leute gesucht, von denen wir wussten, dass auch mal etwas richtig schief gegangen ist. Meistens geht es um Gründer von Startups, die mit ihrer Idee an die Wand gefahren sind und beispielsweise in finanzielle Nöte kamen. Aber natürlich ist es schwierig, mit Leuten zu sprechen, die einmal gescheitert sind und noch nicht wieder auf die Erfolgsspur zurückgekehrt sind.

Was reizt Sie persönlich am "Versager"-Format?

Ich habe eigene Projekte auch nicht zu Ende gebracht und einsehen müssen, dass es einfach nicht funktioniert. Aber ich lebe immer noch (lacht). Diese Erkenntnis gefällt mir an der „FuckUp Night“. Ich bin gespannt ob die Menschen dem Tabuthema Scheitern nun mit mehr Offenheit begegnen und wie sie auf diese und zukünftige „FuckUp Nights“ reagieren.

Mehr dazu:

  Was: Fuck-up-Night Freiburg #1
Wann: Donnerstag, 25. Februar 2016, 20 Uhr
Wo: Grünhof Freiburg, Belfortstraße 52
Eintritt: Registrierung über Eventbrite erforderlich
Facebook-Event: Fuck-up-Nights Freiburg #1    
[Foto: Veranstalter]