Bombardierung 1944

Freiburger Weihnachtsmarkt öffnet wegen Gedenkfeier früher

Fabian Vögtle

Die FWTM öffnet den Freiburger Weihnachtsmarkt am 27. November früher, um eine Kollision mit der Andacht zum Jahrestag der Bombardierung Freiburgs zu vermeiden. Zuvor hatte es Kritik gegeben.

Die Eröffnung des Weihnachtsmarktes fällt dieses Jahr auf einen der wichtigsten Gedenktage der Stadt. Am Abend des 27. November 1944 bombardierte die britische Luftwaffe für rund 20 Minuten die Stadt. Der Plan von "Freiburg Wirtschaft Touristik und Messe" (FWTM), den diesjährigen Weihnachtsmarkt um 19 Uhr zu offiziell eröffnen, stieß nach Bekanntgabe auf Kritik. Nun wurde der Zeitplan geändert.


Fröhlicher Umtrunk, während die Hosanna-Glocke läutet?

Sowohl Peter Kalchthaler, Leiter des Museums für Stadtgeschichte, als auch Dompfarrer Wolfgang Gaber, wiesen die FWTM darauf hin, dass die Eröffnung nach der ursprünglichen Planung nahezu zeitgleich mit dem Gedenken an die Zerstörung der Stadt vor 73 Jahren stattfände. Dass sich Vertreter der Stadt und Gäste nach dem traditionellen Anschnitt des Lebkuchens auf dem Rathausplatz im Kreuzgang von St. Martin versammelten und mit Glühwein einen fröhlichen Umtrunk hielten, während die Hosanna-Glocke des Münsters zwischen 19.58 und 20.18 Uhr läute und die ökumenische Gedenkandacht im Münster beginne, sei nicht feinfühlig.

Natürlich müsse man am 27. November nicht ganztags in Sack und Asche gehen, so Kalchthaler. Allerdings lebten auch im Jahr 2017 noch immer viele Zeitzeugen, für die der Bombenangriff ein Einschnitt in ihrem Leben war. Zudem sei der Tag auch für viele Angehörige und Nachkommen ein Tag der Trauer und des Gedenkens. Zumindest in den Abendstunden wünsche er sich, dass in der Stadt ein Innehalten möglich sei.

"Es wirkt leider geradezu gedankenlos, die Eröffnung des Weihnachtsmarktes so nah an die Gedenkstunde zu legen." Peter Kalchthaler
Von der FWTM als Stadttochter habe er mehr Sensibilität erwartet, auch wegen laufender Diskussionen um Gedenkkultur und Leben mit Gedenkorten. "In diesem Sinn wirkt es leider geradezu gedankenlos, die Eröffnung des Weihnachtsmarktes so nah an die Gedenkstunde zu legen", schrieb der Historiker, nachdem die Einladungen verschickt worden waren. Auch Dompfarrer Gaber meldete sich am Freitag bei FWTM-Chef Bernd Dallmann, um zu intervenieren. "Das ist für Freiburg ein ganz besonderer Tag, und das Münster ist zu unserer berührenden Andacht jedes Jahr voll besucht", sagte er. Es sei wichtig, für die Terminkollision eine Lösung zu finden.

FWTM beachtete Gedenkandacht nicht – reagierte aber auf die Kritik

Gabers Bedenken nahm man bei der FWTM ernst. Man habe nun vereinbart, dass der Start des Weihnachtsmarktes um eine Stunde – also auf 18 Uhr – vorverlegt werde, teilten Gaber und auch Dallmann auf Nachfrage mit. Als man nach Absprache mit der Stadtverwaltung die Einladung verschickte, habe man die Gedenkandacht nicht im Kopf gehabt, räumte Dallmann ein: "Da hat bei uns keiner drauf geachtet". Er habe die Einwände zur zeitlichen Nähe beider Veranstaltungen aber sofort verstanden und mit der Verschiebung reagiert. Jetzt könnten die Menschen erst auf den Rathausplatz kommen und danach ins Münster gehen.

Mit Gaber vereinbarte er, dass beim Anschneiden des Lebkuchens durch Oberbürgermeister Dieter Salomon auf die Gedenkandacht verwiesen werde. Zugleich betonte Dallmann aber, dass er eine mögliche Verlegung auf einen anderen Tag nicht für nötig halte: "Die Eröffnung ist ja keine Kirmes und stört damit auch nicht bewusst das Gedenken." Deshalb sehe er keinen grundsätzlichen Konflikt.

In der Folge der Luftangriffe auf Freiburg starben knapp 3000 Menschen. Eine Tafel, die zum 50. Jahrestag im Jahr 1994 am – im Gegensatz zur restlichen Altstadt – kaum beschädigten Münster angebracht wurde, gedenkt der Opfer und mahnt zum Frieden.