Freiburger Warenwelt: Salon Gmeinder

Stephan Elsemann

Sich die Haare schneiden lassen und eine Zeitreise machen: Bei Klaus Gmeinder geht das. Der Salon ist seit 1958 nahezu unverändert in Betrieb. Dass es so kam, liegt zuerst an Herrn Gmeinder selbst, einem Menschen mit großem Widerspruchsgeist.



Ein "Frei-Herr" – Frisör Klaus Gmeinder

Klaus Gmeinder lässt nicht mit sich reden: "Nein! Keine Fotos von ihm." "Ob man nicht vielleicht von hinten....?" "Nein! Nein!" "Oder ein Detail seiner Jacke mit Friseurkamm und... ?""Nein!".

Dabei ist Klaus Gmeinder durchaus fotogen. Ein rüstiger, kräftiger Mann im besten Rentenalter ist er, mit wachen Augen, immer auf dem Sprung. Diesen Augen entgeht nichts. Selbst ein Versuch, ihn unbemerkt über die vielen Spiegel indirekt aufs Bild zu bekommen, scheitert kläglich. Der Mann ist  auf der Hut und weicht aus. Nicht mit ihm!
"Ich bin ein Frei-Herr", sagt er. "Bitte schreiben Sie Frei-Bindestrich-Herr". Denn auch alles was der Journalist so notiert, wird sorgfältig registriert. Ein "Frei-Herr" ist ein unabhängiger Mensch, einer, der machen kann, was er will. Und deshalb gibt der Frei-Herr seinen schönen Salon auch nicht auf. Einfach, weil es ihm so gefällt.

Immer spricht Oppositionsgeist aus seinen Worten, doch Spaß macht ihm der Job wahrscheinlich auch. Interesse an seinem Salon gab es reichlich, sowohl an den Räumen wie an der Einrichtung. Doch Gmeinder ist Hauseigentümer und so sehen die betriebswirtschaftlichen Gegebenheiten freundlicher aus.



Klaus Gmeinder ist ein Freiburger Gewächs. Seine Eltern begründeten den Salon und so wurde auch er Friseur. Seit langem steht er allein im Salon, doch seine Eltern sind im Laden immer noch präsent, der Vater mit der nunmehr einzigartigen Ladeneinrichtung, die Mutter mit den Puzzles an den Wänden. Sie werden in Ehren gehalten – so wie die Hexen an der Decke, die auch auf das Konto der Mama gehen: "Die sind wie unsere Kundinnen", pflegte Mutter Gmeinder zu scherzen.

Ein Gesamtensemble aus den 50er Jahren – der Salon Gmeinder

Der Salon ist der eigentliche Star und von dem sind auch Bilder erlaubt. Gmeinders Vater ließ ihn 1958 einrichten, und so ist es geblieben – ergänzt durch einige schöne Stücke in den Folgejahren, den schönen Tresen zum Beispiel. "Salon-Bau Nord-Süd" lesen wir auf einem der Wasserhähne. Die Firma mit dem raumgreifenden Namen befand sich in Merzhausen und beschäftigte sich ausschließlich mit der Einrichtung von Frisiersalons, erzählt Herr Gmeinder.

Einiges ist sogar älter als der Laden, die Haarschneidemaschine, die seit 1938 ihre Dienste tut – von der Firma Aesculap aus Tuttlingen. Die unzähligen Lockenwickler auf dem Turm dürften schon eine Weile beschäftigungslos sein. Einige Kunden bedient Herr Gmeinder noch, Männer vor allem und Stammkunden. Darunter sind viele Verbindungsstudenten. Einige "alte Herren" kommen extra von außerhalb, aus Nostalgie.



Notizen für den Einkaufszettel

Wer es versuchen möchte: Haare schneiden 11 Euro. Kopfwaschen 5 Euro, Wasserwellen 14 Euro, Dauerwellen 35 Euro. Zur Erklärung: Wasserwellen ist ein verdientes, aber in Vergessenheit geratenes Verfahren, Haare in Wellenform zu bringen. Anders als Dauerwellen sind Wasserwellen völlig chemiefrei und daher einer Renaissance würdig.



Adresse

Salon Gmeinder
Adelhauserstraße 7b
79098 Freiburg

Öffnungszeiten

Dienstag bis Freitag
8 bis 11.30 Uhr und 13.30 bis 18 Uhr

Samstag
8 bis 11 Uhr

Wo?


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Foto-Galerie: Stephan Elsemann