Freiburger Warenwelt (15): Die Automaten-Emma

Stephan Elsemann

Aber ja, die gibt's noch! Die Automaten-Emma ist noch da! Der einzige Rund-um-die-Uhr-Automaten-Laden Deutschlands und vermutlich sogar weltweit, er lebt noch. Eine kleine Sensation ist das, denn für viele war es mit der Emma vorbei, seitdem der Laden in der Schwarzwaldstraße dicht machte. Die hatten das Zweitgeschäft in Zähringen vergessen. Stephan hat es sich angesehen.



Das Geschäft

In der Waldkircher Straße tut sie weiter Dienste, die Emma mit der beeindruckenden Oberweite. In der Schwarzwaldstraße musste der Betreiber vor zehn Jahren raus. Hat sich nicht gelohnt, seitdem die Tankstellen Lebensmittel verkaufen, denkt man. Stimmt auch, aber nicht ganz! Der heftige und wohl zu lautstarke Zuspruch der nächtlichen Kundschaft hat Lutz Bahner den Betrieb in der Schwarzwaldstraße aufgeben lassen – vor zehn Jahren etwa.



Davor waren die beiden Automaten-Emmas viele Jahre die einzige Quelle fürs Überleben ganz Freiburgs nach 18.30 Uhr und am Sonntag. Ob Miracoli, Klopapier, Butter, Toastbrot, die Flasche Sekt, Kondome – und Bier natürlich: Alles da! Hingehen, Geld einwerfen, den Zahlencode tippen.....  Wer länger als zehn Jahre in Freiburg ist, ist damit vertraut.



Die Technik dürfte mittlerweile einzigartig sein und wäre eine Zierde für jedes Technikmuseum. Sie kommt mit ganz einfachen Maschinenrechnern aus. Das ist vielleicht auch der Grund dafür, dass sie immer noch funktioniert.

Die Automaten-Technik kam damals, das war 1980, aus Frankfurt und konnte sich nie so richtig durchsetzen. "Sie war anfangs rein mechanisch und zu anfällig, bis wir sie nach ein paar Jahren modifiziert haben," sagt Mikael Bahner,
der die Idee aus Schweden mitbrachte und heute auf den Azoren lebt.



Das Geschäft ist aber auch eine Stilikone mit klarem und nüchternem Design nur in blau, weiß, rot. Niemals wurde was verändert oder aufgehübscht. Schöne Icons gibt es für die Bedienelemente. Für Kontrast sorgt die Emma selbst: Sie ist eine fröhliche Bauersfrau mit ebenso züchtigem Dutt wie vorwitzigen Formen. Nicht gerade pc – doch mit ihren Sommersprossen kann sie jeder Manga-Handy-Sirene das Wasser reichen.



Kurzum, das Ganze schreit nach Bestands- und Denkmalschutz. Der funktioniert allerdings bekanntlich immer dann am besten, wenn er erst gar nicht gebraucht wird, sprich: solange die Emma profitabel bleibt. Also nichts wie hin, wenn nächtens leer der Kühlschrank gähnt und Hunger und Durst unstillbar werden.



Hier und sonst nirgends

Der Einkauf dort ist nämlich auch ein Event. Geld einwerfen und gleich danach wird's spannend. Haben wir den Code richtig getippt? Gleich wissen wir's. Ein Metallkasten setzt sich in Bewegung, fährt vor den gewünschten Artikel, wenn's der richtige Code war, und eine Zauberhand schiebt das rettende Feierabendbier, das dringlich benötigte Klopapier oder was sonst auch immer dringlich gebraucht wurde, nach vorne und das Objekt der Begierde plumpst runter in den Metallkasten. Es geht auf wundersame Weise dabei nicht kaputt.



Jetzt fährt der Metallkasten wieder zurück in die Ausgangsposition. Davor geht eine Metalltür auf. Jetzt heißt es mutig sein und hineingreifen und das Bier oder die Kondome oder die Kartoffelsuppe herausholen. Denn schon ganz bald geht die Tür wieder zu und der Einkauf ist wieder weg. Noch mal gut gegangen – wie jedes Mal eigentlich.



Die Wundermaschine ist irgendwas zwischen Getränkeautomat und einer automatisierten Lagerhalle in Miniatur. Der Kunde muss Robotern Vertrauen schenken, deren Wirken sich nicht wirklich erschließt. Möge die Macht mit Ihnen sein!

Notizen für den Einkaufszettel

Emma ist nicht der einzige weibliche Star im Automaten-Geschäft. Da wär noch die Biergit, das Schwarzwaldmädel auf den Rothaus-Flaschen. In der Emma ist Biergit sehr häufig anzutreffen, denn Rothaus-Bier ist äußerst beliebt. Es kostet 1,20 Euro (0,5l). Stammkunden wählen stets die zwei linken Schubfächer. Warum, erfährt man, wenn man es selbst tut.



Einer von den Stammkunden hat sich gerade sein Bierchen gezogen. Es ist billiger als in der Tanke. Und die Freude ist ihm anzusehen, dass es so viel kühler ist als beim Kaufland ein paar Schritte weiter. So einfach kann das Glück zum Feierabend sein.



Selbstverständlich ist hier alles teurer als im Supermarkt. Aber einiges ist auch wiederum nicht ganz so teuer wie in den Tankstellen. Rund 150 Artikel führt die Emma. Hier sind ein paar Preisbeispiele: Mineralwasser: 0,90 Euro, Butter: 1,50 Euro, Karamellbonbons: 0,20 Euro, Jogi: 0,60 Euro, 10 Eier: 1,80 Euro, Miracoli: 3,20 Euro, 2 Rollen Klopapier: 1,20 Euro, Tempo: 0,20 Euro, 3 Billy Boy: 3 Euro.



Wegbeschreibung

Die Automaten-Emma liegt an einer quirligen Kreuzung zwischen Zähringer Straße, Waldkircher Straße und Offenburger Straße. Auch die Händelstraße mit dem Wohnheim gehört zur Nachbarschaft.

Vom Bertoldsbrunnen fährt man mit der Straßenbahn-Linie 2 in Richtung Zähringen. Haltestelle Hornusstraße aussteigen und zurücklaufen. Bei der nächsten Kreuzung links in die Waldkircher Straße abbiegen. Die Emma ist in dem Eckgebäude zwischen Zähringer- und Waldkircher Straße untergebracht. Es gehört postalisch zur Zähringer Straße. Der Eingang der Automaten-Emma ist aber in der Waldkircher Straße. Mit der Straßenbahn sind es ungefähr 13 Minuten – mit dem Fahrrad etwa zehn Minuten.



Adresse

Automaten-Emma
Zähringer Straße 8 – Eingang Waldkircher Straße
79108 Freiburg
0761/509406 für Reklamationen

Öffnungszeiten

immer !
24 Stunden !
Rund um die Uhr !
24/7

Foto-Galerie: Stephan Elsemann

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