Freiburger Warenwelt: s'Einlädele

Stephan Elsemann

Das Einlädele ist ein außergewöhnlicher Trödelladen. Es ist sozusagen eine ständige Vertretung des lieben Gottes im Stühlinger mit Schwester Inge in der Mitte, einer cleveren und fröhlichen Anwältin der himmlischen Dinge. Der Laden ist auch eine Freiburger Homebase für Straßenkinder aus Kiew, die seit 15 Jahren mit den Einkünften unterstützt werden.



Wühlen, aber bitte mit Liebe

"So sieht der Mensch aus, den Gott liebt." So steht's geschrieben unter einem Spiegel im Eckfenster des Einlädele im Stühlinger. Passanten erblicken ihr Ebenbild und wissen nun, dass wenigstens Gott sie liebt. So ist die Schwelle hinein ins Reich von Schwester Inge und ihren Helferinnen schnell überschritten.



Und einmal drinnen wird die Liebe den Kunden dieses außergewöhnlichen Trödel- und Antiquitätengeschäfts so schnell nicht wieder loslassen. "Bitte mit Liebe wühlen," steht am Regal mit den Hüten. Man kauft hier nicht einfach nur ein Stück altes Geschirr, ein paar Bücher, Klamotten oder Spielzeug ein.

Viele kleinere und größere Schildchen, die ganz zweifellos mit Liebe gemalt sind, geben Orientierung. "Schallplatten für 50 Cent, heute." Oder: "Sie dürfen 30 Prozent abziehen." Aber auch: "Bitte nicht in die Auslage greifen!" Denn Gott sieht zwar alles, aber nicht immer greift er gleich ein.



Hier und sonst nirgends

Bis an die Decke reichen die Regale des Antiquariats im hinteren Raum, die zum Schmökern einladen. Denn hier findet sich nicht nur Frommes und "Sie sind herzlich zu einer Tasse Kaffee eingeladen!", sagt eins der gelben Schildchen. Den Kaffee produziert ein moderner Vollautomat im Regal, der sich wie ein fremder Gast in dem bunten Allerlei ausnimmt.



Zum Kaffee stehen immer auch ein paar Kekse bereit und Schwester Inge erzählt: Sie ist die Geschäftsführin des Ukraine-Projekts, das vor 1993 begann und das ihre Handschrift trägt. Und die ihres "Chefs da oben", ergänzt sie lachend. Denn mit dem Geschäft werden Straßenkinder in der Ukraine unterstützt.

Inge Kimmerle ist die Seele des Universums aus Geschäft, Begegnungsstätte und  vor allem karitativer Organisation. Mehr als zehn 40-Tonner mit Kleidung gehen jedes Jahr auf die Reise. "Was die Leute bringen, wird mit Liebe angeschaut" Das Schönste kommt in den Laden. Gute, tragbare Sachen gehen nach Kiew. Das bedeutet: Nur was top in Ordnung sind, wird hier angenommen.



Notizen für den Einkaufszettel

Die allgegenwärtige Liebe macht vor den Preisen nicht halt und so wird das Stöbern auch zu einem Vergnügen für den Geldbeutel. Bücher kosten ein bis zwei Euro. Kleidung, Schmuck, Porzellan – für sehr wenig Geld kann man hier Hübscheres als anderswo erstehen.



Wegbeschreibung

Vom Bertoldsbrunnen der Straßenbahn folgend über die Stadtbahnbrücke in den Stühlinger fahren oder laufen. Bei Ende der Abfahrt von der Brücke rechts schauen und man steht schon vor dem Einlädele. Zu Fuß sind es zehn Minuten mit dem Fahrrad fünf Minuten.

Adresse

s'Einlädele
Guntramstraße 58
79106 Freiburg
0761-280907

Öffnungszeiten

Montag, Dienstag, Donnerstag 9 bis 12 und 14.30 bis 18 Uhr
Freitag 9 bis 17 Uhr

Foto-Galerie: Stephan Elsemann