Trauer

Freiburgs Alt-Oberbürgermeister Rolf Böhme ist tot

Joachim Röderer

Rolf Böhme ist tot. Der Freiburger Alt-Oberbürgermeister und Ehrenbürger starb nach BZ-Informationen in der Nacht zum Dienstag im Alter von 84 Jahren.

Trauer in Freiburg: Rolf Böhme ist gestorben. Der SPD-Politiker amtierte von 1982 bis 2002 als Oberbürgermeister der Stadt Freiburg. Beim Ausscheiden aus dem Amt im Jahr 2002 ist er zum Ehrenbürger der Stadt ernannt worden. Vor seiner OB-Zeit arbeitete der gebürtige Konstanzer unter anderem im Kabinett des damaligen Bundeskanzlers Helmut Schmidt als Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesfinanzministerium in Bonn.


Die Nachricht verkündete sein Nach-Nachfolger, der amtierende OB Martin Horn, bei einem städtischen Empfang. Böhmes Tochter Hanna hatte ihn angerufen und ihm die Nachricht übermittelt. "Ich möchte Sie bitten, eine Gedenkminute zu Ehren von Rolf Böhme abzuhalten", sagte Horn. Schweigend gedachten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Empfangs, darunter viele Mitarbeiter der Stadtverwaltung, ihres ehemaligen Chefs. "Wir verlieren mit ihm nicht nur einen großen Politiker und überzeugten Europäer, sondern auch eine außergewöhnliche Persönlichkeit", würdigt OB Horn auf seiner Facebookseite den Verstorbenen.



Böhme habe die Stadt während seiner 20-jährigen Amtszeit und auch weit darüber hinaus geprägt. Bis zuletzt habe er sich für eine lebendige grenzüberschreitende Zusammenarbeit eingesetzt.

Der 84-Jährige war zuletzt gesundheitlich angeschlagen und lebte seit einem Schlaganfall im Sommer 2016 in einem Pflegeheim in der Wiehre. Seinen letzten öffentlichen Auftritt hatte Böhme am 27. November 2017 im Freiburger Münster, wo er im Rollstuhl sitzend an der Gedenkfeier zum Bombenangriff auf Freiburg 1944 teilgenommen hat. Bei der Gedenkfeier war auch eine Rede von Böhme verlesen worden.

Böhme studierte in München und Freiburg Rechtswissenschaft und promovierte später an der Albert-Ludwigs-Universität. 1959 trat Rolf Böhme in die SPD ein. 1971 wurde er Freiburger Stadtrat. Von 1972 bis 1982 vertrat er den Wahlkreis Freiburg im Deutschen Bundestag.

1982 wurde Böhme Oberbürgermeister von Freiburg

Im Oktober 1982 wurde Rolf Böhme als Kandidat der SPD zum Oberbürgermeister von Freiburg und Nachfolger von Eugen Keidel gewählt. Es war bis heute die knappste OB-Entscheidung in Freiburg überhaupt: Böhme hatte im ersten Wahlgang noch knapp hinter dem CDU-Bewerber Sven von Ungern-Sternberg gelegen, kam am Ende aber mit 577 Stimmen Vorsprung als Sieger ins Ziel. 1990 und 1998 wurde Böhme wiedergewählt. Er schied 2002 mit Erreichen der Altersgrenze aus dem Amt.

In Böhmes Amtszeit fielen wichtige Entscheidungen der Stadtpolitik. So schaffte er es in seinen ersten Jahren als Oberbürgermeister gemeinsam mit anderen Mitstreitern den Freiburger Häuserkampf zu befrieden. Böhme erlebte im Jahr 1992 den Abzug der französischen Streitkräfte aus Freiburg mit. Er hatte sich immer auch für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit mit Frankreich und vor allem den elsässischen Nachbarn eingesetzt. Sein Wahlspruch lautete immer: "In dubio pro regio". Und er sagte in der BZ auch einmal: Eine gute Nachbarschaftspolitik sei die beste Zukunftsgarantie.

Stadtbahn-Ausbau, neue Stadtteile und das Konzerthaus

In Böhmes Amtszeit wuchs Freiburg um die beiden neuen Stadtteile Vauban und Rieselfeld, das damals sehr umstrittene Konzerthaus wurde gebaut – und die beiden B31-Tunnel, welche die Schwarzwaldstraße vom Verkehr entlasteten. Auch über die B 31 Ost hatte es jahrelange kommunalpolitische Auseinandersetzungen gegeben. Schon unter OB Böhme hat sich Freiburg zu deutschen Ökohauptstadt entwickelt. "Sie haben das moderne Gesicht Freiburgs maßgebend mitgeprägt", sagte der damalige baden-württembergische Ministerpräsident Erwin Teufel zu Rolf Böhme bei dessen Verabschiedung im Sommer 2002. Eine maßgebliche Rolle spielte der frühere OB auch bei der Etablierung des Zeltmusikfestivals und des Jazzhauses.

Und bis zuletzt meldete sich Rolf Böhme immer wieder auch als Gastautor im Politik-Teil der Badischen Zeitung zu Wort. Sein letzter Beitrag erschien Ende November 2018. Darin hatte Böhme mit Blick auf die anstehende Schließung des AKW Fessenheim zur regionalen Energiewende am Oberrhein aufgerufen.
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