Bittere Bilanz

Freiburger ZMF endet mit bedrohlichem Minus im sechsstelligen Bereich

Joachim Röderer

Weniger Konzertbesucher, weniger Gäste auf dem Festivalgelände am Mundenhof: Von einem sechsstelligen Minus ist die Rede. ZMF-Geschäftsführer Marc Oßwald sieht die Existenz der Institution in Gefahr.

Das 37. Zelt-Musik-Festival am Mundenhof geht am Sonntagabend zu Ende. 41.000 Konzerttickets wurden verkauft – und damit noch weniger als im Vorjahr. Geschäftsführer Marc Oßwald spricht vom "schlechtesten ZMF seit 2007" und rechnet mit einem Minus, das wohl sechsstellig werden wird. "Wir können so nicht weitermachen", sagt Oßwald. Änderungen seien notwendig, sonst würden bei dem Festival spätestens in fünf Jahren die Lichter ausgehen.


Am dritten Festival-Wochenende hat es nicht gelegen: Am Samstagabend war die Stimmung top – Dieter Thomas Kuhn im Zirkus- und Fatcat im Spiegelzelt waren ausverkauft, das Gelände am Mundenhof voller gut gelaunter Menschen. Und auch am Sonntagabend sorgten Namika und Joris sowie Gisbert zu Knyphausen für fast ausverkaufte Zelte. Aber es gab eben auch andere Abende: Die Indie-Band Foals spielte vor nur 800 Fans im 2800 Menschen fassenden großen ZMF-Zelt – dabei waren kurz vor dem Termin die Preise für ihre Tickets gesenkt worden.



Minus ist größer geworden

Trotzdem: Das 2019er-ZMF war das zweite in Folge, das mit roten Zahlen endet. Nach dem kleinen Minus im Vorjahr folgt in diesem Jahr nun ein etwas größerer Fehlbetrag. "Wir können das durch unsere Reserven ausgleichen, aber die schrumpfen eben", so ZMF-Boss Marc Oßwald. Für ihn ist klar, dass es so, wie es jetzt läuft, nicht weitergehen kann. Er fordert Veränderungen, um das Festival zu retten. Er werde das ZMF nicht in die Insolvenz führen, sagt der Konzertveranstalter: "Ich würde da lieber zu früh als zu spät aufhören."

Oßwald gibt sich durchaus selbstkritisch: Bei der Bandauswahl habe man Fehler gemacht, die Freiburger offensichtlich überfordert. Das Programm sei zu teuer und zu ambitioniert gewesen – aber zu kommerziell werden, das könne man auch nicht: "Dann wäre es nicht mehr das ZMF."



Das diesjährige ZMF kämpfte auch mit einer Pechsträhne: Es gab die Absage wegen Krankheit von Feine Sahne Fischfilet, es gab die Platzräumung wegen Gewitterwarnung zum Ende des Samy-Deluxe-Abends, beim ersten Dieter-Thomas-Kuhn-Konzert musste der Sänger mit einem Kreislaufkollaps von der Bühne. Das alles drückte die Stimmung und die Umsätze auf dem Platz. Es waren am Ende rund 10.000 Besucher weniger draußen auf dem Gelände am Mundenhof. Auch die Hitzewelle hat das Festival Besucher gekostet, ähnlich wie schon im Vorjahr.

Größeres Zelt könnte mehr Erlöse bringen

Fehlende Einnahmen sind aber offenbar nicht das einzige Problem: Insgesamt steigen beim ZMF nämlich die Ausgaben – trotzdem sei da wenig bis nichts zu optimieren, meint Geschäftsführer Oßwald. An den Eintrittspreisen wollen und können die Veranstalter nicht noch weiter schrauben. Mehr Erlöse könnte ein größeres Zirkuszelt mit einer Kapazität von 4500 Besuchern bringen. Dann müsste das ZMF aber schon früher als geplant einige Meter westwärts wandern, wo der notwendige Platz für die größere Behausung vorhanden wäre. Auf Dietenbach könne man jedenfalls nicht mehr warten, so Oßwald: "Die Zeit haben wir nicht mehr." Mit mehr Zeltkapazität müsste aber auch die ÖPNV-Anbindung ausgebaut werden.

Und vor allem: Das ZMF könnte zwei zusätzliche große Sponsoren brauchen, die Geld in die Kasse bringen. Marc Oßwald will mit Vertretern von Stadt und Land darüber sprechen, ob nicht deren finanzielle Unterstützung erhöht werden könnte. Der heutige Zuschuss deckt nämlich gerade noch 2,5 Prozent der Ausgaben des Zelt-Musik-Festivals.