Freiburger Warenwelt (56): Gärtnerei Hügin

Stephan Elsemann

Ein außergewöhnlicher Gartenbetrieb liegt in Zähringen. Von weither reisen die Kunden an wegen der über 1700 veschiedenen Pflanzen in der Gärtnerei Hügin. Bei der Freiburger Kundschaft ist sie immer noch ein Geheimtipp. Die Geschwister Hügin, Annette Rieger und Frank Fischer sind mit ganzem Herzen bei der Sache und machen sogar ihre Pflanzerde selbst.



Ewald Hügin - Erde ist wie frische Milch

Man merkt gleich, dass hier etwas anders ist: keine Pflanzen auf Paletten, keine Preisschilder mit Sonderangeboten. Die Kunden sollen in den Gewächshäusern nach Herzenslust herumstreifen und sich inspirieren lassen. Nur aufgepasst: der Befeuchtungnebel setzt ohne Vorwarnung ein. Er steuert sich selbst nach Bedarf. 

Die richtige Wassermenge ist ganz entscheidend beim Wachstum. Das wichtigste im Garten aber ist gute Erde.

"Erde ist wie frische Milch", sagt Ewald Hügin, sie lebt und sie verdirbt auch sehr schnell. Vor allem in den Plastikverpackungen, in denen sie gewöhnlich angeboten wird. Bei Hügin kann man zuschauen, wie die Pflanzerde selbst gemacht wird. Die Komposthaufen stehen hinterm Haus, nach zwei bis drei Jahren ist der Kompost zu Erde geworden und es kann geerntet werden. 



Die kompostierte Erde muss dann sterilisiert werden. Drei Stunden lang wird sie auf 90 Grad erhitzt und dann mit Rinde und Torf versetzt, damit sie eine bessere Struktur bekommt, wasserdurchlässig wird und auch mehr Wasser speichern kann. Diese Erde kann man auch kaufen, sie ist ein Renner. Drei Euro kostet ein Eimer, das sind zehn Liter.



Ewald Hügin hat die Gärtnerei konsequent nach seinen Idealen ausgerichtet, seitdem er sie vor 22 Jahren pachtete. Ein Garten sollte zum Klima der Region passen, in der er angelegt ist. 

Doch das Klima wandelt sich, wie wir wissen. Es wurde insgesamt trockener in den vergangenen Jahren, auch wenn man das in diesem Jahr nicht so recht glauben will. Was liegt also näher, als nach Pflanzen zu suchen, die mit wenig Wasser auskommen?



Hier und sonst nirgends

Trockenheitsresistente Stauden sind das Spezialgebiet von Ewald Hügin und er hat ein Steckenpferd für Pflanzungen in Kies entwickelt – mit Disteln, mit Wolfsmilch, mit kalifornischem Baummohn, mit Wermut – etwas ganz anderes, als was man kennt. Im Schaugarten kann man es sich anschauen. In der Praxis bewährt haben sich seine Kennnisse vor allem auch bei der Bepflanzung von Kreisverkehren, die weniger Pflegeaufwand erfordern und besser aussehen als gewöhnlich.



Einige trockenheitsresistente Pflanzen brauchen besondere Tricks, um zu wachsen. Der Samen des kalifornischen Baummohn keimt nur unter Raucheinwirkung. Die Pflanze mit den prächtigen Blüten, die wie Spiegeleier aussehen, hat eine genetische Überlebensstrategie zum Weiterleben auf verbrannten Flächen entwickelt. 1700 verschiedene Pflanzen umfasst das Angebot der Gärtnerei, darunter über 1000 mehrjährige Stauden.
 Deshalb kommt die Kundschaft von sehr weit angereist.



So manche Hobbygärtner haben einen Spleen. Zum Beispiel, wenn sie auf der Suche nach einem weißen Lavendel sind, weil sie ihren Garten nun mal ganz in weiß gestalten wollen. Lavendel ist blau, lavendelblau, aber bei Hügin finden man auch einen weißen Lavendel.

 Etwas ganz seltenes ist auch die Philibertia, eine Kletterpflanze aus Argentinien mit sehr hübschen zweifarbigen Blüten.






Notizen für den Einkaufszettel

Trotz der Artenvielfalt und des großen gärtnerischen Aufwands sind die Preise nicht höher als im Baumarkt. Die meisten kleinen Pflanzen kosten um die 2,50 Euro. Exoten wie die Philibertia natürlich etwas mehr (8 Euro). 

Kräuter und Chilies bekommt man auch, darunter den äußerst gemeinen Buth Jolokia. Sie kosten 1,50 Euro.

Chilies und ungewöhnliche Salbeipflanzen sind Frank Fischers Hobby. Er bringt sie von seinen Reisen mit. Zwischen Weihnachten und Ende Februar ist nämlich geschlossen – Gelegenheit für die Gärtner, dem badischen Winter zu entfliehen und sich in tropischen Ländern nach unbekannten Gewächsen umzusehen.



Auch in der Gärtnerei lässt sich die Zeit prima vertrödeln – ganz ohne Erwerbsabsicht. Man kann hier auch einen Kaffee trinken (1,50 Euro) und sich das kleine Gartenbaumuseum zeigen lassen – mit skurrilen Gerätschaften aus der Geschichte der gärtnerischen Leidenschaft – darunter einer Kohlenheizung fürs Frühbeet.

Wegbeschreibung

Nach Norden über die Habsburger- und Zähringer Straße stadtauswärts fahren. Wenn man das Zähringer Bürgerhaus auf der rechten Seite liegen sieht, rechts abbiegen in die Lameystraße. Man fährt jetzt auf die Gärtnerei Hügin zu. Rechts herumfahren, dort befindet sich der Eingang.



Adresse

Gärtnerei Hügin
Zähringer Straße 281

79108 Freiburg
0761-553725
Website

Öffnungszeiten

Montag bis Freitag 8 bis 12 und 14 bis 18 Uhr. November bis März 9 bis 17 Uhr
Samstag 9 bis 16 Uhr. Juli bis März: 9 bis 13 Uhr.







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Foto-Galerie: Stephan Elsemann


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